03.01.2013, 12:54 Uhr | dpa-AFX, t-online.de, mmr
Rund 30 Prozent Wertzuwachs konnten Börsianer im abgelaufenen Jahr erzielen, wenn sie vom Start weg per Fonds oder Zertifkat auf den DAX setzten. Die Analysten hatten Ende 2011 zwar mit deutlichen DAX-Steigerungen gerechnet. Doch blieben sie mit ihren Prognosen etwa 50 Prozent unter den tatsächlich erzielten Gewinnen. Und 2013? Das neue DAX-Jahr wird wohl nur kleine Kursgewinne bringen. Immerhin: Die meisten der befragten Analysten sehen im Jahresverlauf neue DAX-Rekorde. t-online.de gibt einen Überblick.
Nach dem starken Börsenjahr können sich Besitzer deutscher Aktien nach Einschätzung von Experten auf weitere Gewinne freuen. Niedrige Zinsen, die offenen Geldschleusen der Notenbanken, die Entspannung in der europäischen Schuldenkrise, eine globale Konjunkturerholung und günstige Bewertungen sollten die Kurse weiter antreiben. Die Analysten gehen mehrheitlich davon aus, dass der DAX die Marke von 8000 Punkten überspringen wird. Und auch das bisherige Rekordhoch von 8151 Punkten aus dem Sommer 2007 sollte bald Geschichte sein.
So deutlich wie in diesem Jahr, als der DAX die Aktienindizes der Industrienationen und auch diejenigen der meisten Schwellenländer hinter sich gelassen hat, wird das Plus aber nicht mehr ausfallen. In einer anderen Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim gingen die befragten Analysten für den DAX zur Jahresmitte 2013 im Durchschnitt von einem Stand von 7839 Punkten aus. Per Jahresende 2013 sehen die unten genannten Banken den DAX im Schnitt bei knapp 8200 Punkten - also etwa sieben Prozent über dem Schluss-Niveau von 2012. Der DAX schloss am 28.12.12 bei 7612 Zählern.
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Die Schätzungen für 2013 gehen deutlich auseinander. Am optimistischsten ist Thilo Müller, Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft MB Fund Advisory: Er traut dem Index "9000 Punkte plus x" zu (siehe Tabelle unten). "Die richtige Hausse geht erst über dem bisherigen Hoch bei rund 8150 Punkten los", lautet seine Überzeugung.
Pessimistischer sind die Experten der National-Bank. Sie gehen zwar auch davon aus, dass der DAX im Jahresverlauf einen neuen Rekordstand markiert. Dann seien aber Gewinnmitnahmen zu erwarten und der deutsche Leitindex sollte bis auf 7300 Punkte zurückfallen.
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Noch negativer sind die Analysten bei der französischen Großbank Société Générale gestimmt. Sie sehen den deutschen Leitindex Ende 2013 nur noch bei 7250 Zählern. Im vergangenen Jahr lagen die Franzosen übrigens am stärksten daneben: Sie hatten einen zwischenzeitlichen DAX-Absturz auf 4800 Punkte und einen Schlussstand von 5500 Punkten prognostiziert. Am besten sagte damals der Chefstratege von Silvia Quandt Research den DAX-Schluss voraus. Ralf Grönemeyer glaubte für 2012 an einen DAX-Schluss bei 7500 Punkten.
Als entscheidenden fundamentalen Faktor für weiter steigende Kurse im neuen Jahr sehen die meisten Marktspezialisten die lockere Geldpolitik der Notenbanken weltweit. Die Experten sind überzeugt, dass die Währungshüter auch in Zukunft ihren Beitrag zur Stabilität der Märkte leisten werden. Für Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank ist die Europäische Zentralbank (EZB) "das schlagkräftigste Lösungsinstrument der euroländischen Krise", wegen deren Beschwichtigungskurs ("Appeasement-Politik") es keine ernsten politischen Kursrisiken gebe - wenn auch um den Preis, dass aus der Stabilitäts- eine Schuldenunion geworden sei.
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Die Politik der Notenbanken sorgt für niedrige Zinsen, was vor allem Aktien interessant macht. Experten sprechen von einem "Anlagenotstand" - ein Begriff, der laut M.M.Warburg "das Zeug zum Wort des Jahres 2013 hat". Da Anleihen oder Tagesgeld kaum Rendite bringen, bleibt den Investoren fast nichts anderes übrig, als in Aktien zu investieren. "Nach einem guten Börsenjahr sind viele optimistisch, aber nur wenige investiert", sagt MB-Fund-Experte Müller.
Zudem dürften die DAX-Konzerne für 2012 rekordhohe Dividenden zahlen. Die Marktspezialisten sind sich außerdem einig, dass Aktien aus historischer Sicht selbst nach der zuletzt starken Entwicklung noch günstig bewertet sind. "Für mittelfristig orientierte Anleger führt an Aktien auch 2013 kein Weg vorbei", lautet daher das Fazit von Helaba-Analyst Reinwand.
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Die europäische Schuldenkrise - 2012 dominierender Taktgeber für die Börsen weltweit - ist derweil etwas aus dem Blickfeld gerückt. Aktienhändler Markus Huber vom Broker ETX Capital sieht in der aktuellen Kursentwicklung Anzeichen, dass sich die Krise im kommenden Jahr weiter abschwächen wird. Zudem dürfte Spanien letztlich doch unter den Euro-Rettungsschirm ESM schlüpfen. Dies werde für eine größere Risikobereitschaft der Anleger sorgen und dem DAX neue Höchststände bescheren, lautet seine Überzeugung.
Etwas Bedrohungspotenzial räumen Beobachter den italienischen Parlamentswahlen im Frühjahr ein. Im Extremfall könnte sogar Monti-Vorgänger Silvio Berlusconi wieder an die Macht kommen. Dies wäre das Ende der Reformpolitik, befürchtet Baader-Bank-Stratege Halver.
Unterstützung erhalten die Aktienmärkte durch eine Konjunkturerholung insbesondere in den Schwellenländern. Der Commerzbank zufolge sollte dort der Tiefpunkt überschritten sein. Auch in Deutschland und der Eurozone dürfte es wieder bergauf gehen. ETX-Händler Huber erwartet eine "geringfügige Beschleunigung" der chinesischen Wirtschaft, von der auch die deutsche Exportwirtschaft und insbesondere die Autoindustrie profitieren werde.
Für Händler Andreas Lipkow von der Wertpapierhandelsbank MWB Fairtrade könnte China "wieder die Lokomotive des globalen Wirtschaftswachstums werden". Den USA traut Huber nur ein geringes Wachstum zu. Halver sieht diese hingegen als weiteren Aktivposten für die deutschen Exporte, da die konjunkturfreundliche US-Finanzpolitik "keine Hemmungen zeigen wird, die Wirtschaft schuldenseitig zu stützen".
Die Analysten bei HSBC Trinkaus geben sich in ihrer technischen Analyse längerfristig noch optimistischer. Im Jahre 2014 könnte der DAX erstmals die Marke von 10.000 Punkten knacken", glaubt Analyst Jörg Scherer. Gleichzeitig dürfte aber der seit 2003 andauernde Marathonlauf der Outperformance der deutschen Standardwerte im Vergleich zum EuroStoxx 50 zu Ende gehen. Als mögliche Investment-Überraschungen sollten Anleger die südeuropäischen Aktienindizes bzw. den japanischen Topix auf dem Radar haben.
Finanzinstitut | DAX-Ziel |
Baader Bank | 8500 |
Bayern LB | 8000 |
Commerzbank | 8500 |
DekaBank | 8000 |
DZ Bank | 7800 |
ETX Capital | 8500 |
Helaba | 8200 |
HSBC Trinkhaus | 8200 |
Landesbank Berlin | 8200 |
LBBW | 8500 |
MB Fund Advisory | 9000 |
M.M.Warburg | 8400 |
MWB Fairtrade | 8550 |
National-Bank | 7300 |
Postbank | 8000 |
Société Générale | 7250 |
UBS | 7800 |
Quelle: dpa-AFX, t-online.de, mmr
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