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BlackBerry erwägt Rückzug von der Börse09.08.2013, 13:34 Uhr | rtr, t-online.de
Noch wird darüber nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen. Doch offenbar erwägt der strauchelnde Smartphone-Pionier BlackBerry, sich vom Aktienmarkt zurückziehen. Wie Reuters von eingeweihten Personen erfahren haben will, haben sich der deutsche Konzernchef Thorsten Heins und der Verwaltungsrat mit dieser Idee angefreundet, um dem Unternehmen mehr Luft für seine dringend benötigte Sanierung zu verschaffen. "Der Ton im Verwaltungsrat hat sich geändert", wird ein Insider zitiert. Allerdings habe sich BlackBerry nicht zu den Informationen äußern wollen.
Einst war BlackBerry ein Liebling der Investoren an der Börse. Jedoch hat es mittlerweile den Anschluss an den Markt der mobilen Endgeräte verloren. Denn der kanadische Konzern, der sich aus Imagegründen kürzlich von Research in Motion umbenannte, befindet sich im Klammergriff der stetig wachsenden Rivalen Apple und Samsung. So fehlt dem Unternehmen schlichtweg die passende Antwort darauf, wie es verlorengegangene Marktanteile schnell zurückgewinnen kann. Zusätzlich haben Verzögerungen bei der Einführung des neuen Modells "BlackBerry 10", Probleme im Management, andauernde Quartalsverluste und ein Stellenbau für schlechte Stimmung gesorgt.
Ohne Druck von der Börse dürfte es für das Management um Ex-Siemens-Manager Heins leichter sein, den Konzern einer Radikalkur zu unterziehen. BlackBerry müsste sich nicht vor seinen Anlegern rechtfertigen und stünde weniger im Fokus. Auch beim PC-Hersteller Dell ist dies einer der Hauptgründe, weshalb Firmengründer Michael Dell diesen Weg einschlagen will und eine rund 25 Milliarden Dollar schwere Kaufofferte auf den Tisch gelegt hat.
Im Gegensatz zu Dell sind die Überlegungen bei BlackBerry aber bislang nur Gedankenspiele. Den mit der Angelegenheit vertrauten Personen zufolge ist noch keine Entscheidung getroffen und dementsprechend kein Verkaufsprozess in Gange. Sollte BlackBerry diesen Weg einschlagen, gilt es außerdem viele Hindernisse zu überwinden. Es ist völlig unklar, ob die Kanadier einen Käufer finden, der bereit ist, die Abkehr von der Börse zu finanzieren. Denn so lange der Konzern weiterhin rote Zahlen schreibt, dürfte dies schwierig sein.
Dem Aktienkurs der Firma, die sich vor allem wegen ihrer sehr sicheren Datenübertragung einen Namen gemacht hat, tut die Unsicherheit zu ihrer Zukunft nicht gut. Nach dem Rekordhoch 2008, als der Konzern noch 84 Milliarden Dollar wert war, sind es jetzt nur noch knapp fünf Milliarden Dollar. Allein in diesem Jahr ist der Kurs um über 19 Prozent geschrumpft.
Immer wieder gab es in der Vergangenheit Übernahmegerüchte. Firmenchef Heins betonte aber stets, BlackBerry könne es alleine schaffen und benötige einfach mehr Zeit. Partnerschaften mit anderen Unternehmen schloss er jedoch nie aus. Insidern zufolge gibt es diesbezüglich Gespräche mit dem Finanzinvestor Silver Lake. Dieser ist kein Unbekannter. Die Private-Equity-Gesellschaft spielt auch eine wesentliche Rolle bei Dell, weshalb es bereits Spekulationen über eine mögliche Zusammenarbeit beider Firmen bei mobilen Geräten gibt.
Dell, die Nummer drei der PC-Branche, leidet angesichts des Booms von Tablets und Smartphones unter dem wegbrechenden Geschäft mit klassischen Computern und erhofft sich so mehr Freiheit für eine radikale Neuausrichtung. Mitte September sollen die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über die Offerte von Michael Dell abstimmen. Das Votum wurde in der Vergangenheit aber schon mehrfach verschoben.
09.08.2013, 13:34 Uhr | rtr, t-online.de
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