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Anlagebetrug: Wie deutsche Anleger in New York Millionen verloren

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Wie deutsche Anleger in New York Millionen verloren

20.01.2012, 10:12 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online

Anlagebetrug: Wie deutsche Anleger in New York Millionen verloren. BCI: Deutsche Anleger vermutlich um Millionen betrogen (Quelle: imago)

BCI: Deutsche Anleger vermutlich um Millionen betrogen (Quelle: imago)

Mutmaßliche Anlagebetrüger sollen Tausende Deutsche mit einem Schneeballsystem um 100 Millionen Euro geprellt haben. Konten im Ausland, ein dubioser Prospekt - trotz Alarmzeichen glaubten Anleger den Renditeversprechen. Wie wurden sie gelockt - und wie schützt man sich vor Abzockern?

"Die Kompetenz für ihr Kapital": Mit diesem Slogan wirbt die US-Firma Business Capital Investors Corporation (BCI) in einem Prospekt um Investoren. Ihre Tätigkeit beschreibt die Gesellschaft mit Sitz in New York recht nebulös: "Gegenstand des Unternehmens ist die Verwaltung des Vermögens der Corporation."

Mutmaßliches Schneeballsystem

Nach Ansicht der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft steckt hinter der Firma nur ein großangelegtes Schneeballsystem - in das laut den Ermittlern Tausende deutsche Anleger einzahlten.

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Dieses Geschäftsmodell funktioniert im Prinzip so: Anleger werden nicht mit Gewinnen ausbezahlt, sondern mit frischen Einzahlungen anderer Investoren. Das bekannteste Beispiel für dieses Prinzip ist der verurteilte US-Betrüger Bernard Madoff, der mit einem Schneeballsystem Investoren abgezockt hatte. "Wir haben bis jetzt keine renditeträchtige Geschäftstätigkeit dieses Unternehmens feststellen können", sagt Oberstaatsanwalt Ralf Möllmann über BCI.

Laut den Ermittlungen kauften etwa 4000 Anleger aus Deutschland für mehr als hundert Millionen Euro Anteile an der Firma - und sollen dabei einem Betrug aufgesessen sein. "Es steht zu befürchten, dass wesentliche Teile des Anlagevermögens nicht mehr vorhanden sind", sagt Möllmann. Manche Anleger investierten laut den Ermittlern ein paar tausend Euro, andere steckten demnach sogar Millionenbeträge in die Firma.

15,5 Prozent Rendite versprochen

Doch wie wurden die Sparer dazu gebracht, ihr Geld einzubringen und wo ist es geblieben? In ihrem Anlegerprospekt wirbt die Firma mit satten Gewinnen: "Angestrebt wird eine Rendite von 15,5 Prozent p.a., die jedoch in keinem Fall gewährleistet werden kann", heißt es da. Zugleich wird vor "Neppern, Schleppern, Bauernfängern" gewarnt. "Investieren Sie nie ihr gesamtes Kapital in eine Anlage!" Das überzeugte Sparer offenbar.

Das Geld kam über Umwege zu BCI

Bei der Münchner Anwältin Susanne Kunzfeld liegen bereits die Akten von mehr als einem Dutzend mutmaßlicher BCI-Opfer auf dem Schreibtisch. Eine Familie ist darunter, die gemeinsam investiert hat. Auch eine Lehrerin steckte ihr Geld in die Firma. Kunzfeld soll nun ausloten, ob noch etwas zurückzuholen ist. Etwa bei den Drahtziehern des mutmaßlichen Schneeballsystems oder bei Vermittlern und Beratern. Sie hätten Kunden auf die Gefahr eines Totalverlusts hinweisen müssen, sagt die Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht.

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Die Anleger zahlten nie direkt an BCI, sagt Kunzfeld. Die Zahlungen gingen demnach auf Konten in Ländern wie Spanien, Rumänien oder Singapur. Empfänger waren Firmen mit Namen wie Syrus Limited. In einem Brief, der "Spiegel Online" vorliegt, wird eine Anlegerin aufgefordert, Geld auf ein Konto eines Schweizer Treuhandbüros bei der Großbank UBS einzuzahlen.

Geschäftsmodell in Deutschland nicht erlaubt

Für die seltsamen Geldflüsse hatten Berater Erklärungen parat, sagt die Anwältin. Eine Mandantin schrieb in einem Fragebogen der Staatsanwaltschaft, ihr Vermittler habe die ausländischen Konten damit erklärt, dass die BCI-Beteiligungen in Deutschland offiziell nicht vertrieben werden dürfen. Es sei aber dennoch alles legal.

"Es wurde mir als absolut sichere Geldanlage empfohlen", schrieb die Anlegerin. Ihr sei erklärt worden, BCI sei eine Art virtueller Zwischenhändler, der Kapitalerhöhungen von Banken und Versicherungen finanziere. "Verstanden habe ich das nicht", notierte die Anlegerin.

Erst ein Schreiben der Fahnder schreckte Anleger auf

Einige Mandanten hätten durchaus zunächst Geld von BCI zurückbekommen, sagt Kunzfeld. Begeistert von dem hohen Gewinn investierten sie dann gleich wieder in Anteile der Firma. "Die meisten wurden erst durch ein Schreiben der Staatsanwaltschaft aus ihrem Dornröschenschlaf gerissen", sagt die Anwältin. Die Ermittler hatten Daten der BCI-Investoren ausfindig gemacht und diese angeschrieben.

Andere Mandanten wurden laut Kunzfeld stutzig, als ihr Geld nicht kam. So hatte ein Anleger 2005 einen Betrag von 5000 Euro in BCI-Anteile gesteckt. 2011 kündigte er seinen Vertrag. Ihm wurde die Auszahlung von 7727 Euro zugesichert. Doch das Geld sei bisher nicht gekommen, sagt Kunzfeld. "Es ist davon auszugehen, dass bei der Firma auch kein Geld mehr da ist."

Verhaftungen am Montag

Am Montag verhafteten Fahnder drei Verdächtige im Fall BCI. Einer ist nach Ansicht der Staatsanwaltschaft der Kopf des Schneeballsystems, die beiden anderen hätten wesentlich mitorganisiert.

Kunzfeld geht davon, dass neben Inanspruchnahme der Hintermänner auch vielen Vermittlern Falschberatung nachgewiesen werden kann und Anleger so Schadensersatz fordern können. Trotzdem hätten wohl viele Geld verloren. "Es ist mit Sicherheit am Ende bei den Verantwortlichen nicht genug da, um alle Anleger komplett zu bedienen", sagt Kunzfeld.

"Manche Anleger reagierten verschnupft auf unsere Ermittlungen"

Auf Tausenden Seiten haben die Fahnder ihre Erkenntnisse gesammelt. Welche Berater und Vermittler von dem mutmaßlichen Betrug wussten, sei noch nicht geklärt, sagt Oberstaatsanwalt Möllmann. Es hätten sogar Finanzberater selbst Geld in die Firma gesteckt. Wie es den mutmaßlichen Drahtziehern gelang, ihr Modell großflächig bei Beratern zu plazieren und in welchem Verhältnis die drei Verhafteten zu BCI standen, will Möllmann aus taktischen Gründen nicht sagen. Die Ermittlungen laufen.

Kaum Strafanzeigen

Noch bis vor kurzem habe die Firma Geld eingesammelt, sagt der Staatsanwalt. Investoren wollten trotz der Erkenntnisse der Ermittler bis jetzt noch nicht so recht glauben, dass sie betrogen wurden. "Manche Anleger reagierten verschnupft auf unsere Ermittlungen", sagt Möllmann. Strafanzeigen gingen bisher nur vereinzelt ein.

Dabei hätten Opfer mit ein wenig Recherche im Internet schon früh stutzig werden müssen. Bereits 2005 warnte das Verbrauchermagazin "Finanztest" vor BCI und führte das Unternehmen auf seiner Warnliste. Damals hatte die Finanzaufsicht BaFin einem Finanzberater das Verkaufen von BCI-Beteiligungen untersagt. Einem Aachener Rechtsanwalt wurde verboten, Anlegergeld für die BCI als Treuhänder anzunehmen.

Gesetzesänderung verhinderte bessere Prüfung

Beide hätten keine Erlaubnis für ihre Finanzgeschäfte gehabt, sagt ein Sprecher der BaFin. Dies habe man 2005 auch an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Doch die Geschäfte mit BCI-Anteilen gerieten bei der BaFin wieder aus dem Fokus. Denn im Jahr 2007 gab es eine Gesetzesänderung. Danach sei die Aufsichtsbehörde rechtlich nicht mehr in der Lage gewesen, die Vermittlung der BCI-Beteiligungen zu untersagen, erklärte der Sprecher.

2005 warnte die BaFin noch, die beiden Männer hätten 3,7 Millionen Euro von Kunden eingesammelt. Davon seien allerdings nur etwa 160.000 Euro an die BCI weitergeleitet worden. Die restlichen Gelder seien zum überwiegenden Teil für Provisionszahlungen an Vermittler verwendet worden, erklärte die BaFin damals. Im Übrigen sei die Verwendung der Gelder nicht bekannt.

Worauf Anleger achten sollten

Warum Anleger dennoch weiter Vermögen in BCI steckten? Es sei wohl die Gier nach Rendite, sagt Markus Feck, Finanzjurist der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Da setzt bei vielen Leuten offenbar die Vernunft aus." Viele Finanzvermittler seien aber auch geschult darin, Kunden zu beruhigen. Feck kritisiert auch den mangelnden Antrieb von Verbrauchern, sich mit Investment-Themen auseinanderzusetzen. "Viele empfinden das als lästig. Sie beschäftigen sich ausführlicher mit Flachbildfernsehern als mit Kapitalanlage."

Um Betrügern nicht auf den Leim zu gehen, rät Fleck Sparern bei ihren Entscheidungen folgendes:

  • Nie in etwas investieren, was man nicht versteht.
  • Es gilt: Je höher die Rendite, desto größer ist das Risiko. Vorsicht also bei großen Versprechungen.
  • Bei den derzeit niedrigen Zinsen sollten schon Renditen ab vier Prozent hinterfragt werden. Vergleichen, welche Zinssätze für abgesicherte Anlagen wie Festgeld gezahlt werden.
  • Angebote oder Firmennamen im Internet recherchieren. Eine zweite Meinung einholen und mit Begleitung zu Beratungsgesprächen gehen.
  • Nie drängen lassen und nie sofort Verträge unterschreiben, sondern Bedenkzeit nutzen.
  • Finanzberater kritisch bewerten: Nehmen diese sich Zeit? Haben diese den finanziellen Rahmen im Blick und fragen nach Verbindlichkeiten und Ausgaben?
  • Sind die Angaben in Anlageprospekten und auf Briefköpfen schlüssig? Sind Namen von Geschäftsführern, Handelsregisternummern, Adressen und Telefonnummern vorhanden?

Im Falle von BCI waren im Brief an eine Kundin Kontaktdaten angegeben. "445 Park Avenue, 9th floor, New York 10022". Auch eine Telefonnummer gibt es. Als SPIEGEL ONLINE dort anruft, meldet sich eine freundliche Dame: Ja, das sei der Anschluss der Firma BCI. Nein, sie könne keine Fragen beantworten, werde aber die Rückrufbitte an einen Verantwortlichen weiterleiten.

Bisher kam kein Anruf aus New York.

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