26.07.2013, 16:16 Uhr | dpa-AFX, rtr, t-online.de
Die Hoffnung schwindet, dass wenigstens ein Teil des insolventen Praktiker-Konzerns zu retten ist. Denn nun hat sich auch die Baumarkt-Kette Max Bahr mit bundesweit 132 Standorten für zahlungsunfähig erklärt. Die Geschäftsführer der betroffenen Max-Bahr-Gesellschaften würden beim Amtsgericht Hamburg die Eröffnung von Insolvenzverfahren wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit beantragen, teilte das Unternehmen am Donnerstagabend mit. Einen Tag später sagte ein Sprecher allerdings: Max Bahr solle auch nach dem Antrag die Geschäfte weiterführen.
Es komme darauf an, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren, die Warenversorgung sicherzustellen und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten, so der Sprecher. Offenbar hat der Warenkreditversicherer Coface die Reißleine gezogen und die Vorfinanzierung der Lieferanten eingestellt. "Eine zuverlässige Warenversorgung der Max-Bahr-Märkte ist damit nicht mehr gewährleistet", erklärte Praktiker.
Die weitere Zukunft der Max-Bahr-Märkte ebenso wie der gesamten Praktiker-Gruppe ist unklar. Die Insolvenzverwalter wollen die Gruppe gern als Ganzes verkaufen. Praktiker hatte vor zwei Wochen Insolvenz beantragt.
Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di warnte vor einer Zerschlagung der Unternehmensgruppe. Diese müsse unbedingt verhindert werden. Das Ver.di-Bundesvorstand-Mitglied Stefanie Nutzenberger kritisierte zudem den Warenkredit-Versicherer. Es sei "skandalös", dass ein einzelnes Unternehmen aus kurzfristigem Profitinteresse die Fortführung des Unternehmens gefährde, erklärte sie.
Max Bahr galt bisher als Hoffnungsträger des Konzerns. Zahlreiche Praktiker-Märkte waren in die etablierte gelbe Marke umbenannt wurden, damit das Unternehmen vom Discounter-Image wegkommt. Zuletzt gab es 132 Max-Bahr-Standorte, für die Marke Praktiker sind es in Deutschland 169 (Stand Ende März). Im In- und Ausland hat der Konzern rund 18.000 Mitarbeiter, bei Max Bahr sind es nach eigenen Angaben etwa 3700.
Mit dem Billig-Image ("20 Prozent auf alles - außer Tiernahrung") hatte Praktiker keinen Erfolg gehabt und hohe Verluste angehäuft. Weiterhin nicht betroffen von den Insolvenzverfahren ist das - inzwischen verkleinerte - internationale Geschäft.
Es solle nun ein Insolvenzplanverfahren bei Max Bahr durchgeführt werden, hieß es in der Mitteilung - es hat in der Regel die Sanierung des Unternehmens zum Ziel. Dass eine Tochter durch die strauchelnde Mutter mit in die Insolvenz gerissen wird, ist durchaus kein Einzelfall.
Letzter Stand bei den Sanierungsbemühungen des Konzerns war das Ziel des vorläufigen Insolvenzverwalters der börsennotierten Holding Praktiker AG, die Baumarktketten möglichst als Ganzes an einen Investoren zu verkaufen. Es gebe diverse Interessenten, hieß es. Mehrere Konkurrenten wie Obi, Hornbach und Hagebau hatten ihr Interesse bereits öffentlich signalisiert, allerdings nur für einzelne Filialen und nicht für ein Gesamtpaket. Einige Gläubiger des Unternehmens hatten sich hingegen für eine Fortführung ohne Verkauf ausgesprochen
26.07.2013, 16:16 Uhr | dpa-AFX, rtr, t-online.de
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