19.04.2012, 17:39 Uhr | dpa-AFX, t-online.de
Nokia hat im ersten Quartal fast eine Milliarde Euro verbrannt. Die Finnen leiden unter ihrem schwachen Smartphone-Geschäft, das sie einfach nicht in Gang bekommen. So sackte der Umsatz in der wichtigen Handysparte um satte 40 Prozent ab. Dort wo Wettbewerber kräftig wuchsen, waren die Einbrüche wie in China besonders dramatisch. Außerdem belastet der kostspielige Konzernumbau den Konzern. Bereits vergangene Woche hatte der Handy-Hersteller vor den fatalen Geschäftszahlen gewarnt und seine Aktie damit in den Keller geschickt. Am Donnerstag rutschte die Nokia-Aktie auf ein neues Allzeit-Tief.
Der langjährige Handy-Weltmarktführer hat zum Jahresbeginn einen gewaltigen Verlust von 929 Millionen Euro erlitten. Bei Smartphones kann Nokia trotz aller Anstrengungen bisher nicht annähernd mit dem iPhone und Android-Geräten mithalten. Zudem verschlang der verlustreiche Netzwerkausrüster Nokia Siemens Networks erneut jede Menge Geld. Mit insgesamt 82,7 Millionen verkauften Mobiltelefonen verlor Nokia möglicherweise sogar die Krone des weltgrößten Handy-Herstellers nach vielen Jahren an Samsung. Der bisherige Verkaufschef Colin Giles geht.
Von Nokias Hoffnungsträger - den im Herbst eingeführten Lumia-Telefonen mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone - wurden gut zwei Millionen Geräte verkauft. Das reichte bei weitem nicht aus, um den Absatzeinbruch bei der betagten eigenen Plattform Symbian auszugleichen. Insgesamt halbierte sich der Smartphone-Absatz auf 11,9 Millionen Geräte. Und gerade die Computer-Telefone sind der Geldbringer, mit dem Konkurrenten wie Apple oder Samsung ihre Kassen füllen. Nokia hatte schon das vergangene Jahr mit einem Verlust von 1,16 Milliarden Euro abgeschlossen.
Die Nokia-Aktie stand nach den katastrophalen Zahlen erneut unter Druck. Das einstige Höhenflieger-Papier hatte Anfang 2008 noch bei 25 Euro notiert. Heute sackte der Kurs unter die Drei-Euro-Marke auf ein neues Allzeit-Tief.
Operativ sank das Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr von plus 439 Millionen Euro auf minus 1,34 Milliarden Euro. Analysten hatten erheblich weniger Verlust erwartet. Zudem schrumpfte der Umsatz deutlich. Nach 10,4 Milliarden Euro vor einem Jahr setzten die Finnen nur noch 7,4 Milliarden Euro um. Der Umsatzeinbruch ging zum größten Teil auf das Konto der wichtigen Handysparte.
Dort brach der Umsatz um 40 Prozent auf 4,25 Milliarden Euro ein. Nach 108,5 Millionen Handys vor einem Jahr verkaufte Nokia in diesem Quartal nur noch 83 Millionen Stück. Die operative Marge habe bei minus drei Prozent gelegen. Zuvor hatte Nokia eine Margenspanne zwischen plus zwei und minus zwei Prozent in Aussicht gestellt. Das ist von besonderer Bedeutung, da die Kernsparte im vergangenen Jahr den Löwenanteil des operativen Gewinns gestellt hatte.
Die Finnen kämpfen seit dem Start des Apple iPhone mit einem kontinuierlich schrumpfenden Geschäft bei hochpreisigen Telefonen. Der frühere Technikführer verlor den Anschluss bei Smartphones an Apple und Samsung und versucht nun, mit niedrigpreisigen Smartphones eine Nische zu finden. Das ist bislang aber kein Selbstläufer. Der harte Wettbewerb in den für Nokia wichtigen Märkten Indien, China, dem Nahen Osten und Afrika macht den Finnen zu schaffen.
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Nokia-Chef Stephen Elop redete am Donnerstag nicht um den heißen Brei herum. Die Probleme seien dem Unternehmen zwar bewusst, aber "wir reagieren immer noch, anstatt den Markt anzuführen", räumte er in einer Telefonkonferenz ein. Schonungslos zählte er die Krisenherde auf. Die veränderten Marktbedingungen in China seien "eine Herausforderung". Der Smartphone-Markt werde von günstigen Geräten mit dem Google -Betriebssystem Android und chinesischen Herstellern aufgerollt. Marktforscher hatten diese Entwicklung schon lange vorhergesagt, jetzt traf sie Nokia trotzdem mit voller Wucht.
Vor gut einem Jahr hatte Elop Nokia bereits als "brennende Plattform" bezeichnet. Als Ausweg sprang Nokia ins Boot von Elops früherem Arbeitgeber Microsoft - ein Schritt, der damals auch Nokia-intern kritisiert wurde. Inzwischen ist klar: Das Bündnis mit dem finanzstarken Software-Riesen und das Betriebssystem Windows Phone sind die letzte Chance von Nokia, nicht zwischen Apple und Samsung zerrieben zu werden. Microsoft hatte versprochen, die Entwicklung von Windows-Phone-Smartphones mit mehreren Milliarden Dollar zu unterstützen. So fließen Quartal für Quartal mehrere hundert Millionen in die Nokia-Kasse.
Quelle: dpa-AFX, t-online.de
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