Solarworld
Solarworld: Insolvenz laut Kennern nur aufgeschoben, nicht aufgehoben09.08.2013, 10:25 Uhr | rtr, t-online.de
Gründer sind nicht die besten Sanierer - diese Binsenweisheit trifft nach Ansicht von Experten auf den Solarworld-Chef Frank Asbeck zu. Kenner beklagen die mangelnde Bereitschaft des einst als "Sonnenkönig" gerühmten Unternehmers, seinen Solarkonzern grundsätzlich umzukrempeln. Dem Rettungskonzept hatten die Solarworld-Aktionäre am Mittwoch nach einer Marathon-Sitzung zugestimmt. Eine Insolvenz des einstigen Branchenprimus sehen Analysten aber dennoch als aufgeschoben, nicht als aufgehoben.
"Der Markt hat sich radikal geändert, nicht aber das Geschäftsmodell", kritisiert etwa Wolfgang Hummel vom Zentrum für Solarmarktforschung. "Damit kann die Insolvenz noch nicht vom Tisch sein." Asbeck sollte aufhören, gegen die Chinesen zu kämpfen, und vielmehr mit ihnen zusammenarbeiten, so ein Analyst, der nicht namentlich genannt werden will. "Es kommt mir so vor, als wenn Asbeck fünf Jahre im Urlaub gewesen wäre und nicht mitbekommen hätte, was passiert ist", fügt er hinzu. Am Geschäftsmodell müsse noch einiges gedreht werden.
Der jüngst genehmigte Sanierungsplan löse lediglich das Schuldenproblem, erklärt Hummel. Nun müsse die Restrukturierung erarbeitet werden nach dem Motto: "Was kann ich, was meine Wettbewerber nicht können." Nach Ansicht von Hummel fehlt Solarworld ein Alleinstellungsmerkmal. Es gebe viele, die gute Solarmodule oder -zellen produzierten. Auch der Versuch, die chinesische Konkurrenz durch Antidumpingzölle auf Abstand zu halten, sei letztendlich gescheitert, glaubt Hummel. Eine Möglichkeit wäre nun, sich auf solares Energiemanagement zu konzentrieren und das Systemgeschäft auszubauen.
"Das ist nicht unser Geschäftskonzept" - damit bügelte Asbeck allerdings bereits Kleinanleger ab, die ähnliche Forderungen aufstellten. Er beharrt darauf, als Qualitäts-Komplettanbieter ohne Werksschließungen und Personalabbau weiterzumachen. "Wir glauben an die Sache und wir glauben, dass wir wettbewerbsfähig sind", so sein Credo.
"Das Management hat bis heute nicht erkannt, dass es Fehler gemacht hat", kritisiert Roland Klose von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. "Weiter so wird nicht funktionieren", mutmaßt ein anderer Anleger. Eine Kleinanlegerin forderte gar Asbecks Rücktritt. Doch der ließ sich seinen Vertrag just bis 2019 verlängern.
Das Sanierungskonzept kommt Gläubiger und Anteilseigner teuer zu stehen. Die Gläubiger tauschen 55 Prozent ihrer Forderungen in Aktien, den Altaktionären bleiben dann ganze fünf Prozent an Solarworld. Mit dem Beschluss der Hauptversammlung werden die Schulden von über 900 Millionen Euro auf unter 500 Millionen gedrückt. Zunächst für Asbeck ein Befreiungsschlag, da derzeit der Schuldendienst rund 60 Millionen Euro im Jahr kostet.
Nach einem operativen Verlust von 69 (Vorjahr: 144) Millionen Euro hatte der Bonner Konzern Ende Juni noch 162 Millionen Euro auf der hohen Kante - 62 Millionen weniger als Ende Dezember. Der Rückgang liegt nach Angaben Asbecks vor allem an Zinszahlungen und Investitionen. Grund für die anhaltenden Verluste ist ein Einbruch des Geschäfts.
Vor allem wegen der Verunsicherung der deutschen Kunden nach den Schlagzeilen um die Schieflage von Solarworld sackte der Umsatz im ersten Halbjahr um 41 Prozent auf 201 Millionen Euro ab, mutmaßt Asbeck. Allerdings brach insgesamt in Deutschland die Nachfrage nach Solaranlagen ein. Im ersten Halbjahr wurden soviele Anlagen installiert wie allein im Juni des Vorjahres. Mithin ist nicht nur der durch die chinesische Konkurrenz befeuerte Preisverfall ein Problem, sondern auch der Nachfragerückgang. Ein Grund mehr das Geschäftsmodell zu überdenken.
09.08.2013, 10:25 Uhr | rtr, t-online.de
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