Aktien
Die richtige Aktienstrategie: Ist der DAX jetzt kaufenswert?07.02.2013, 12:00 Uhr | dpa-tmn, t-online.de
Trotz der jüngsten Kursrückgänge, sind viele Analysten überzeugt: An den Börsen geht es tendenziell weiter aufwärts. Der DAX wird noch in diesem Jahr seine historischen Höchststände angreifen. Die Wirtschaftsredaktion von t-online.de checkt deshalb: Ist das nun ein richtiger Zeitpunkt für den Einstieg? Und: Welche Risiken bergen Börsenweisheiten?
Volker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, ist optimistisch: "Wir sind zwar reif für eine Korrektur. Doch über 7450 DAX-Punkten bleibt die Börsenampel auf grün", sagte er im Interview beim Deutschen Anleger-Fernsehen (DAF). "Es geht weiter nach oben, das ist meine Kernaussage."
Hinter dem Optimismus steht auch eine alte Börsenregel: "The trend is your friend" - was übersetzt etwa "der Trend ist auf deiner Seite" heißt. Derzeit läuft der DAX weiterhin in einem mittelfristigen Aufwärtstrend. Ein anderes Sprichwort rät davon ab, ins "fallende Messer zu greifen". Die Idee hinter beiden Weisheiten ist dieselbe: Die Entwicklungen einzelner Aktien in der Vergangenheit setzen sich auch in der Zukunft fort. Daraus können Anleger Schlüsse für eigene Kaufentscheidungen ziehen.
"Jeder will besser sein als der Markt", sagt Prof. Martin Weber von der Universität Mannheim. "Um das zu erreichen, suchen Anleger immer nach neuen Ansatzpunkten und entwickeln neue Strategien." Eine dieser Strategien - die sogenannte Momentum-Strategie - leitet sich aus den beiden zitierten Weisheiten ab. "Dabei versucht man quasi, den Schwung des Moments auszunutzen", erklärt der Wissenschaftler.
In der Praxis funktioniert das in etwa so: "Man muss einen Aktienindex, wie etwa den DAX, zunächst in gute und schlechte Aktien aufteilen", erklärt Weber. "Die guten Aktien kauft man dann." Etwas komplizierter ist es bei den schlechten Aktien, denn hier wettet der Anleger auf sinkende Kurse. "Gewinne lassen sich nur mit Leerverkäufen erzielen", sagt Weber. Das heißt: Der Anleger leiht sich die Aktien und verkauft sie, in der Hoffnung, sie zu einem späteren Zeitpunkt billiger kaufen und zurückgeben zu können.
Ein durchaus erfolgsversprechender Ansatz. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass die Momentum-Strategie tatsächlich Gewinn abwirft. Die Höhe der erzielten Rendite variiere dabei aber je nach Zeitraum und Aktienmarkt.
"Für Kleinanleger kann das allerdings riskant sein", sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf. "Denn Anlagestrategien haben oft den Nachteil, dass sie nicht auf Dauer funktionieren." Ein weiteres Problem: "Leerverkäufe sind für Kleinanleger in Deutschland gar nicht möglich", sagt Weber. Zudem seien in den wissenschaftlichen Studien die Handelskosten nicht berücksichtigt worden.
Was bringt die Strategie dann privaten Anlegern also? "Wenn man diese Zusammenhänge kennt, versteht man generell besser, wie der Aktienmarkt funktioniert", so Weber. Und auch, wenn die Strategie nicht eins zu eins angewendet werden kann: "Wer sich an einer solchen Herangehensweise orientiert, ist disziplinierter", sagt Kurz.
Denn einen gravierenden Fehler machen Anleger immer wieder. "Sie lassen die Gewinne nicht lange genug laufen, Verluste aber schon", sagt Kurz. Das heißt: Steigt der Aktienkurs, verkaufen sie oft zu schnell. Sinkt der Kurs, halten sie sie zu lange. "Eine solche Herangehensweise wie die Momentum-Strategie erzieht Anleger dazu, nicht so emotional zu handeln und damit höhere Renditen zu erzielen."

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Grundsätzlich sollten Anleger aber zunächst die nüchternen Fakten in den Blick nehmen, statt auf Trends zu setzen. Das rät Christine Bortenlänger vom Deutschen Aktieninstitut in Frankfurt. Das heißt: "Suchen Sie sich nur Unternehmen, deren Geschäftsmodell Sie auch verstehen und schauen Sie sich dann an, wie die Firma dasteht."
Außerdem sollten Anleger immer nur so viel Geld an der Börse investieren, wie sie tatsächlich entbehren können. "Man muss mit Kursschwankungen schon leben können", sagt Kurz. Wer sein Geld brauche, wenn die Kurse im Keller sind, mache beim Verkauf zwangsläufig Verlust. Daher sollte auch der Anlagehorizont nicht zu kurz sein. "Fünf Jahre sollten es mindestens sein." Wichtig auch: nicht alles auf eine Karte zu setzen. "Acht bis zehn verschiedene Titel sollten mindestens im Depot liegen", sagt Bortenlänger.
07.02.2013, 12:00 Uhr | dpa-tmn, t-online.de
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