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Praktiker-Aktie stürzt ab: Baumarktkette steht vor der Pleite

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Praktiker vor dem Aus: Doch noch ein Hoffnungsschimmer?

11.07.2013, 13:55 Uhr | rtr, t-online.de

Die Baumarktkette Praktiker schreibt seit Jahren rote Zahlen (Quelle: dpa)

Die Baumarktkette Praktiker schreibt seit Jahren rote Zahlen (Quelle: dpa)

Praktiker steht vor dem Aus. Verhandlungen über weitere Sanierungs-Finanzierungen des Baumarkt-Riesen seien gescheitert, teilte das Unternehmen in Hamburg mit. Einzelne Gläubigergruppen hätten diesen nicht zugestimmt. Damit ist die Praktiker AG überschuldet und zahlungsunfähig. Die Aktie des Unternehmens reagierte mit einem Kursrutsch und brach teilweise um mehr als 70 Prozent ein. Inzwischen wurde ein Insolvenzverfahren beantragt. Doch es gibt einen Hoffnungsschimmer.

Insolvenz beantragt

Wie die Praktiker AG mitteilte, wurde der Insolvenzantrag beim Amtsgericht Hamburg gestellt und gilt für die Praktiker- und Extra-Bau+Hobby-Märkte. Das Unternehmen spricht von einer "Regelinsolvenz mit dem Ziel, einen Sanierungsplan zu erstellen".

"Die derzeit 132 Max-Bahr-Märkte sind von den Anträgen ebenso wenig betroffen wie das internationale Geschäft des Praktiker-Konzerns", heißt es in der Mitteilung. Die Filialen der Vertriebslinien Praktiker sowie Extra-Bau+Hobby sollen im Rahmen eines vorläufigen Insolvenzverfahrens uneingeschränkt fortgeführt werden.

Doch noch Hoffnung auf Rettung?

Indes erholten sich die Aktien des Unternehmens etwas und wurden mit einem Minus von etwas mehr als 60 Prozent gehandelt. Wie Praktiker-Großaktionärin Isabella de Krassny der "WirtschaftsWoche" sagte, besteht weiterhin ein Interesse am Überleben der Baumarktkette. "Wenn jetzt alle Beteiligten an einem Strang ziehen, lässt sich Praktiker auch in der Insolvenz sanieren", sagte die Österreicherin der Zeitung.

Ein Börsianer sagte: "Am Markt keimt die Hoffnung auf, dass Praktiker nun doch noch gerettet werden kann und das stützt die Aktien." Oder auch eine Insolvenz in Eigenregie wäre positiv. Bereits am Vortag hatten die Papiere knapp 20 Prozent eingebüßt.

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Obi will Kette nicht übernehmen

Die Baumarktkette Obi hat inzwischen erklärt, den angeschlagenen Konkurrenten nicht übernehmen zu wollen. "Wir werden mit Sicherheit keine Kette übernehmen", sagte der Chef des Obi-Mutterkonzerns, Karl-Erivan Haub, bei seiner Bilanzvorlage in Mülheim an der Ruhr.

Das Exposé zu Praktiker habe man vier Mal auf dem Tisch gehabt. "Es wurde zwar immer preiswerter, aber nicht besser", betonte er. Obi könnte möglicherweise an einigen guten Standorten interessiert sein. Wieviele Praktiker-Filialen infrage kämen, sagte er jedoch nicht.

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Geplanter Verkauf geplatzt

Praktiker hätte nach eigenen Angaben frisches Geld gebraucht, nachdem der fest eingeplante Verkauf der drei luxemburgischen Batiself-Baumärkte nach einem Rückzieher des Käufers gescheitert war. Die Banken hatten Finanzkreisen zufolge bereits am Dienstag signalisiert, dass sie zu weiteren Finanzspritzen für Praktiker nicht mehr bereit seien. "Es hat keinen Sinn mehr, weitere Löcher zu stopfen", hatte ein involvierter Banker gesagt.

Der österreichische Praktiker-Großaktionär Donau Invest hingegen wollte gemeinsam mit anderen Investoren die Insolvenz der Baumarktkette verhindern. Eine Gruppe von Geldgebern habe insgesamt gut 40 Millionen Euro aufgetrieben, um dem Unternehmen unter die Arme zu greifen, sagte Donau-Invest-Geschäftsführer Alain de Krassny. Er hält über seine Gesellschaft Donau Invest knapp zehn Prozent der Praktiker-Anteile.

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Großaktionär: Praktiker bekam nicht genug Zeit

Der Rettungsplan sei letztlich an fehlenden Sicherheiten für die Investoren gescheitert. Er glaube trotz allem an das Unternehmen, die Belegschaft und das Management des Konzerns. "Es wurden viele Fehler gemacht in der Vergangenheit und ich glaube, Praktiker hat nicht genug Zeit bekommen, um das wieder ordnungsgemäß in die richtige Bahn zu bringen", sagte der Investor.

Langer Winter drückte Umsatz

Eigentlich wollte der erst im Herbst 2012 installierte Vorstandschef Armin Burger das Geschäft in diesem Jahr auf ein solides Fundament stellen. Doch Praktiker musste im ersten Quartal Umsatzverluste hinnehmen, die weiter anwuchsen. Ursache für die schwachen Zahlen waren für die Heimwerkerbranche der lange Winter und der damit verzögerte Start in die Frühjahrssaison.

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Das durchkreuzte das Sanierungskonzept für die 430 Baumärkte. Deshalb kehrte Praktiker anders als geplant zu Rabattaktionen ("20 Prozent auf alles") zurück, die den Konzern schon zuvor in Schieflage gebracht hatten. Der Konzern setzte 2012 rund drei Milliarden Euro um.

Kreditversicherer verstärkte Druck

Einer der Warenkreditversicherer hatte die Lage noch verschärft, als er Anfang der Woche seine Deckung zurückgezogen hatte, wie zwei Brancheninsider sagten. Über Kreditversicherer finanzieren Handelsunternehmen den Warenbestand vor, bis Geld in die Kasse kommt. Ohne diese Garantien droht der Warenstrom von den Lieferanten schnell zu versiegen.

Praktiker hatte erst im Herbst nach monatelangem Ringen frisches Eigenkapital und neue Kredite bekommen. Letztere sind mit Vermögenswerten der Tochtergesellschaft Max Bahr besichert, die anders als Praktiker keine Billigstrategie fährt. Daher hoffen die Kreditgeber, bei einer Pleite des Konzerns relativ glimpflich davonzukommen. Einer der größten Praktiker-Gläubiger ist die Commerzbank, die sich nicht äußern wollte.

Markenumbau gescheitert

Unter der Holding Praktiker AG sind einzelne Firmen wie Praktiker Deutschland, eine Servicefirma aber auch die Markenperle Max Bahr zusammengeführt. Ziel der Sanierung war der Umbau etlicher Praktiker-Filialen auf diese ertragsstärkere gelbe Marke. Praktiker sollte als Discount-Schiene mit verkleinertem Angebot dienen.

Max Bahr sollte eigentlich zur tragenden Säule des Unternehmens gemacht werden, wie Praktiker-Vorstandschef Burger angekündigt hatte. "Mit Max Bahr haben wir Jahr für Jahr Geld verdient, mit Praktiker nicht." Konzernweit hat Praktiker, eine der größten Baumarktketten in Deutschland, rund 18.000 Mitarbeiter, davon knapp 7000 im Ausland. Der Konzern betreibt nach Firmenangaben fast 430 Bau- und Heimwerkermärkte in neun Ländern, davon mehr als 300 in Deutschland.

11.07.2013, 13:55 Uhr | rtr, t-online.de

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