15.05.2013, 14:02 Uhr | dpa, dpa-AFX, t-online.de
Berlin bereitet seinen Ausstieg bei der Commerzbank vor – knapp fünf Jahre nach dem Einstieg hat die Bundesregierung mit einem komplizierten Kapitalschritt ihren Anteil gesenkt. Der Rettungsfonds SoFFin gab über Nacht wie angekündigt die Sperrminorität von 25 Prozent der Aktien auf, mit der wichtige Entscheidungen bei Deutschlands zweitgrößtem Geldinstitut blockiert werden konnten. Das teilte die Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung in Frankfurt mit. Nun werden sowohl Aktien als auch Bezugsrechte gehandelt – und für die Anleger ergibt dies einen Gewinn.
Mit der geplanten vollständigen Rückzahlung der direkten Staatshilfen Ende Mai sieht der Bankenrettungsfonds SoFFin nun keinen Bedarf mehr, die Commerzbank so eng zu kontrollieren. Für Konzernchef Martin Blessing, der nie einen Hehl daraus gemacht hatte, dass er den Staat als größten Anteilseigner gerne wieder loswerden würde, ist das eine gute Nachricht.
Doch für den SoFFin - und damit letztlich für den Steuerzahler - war die Platzierung von Aktien im Volumen von 625 Millionen Euro bei institutionellen Investoren ein riesiges Verlustgeschäft. Der SoFFin wurde die Papiere zum Stückpreis von sieben Euro los, gezahlt hatte der Fonds im Schnitt 34,70 Euro.
Der Bankenrettungsfonds war nach der Lehman-Pleite Mitte September 2008 bei der Commerzbank eingestiegen. Die Bank hatte zuvor mitten in der Finanzkrise die mit Altlasten behaftete Dresdner Bank vom Versicherer Allianz übernommen. Berlin zahlte insgesamt 18,2 Milliarden Euro staatliche Hilfsgelder: 16,4 Milliarden Euro als Stille Einlage, der Rest floss in die Aktienbeteiligung. Den Löwenanteil der Rettungsmilliarden hatte die Commerzbank mit einer Kapitalerhöhung vor zwei Jahren getilgt.
Mit der jetzigen Kapitalerhöhung will die Bank bei Investoren 2,5 Milliarden Euro frisches Geld einsammeln. Damit sollen die restliche direkte Staatshilfe (1,6 Milliarden Euro) und die Stille Einlage der Allianz (750 Millionen Euro) zurückgezahlt werden. Um den angestrebten Verkaufserlös zu erzielen, musste der SoFFin mit rund 90 Millionen Aktien mehr Papiere als ursprünglich geplant verkaufen - der Staat bot Investoren die neuen Papiere mit einem hohen Abschlag auf den Aktienkurs vom Dienstag an.
Bei der laufenden Kapitalerhöhung der staatlich gestützten Bank können die Altaktionäre für 21 gehaltene Aktien 20 neue beziehen. Hier die Eckdaten: Der Bezugspreis liegt bei 4,50 Euro, die Aktie hatte am am Dienstagabend im Xetra-Handel auf einem Rekordtief von 9,31 Euro geschlossen. Für das Bezugsrecht ergibt sich ein rechnerischer Wert von 2,34 Euro. Der theoretische Wert der Commerzbank-Aktie ohne die Bezugsrechte liegt damit bei 6,96 Euro.
Die Börsianer haben damit sowohl bei den Bezugsrechten als auch bei den Aktien auf kurze Sicht einen Gewinn gemacht: Die Aktie notierte zwischenzeitlich bei 8,19 Euro und das Bezugsrecht wurde im Hoch für 3,47 Euro gehandelt. In der Summe von Aktie und Bezugsrecht errechnete sich zeitweise ein Plus von rund einem Viertel.
Nach Abschluss der laufenden Kapitalerhöhung wird der SoFFin rund 17 Prozent der Commerzbank-Anteile halten. Der künftige Staatsanteil wird gemessen am aktuellen Kurs noch etwa 1,5 Milliarden Euro wert sein. Zum rechnerischen Einstiegskurs waren es rund fünf Milliarden Euro gewesen.
Allerdings hatte der Staat im Laufe der Jahre auch Zinsen und andere Zahlungen bekommen, so dass Berlin zuletzt noch rund 3,7 Milliarden Euro bei der Bank im Feuer hatte. Der Kurs der Commerzbank-Aktie müsste sich also mehr als verdoppeln, damit der Staat zumindest ohne Verluste aus seinem Engagement herauskommt.
Der Staat will langfristig weitere Commerzbank-Aktien verkaufen. Grundsätzlich verfolge man die ordnungspolitische Ausrichtung, den Anteil "sukzessive und marktschonend" zu reduzieren, sagte eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums in Berlin.
15.05.2013, 14:02 Uhr | dpa, dpa-AFX, t-online.de
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