
04.04.2012, 15:17 Uhr | Financial Times Deutschland, Financial Times Deutschland
Bei dem Solarzellenhersteller verdienten Sanierungsexperten, Anwälte und Investmentbanker Millionen. Auch der Konzernchef gehört dazu. Je tiefer der Solarzellenbauer in die Krise rutschte, desto mehr wurde für Expertise von außen gezahlt - erfolglos.
Am Dienstag ist sie zu Ende gegangen, die Ära von Nedim Cen bei Q-Cells. Seitdem hat ein anderer die Macht über den einst größten Solarzellenbauer der Welt: ein Insolvenzanwalt. Cen hat lange gekämpft, um die Pleite zu vermeiden.
Seit Juni 2009 ist er bei Q-Cells. Erst als Interimsmanager, dann als Finanzchef, zuletzt als Konzernchef. Er hat viel versucht. Am Ende ist er gescheitert. Er hat sich viel Hilfe geholt. Viele sagen: zu viel.
Wir präsentieren in unserem großen Energiespecial die wichtigsten Infos zu Strom und Gas im Haushalt. Strompreise
Millionen und Abermillionen hat Q-Cells seit dem Beginn der Krise vor vier Jahren in Unternehmensberater, Investmentbanker, Insolvenzberater, Krisen-PR-Spezialisten und Rechtsanwälte investiert. Wie viel genau, teilte der Konzern bis Redaktionsschluss am Dienstag nicht mit.
Fest steht: McKinsey, die Sanierungsberatung Alvarez & Marsal, das Insolvenzbüro Görg, die Investmentbank Houlihan Lokey, Berater vom Finanzinvestor Blackstone, die Kanzleien Freshfields, Hengeler Mueller - sie alle haben an der Krise des Solarkonzerns gut verdient. Und je tiefer die Krise wurde, desto mehr Berater holte Q-Cells.
"Q-Cells war ein Eldorado für Berater und ein Heer von Anwälten", sagt der Gläubigeranwalt Peter Dreier, der mit seinen Klagen die Restrukturierung von Q-Cells torpediert hat. "Und alle haben gemeinsam an einem Sanierungskonzept gearbeitet, das am Ende nichtig war."
Schon vor Monaten sei erkennbar gewesen, dass die Sanierungsidee von Q-Cells vor den Gerichten scheitern würde, so Dreier. Trotzdem hätte das Unternehmen weiter an dem Konzept festgehalten, statt nach Alternativen zu suchen. "Das war eine unglaubliche Fehleinschätzung des Vorstands und der Berater, Kanzleien und Restrukturierungsexperten, auf die er hört."
Q-Cells ist ein Extremfall, aber keine Ausnahmeerscheinung. Beratungsunternehmen haben die deutsche Erneuerbare-Energien-Branche für sich entdeckt. Und die junge Industrie nimmt ihre Hilfe gern an. Viele Unternehmen sind erst rasant gewachsen und dann in eine tiefe Krise gestürzt. Lange wurden sie noch von Gründern geführt - von Technikexperten statt von Profimanagern. Und die suchten sich erst den Rat der Experten und wurden später durch sie ersetzt.
"Viele in der Branche sind überberaten", sagt der Chef eines großen deutschen Greentechkonzerns. Denn auch die Berater scheitern immer wieder, zuletzt bei der ersten großen deutschen Solarpleite Solon, bei der auch Alvarez & Marsal aktiv war.
Finden Sie den günstigsten Stromanbieter aus Ihrer Region. Daten eingeben und vergleichen.
Cen kam ebenfalls als Interimsmanager von Alvarez & Marsal zu Q-Cells. Seine Aufgabe: Sanierung. Der Betriebswirt mit türkischen Wurzeln begann seine Karriere 1995 bei der Unternehmensberatung McKinsey. 2005 - damals angestellt bei Credit Suisse - beriet er Linde, als der Konzern seine Gabelstaplersparte an Finanzinvestoren verkaufte.
Im Oktober 2006 fing er bei der Kion getauften Firma als Finanzchef an, 2008 wechselte er zu Alvarez, als einer der Leiter des Restrukturierungsgeschäfts in Deutschland.
Bei Q-Cells verdient der 46-Jährige Millionen. Allein 2011 bekam er fast 1,7 Millionen Euro, davon mehr als 650.000 Euro als erfolgsabhängiger Bonus. Q-Cells schrieb im gleichen Zeitraum bei rund einer Milliarde Euro Umsatz einen Verlust von 850 Millionen Euro, der Aktienkurs fiel um 80 Prozent auf Penny-Stock-Niveau. Wäre die Restrukturierung geglückt, hätte er einen weiteren Bonus bekommen.
"Das ist nicht nachvollziehbar", kritisiert Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. "Das Unternehmen wieder aus der Krise zu führen ist seine ganz normale Aufgabe, dafür reicht das Fixgehalt."
Stattdessen entwarfen Hengeler Mueller und Houlihan Lokey für Cen ein Sanierungskonzept, das fast identisch mit ihren Plänen für den Holzverarbeiter Pfleiderer ist. Mehr als 60 Millionen Euro habe der an die Berater gezahlt, sagt Anwalt Dreier, der auch dort klagte. Sogar die Anwaltskosten der Gläubiger habe der Konzern übernommen.
Am Ende scheiterten Pfleiderer und Q-Cells, weil ein Gesetz für nicht anwendbar erklärt wurde. "Das ist eine spektakuläre Blamage vor allem für Hengeler Mueller", sagt ein Gläubiger. Eine Blamage, die viel Geld gekostet hat.
Quelle: Financial Times Deutschland, Financial Times Deutschland
zur HomepageGlamouröse Looks & wunderbare Kombinationen in großen Größen entdecken! zum Special
8-teiliges Frischaltedosen-Set aus bruchfestem Glas. Jetzt statt 34,99 € nur noch 24,99 €. bei hse24.de
Es war nur ein Missgeschick, enthüllt aber gleich alles. mehr
Exklusive BRAX-Mode für Damen und Herren. Jetzt online entdecken und bestellen. zum Special
10er Set mit 4 x 40 Watt und 6 x 60 Watt! Statt 14,99 € für nur 9,99 € - versandkostenfrei bei conrad.de!