11.07.2013, 16:24 Uhr | dpa
US-Notenbank-Chef Ben Bernanke hat seine eigene Marschrichtung von Juni relativiert. Während er damals ein Ende der Politik des billigen Geldes ankündigte, hält er dies zunächst weiter für notwendig. Die Finanzmärkte reagieren mit Jubelstürmen, der US-Dollar verliert. Doch Analysten warnen: Die Aussagen würden nichts daran ändern, dass die Fed ihre Anleihekäufe im Laufe des Jahres einschränken dürfte.
Bernanke hatte in einer Rede die Furcht vieler Anleger vor einem Ende des des ultrabilligen Geldes gedämpft: "Alles zusammen genommen kann man davon ausgehen, dass die extrem anpassungsfähige Geldpolitik auf absehbare Zeit das ist, was die US-Wirtschaft braucht", sagte er bei einer Veranstaltung in Cambridge (Massachusetts) am Mittwochabend.
Die hohe Arbeitslosigkeit und die niedrige Inflation bedeuteten für die Fed, ihre konjunkturstützenden Maßnahmen fortsetzen zu müssen, sagte Bernanke. Das Protokoll der letzten Sitzung der Notenbank hatte zuvor bereits gezeigt, dass viele Währungshüter erst weitere Fortschritte am Arbeitsmarkt sehen wollen, bevor die massive Liquiditätsunterstützung für die Wirtschaft gedrosselt wird. Die Frage, wann die Anleihekäufe gedrosselt werden sollen, versetzt die Finanzmärkte seit Monaten in Aufruhr.
Derzeit kauft die Notenbank pro Monat für 85 Milliarden Dollar Staats- und Immobilien-Papiere und schafft auf diese Weise frisches Geld, das die Konjunktur ankurbeln soll. Das hat unter anderem die US-Aktienmärkte in der Vergangenheit beflügelt. Mitte Juni hatte Bernanke aber nach der Fed-Sitzung erklärt, abhängig von der Entwicklung der Konjunktur könnten die Aufkäufe ab dem Herbst auslaufen und bis Mitte 2014 eingestellt werden. Seitdem waren Investoren davon ausgegangen, dass die Fed nach Jahren des Kampfes gegen die Krise damit begonnen hat, die geldpolitische Wende einzuleiten.
Die Aussicht auf weiteres Billiggeld ließ die Risikofreude der Finanzanleger am Donnerstag kräftig steigen. An den Börsen habe Bernanke ein regelrechtes Kursfeuerwerk gezündet, kommentierte Marktstratege Ishaq Siddiqi von ETX Capital. Weltweit legten die Kurse der Standardaktien zu. In Europa fielen die Reaktionen ebenfalls deutlich positiv aus, allerdings waren die Kursgewinne im Vergleich etwas moderater. Der deutsche Leitindex DAX legte zeitweise um 1,3 Prozent zu auf etwa 8170 Punkten.
Auch die Kurse deutscher Staatsanleihen zogen an. Der für die deutschen Staatspapiere richtungsweisende Euro-Bund-Future stieg um 0,4 Prozent über die 143-Punkte-Marke. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel im Gegenzug auf 1,6 Prozent. An den Rohstoffmärkten stiegen die Notierung von Gold, Silber und Rohöl.
Während die Aktienmärkte jubeln, sind die Signale auf eine anhaltende Geldflut der Fed für den Dollar eine schwere Belastung: Während Bernanke sprach, fiel die US-Währung wie ein Stein. Im Gegenzug schoss der Euro in die Höhe und stieg in der Nacht bis über die Marke von 1,32 Dollar. 24 Stunden vorher hatte er noch vier Cent tiefer gestanden. Zuletzt stand die Gemeinschaftswährung allerdings wieder etwas tiefer bei 1,3050 Dollar.

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Die meisten Analysten hielten die Marktreaktionen ohnehin für übertrieben. "Am großen Bild hat sich nichts geändert", sagt Commerzbank-Experte Lutz Karpowitz. Damit die Fed ihre Anleihekäufe nicht bald zu drosseln beginne, müsse die US-Wirtschaft wieder massiv an Schwung verlieren, für eine Ausweitung der Käufe sogar spürbar einbrechen. Dafür aber gebe es derzeit keinerlei Hinweise. "Ich jedenfalls habe meine Zweifel, ob die enorme Dollar-Schwäche letztlich nachhaltig sein wird."
Derweil bekräftigte auch die EZB, ihre Politik des extrem billigen Geldes auf absehbare Zeit fortzusetzen. "Der EZB-Rat geht davon aus, dass die EZB-Leitzinsen für längere Zeit auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben werden", erklärte die EZB in ihrem Monatsbericht. Damit bricht die Notenbank mit ihrer langjährigen Tradition, sich in geldpolitischen Entscheidungen nicht im Vorfeld festzulegen. Zentralbankchef Mario Draghi hatte den Kurswechsel vergangene Woche nach der Sitzung des EZB-Rats bekanntgegeben. Das Ziel: Für Beruhigung an den wieder nervöseren Märkten sorgen.
Was genau mit "für längere Zeit" gemeint ist, lässt die EZB jedoch weiterhin offen. Im Monatsbericht erklärte die Notenbank, es handele sich "um einen flexiblen Zeithorizont ohne vorab definiertes Ende", der "aber von der Einschätzung des EZB-Rats bezüglich der wirtschaftlichen Fundamentaldaten abhängt, von denen die Kerninflation bestimmt wird".
Bundesbank-Präsident Jens Weidmann warnte allerdings vor einem zu späten Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes. Niedrigzinsen seien nicht ohne Nebenwirkungen, sagte Weidmann beim Verbandstag des Genossenschaftsverbandes Bayern in München.
11.07.2013, 16:24 Uhr | dpa
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