Stellenabbau bei Top-Managern
In der Commerzbank zittern die Häuptlinge08.08.2013, 09:40 Uhr | Spiegel Online
Commerzbank-Chef Blessing (Mitte), Vorstände Klösges (2. von rechts) und Sieber (rechts): Wer muss von Bord? (Quelle: dpa)
Erst traf es die Commerzbank-Mitarbeiter in den Filialen, nun muss auch die Führungsebene bangen. Zwei Vorstände sollen gehen, weitere Top-Manager werden folgen. So versucht Konzernchef Blessing den eigenen Job zu retten.
Es ist der Rachetraum vieler kleiner Angestellter: Wenn wir hier unten schon bluten müssen, dann soll es die da oben gefälligst auch treffen. Genau das passiert nun bei der Commerzbank.
Nachdem das Institut bereits im Juni eine Sparrunde unter den mehr als 50.000 Beschäftigten angekündigt hatte, soll jetzt auch die Führungsriege verkleinert werden. Der Aufsichtsrat der Bank beschloss am Mittwoch, den Vorstand "in absehbarer Zeit" von neun auf sieben Mitglieder zu verkleinern. Schon bald sollen auch auf den Ebenen darunter Manager gehen.
Welche Vorstände die Bank verlassen müssen, wurde nicht mitgeteilt. Eine Entscheidung dazu sei noch nicht getroffen worden, hieß es. Seit Wochen werden die Namen Jochen Klösges und Ulrich Sieber genannt. Doch im Aufsichtsrat gibt es Vorbehalte, wegen der Millionenabfindungen, die man den beiden Managern zahlen müsste. Auch beim Bund - mit 17 Prozent immer noch Großaktionär der Bank - will man hohe Zahlungen an die Streichkandidaten möglichst verhindern.
Klösges und Sieber sind bisher für die interne "Bad Bank" zuständig, in die das Geldhaus all die Geschäftsbereiche, Kredite und Wertpapiere verbannt hat, die es möglichst schnell loswerden will. Der Verkauf der Resterampe kommt gut voran - und warum die Sparte zwei Chefs braucht, fragten sich ohnehin viele Leute in der Bank.
Auch unterhalb des Vorstands gibt es noch Kürzungspotential. "Im mittleren und oberen Management ist viel zu viel Personal an Bord", sagt ein Mitarbeiter. Nach der Fusion mit der Dresdner Bank im Jahr 2009 seien viele Positionen immer noch "doppelt und dreifach besetzt".
Hier will Bankchef Martin Blessing aufräumen. In einem Interview im konzerneigenen Intranet verkündete er, von den 55 Führungskräften auf der ersten Ebene sollten rund 20 Prozent wegfallen. "Auch die zweite Führungsebene werden wir verkleinern, da wir hier ebenfalls Überkapazitäten haben", sagte Blessing. Bis Ende des Jahres soll die Aktion abgeschlossen sein.
Der Kahlschlag an der Spitze dürfte für Blessing so etwas wie der letzte Versuch sein, den eigenen Job zu retten. Der Manager steht gewaltig unter Druck. Die Sanierung der angeschlagenen Bank kommt nur sehr langsam voran. Blessings Versprechen, 2012 wieder drei Milliarden Euro Gewinn vor Steuern zu machen, scheiterte krachend. Der Aktienkurs kennt nur eine Richtung: Allein im laufenden Jahr ging es um mehr als 40 Prozent nach unten.
Altlasten wie Schiffskredite und faule Kredite in der Immobilienfinanzierung belasten den Konzern. Doch auch die Privatkundensparte läuft immer noch nicht rund, auch wenn sie zuletzt ein verstärktes Wachstum vermelden konnte. An diesem Donnerstag will die Bank ihre Geschäftszahlen für das zweite Quartal vorlegen - Experten erwarten nur einen Minigewinn.
Immer wieder machen Gerüchte die Runde, die Bundesregierung als Großaktionär wolle Blessing ablösen. In der Presse wird sogar schon Firmenkundenvorstand Markus Beumer als möglicher Kronprinz genannt. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat bisher jedoch alle Ablösegerüchte zurückgewiesen.
In einer solchen Phase sorgt die Aufräumaktion im Vorstand für Ablenkung. Auch intern, wo die Lage wegen der jüngsten Sparrunde angespannt ist. "Weniger Mitarbeiter erfordern auch weniger Führungspersonal - das leuchtet erst mal ein", sagt Dieter Hein vom unabhängigen Analysehaus Fairesearch. Er vermutet hinter der Aktion auch eine öffentlichkeitswirksame Inszenierung. "Man will den Mitarbeitern zeigen, dass es nicht nur die Indianer trifft, sondern auch die Häuptlinge."
Bis 2016 will die Commerzbank 5200 Stellen abbauen, das entspricht rund zehn Prozent der Belegschaft. Es ist bereits die zweite Sparrunde innerhalb weniger Jahre. Schon nach der Fusion mit der Dresdner Bank 2009 wurden 9000 Stellen gestrichen.
Wenn alles nach Plan läuft, sind auch dieses Mal keine Kündigungen nötig - normale Fluktuation, Vorruhestandsregelungen und Abfindungen sollen den Abbau regeln. Angesichts der schlechten Lage der Bank halten Experten diesen Sparkurs sogar für sehr moderat. "Der Stellenabbau wird über vier Jahre gestreckt", sagt Analyst Hein. "Wenn man sanieren und die Kosten drücken muss, passt das nicht zusammen."
Auch mancher Mitarbeiter fragt sich, ob das gemächliche Spartempo ausreichen wird, um die Bank wieder fit zu machen: "Wir wundern uns immer noch, wie langsam das geht."
08.08.2013, 09:40 Uhr | Spiegel Online
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