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Der richtige Weg: Abenomics geht in die nächste Runde

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Der richtige Weg: "Abenomics" geht in die nächste Runde

26.07.2013, 17:55 Uhr | Jörg Rohmann, Alpari Deutschland

Ministerpräsident Shinzo Abe (Quelle: dpa)

Ministerpräsident Shinzo Abe (Quelle: dpa)

Mit dem überraschend deutlichen Erfolg bei den japanischen Oberhauswahlen verfügt Ministerpräsident Shinzo Abe zusammen mit seinem Koalitionspartner nun auch in der zweiten Kammer des japanischen Parlaments über eine stabile Mehrheit. Das politische Patt zwischen dem Unterhaus, in dem Abe im Dezember eine Zweidrittelmehrheit erzielt hatte, und dem bisher von der Opposition kontrollierten Oberhaus, ist damit beendet. Der Sieg zementiert den neuen wirtschaftlichen Weg Japans, der auch als "Abenomics" bezeichnet wird, und eröffnet die Möglichkeit, weitreichende Strukturreformen zu implementieren.

Zwei von drei Säulen bereits initialisiert

Abenomics, abgeleitet aus "Abe" und "economics", basiert auf drei Säulen: Eine expansiven Geldpolitik, der massiven Ausweitung fiskalpolitischer Konjunkturprogramme und weitreichenden Strukturreformen. Die ersten beiden Punkte sind bereits initialisiert worden und haben zum allgemeinen Anstieg der Vermögenswerte beigetragen. So hat die expansive Geldpolitik vor allem den Yen geschwächt, der gegenüber dem US-Dollar seit Ende November um fast 20 Prozent nachgegeben und den Nikkei im Umkehrschluss um über 50 Prozent nach oben gehievt hat.

Diese Entwicklung trug wiederum zu einer verbesserten Konsumentenstimmung bei und stärkte die Konsumausgaben. So ist die japanische Wirtschaft im ersten Quartal 2013 gegenüber dem vierten Quartal 2012 um 1,2 Prozent gewachsen und der seit über zwei Dekaden dahin siechende Immobilienmarkt hat eine erste Wiederbelebung erfahren.

Gegner übersehen wichtige Aspekte

"Abenomics" belebt japanischen Hausmarkt und Inflation "Abenomics" belebt japanischen Hausmarkt und InflationDennoch stoßen die Maßnahmen bei den Gegnern der Abenomics auf heftige Kritik. So fokussieren sich die unzähligen Crash-Szenarien, die durch die Presse gehen, fast ausschließlich auf den hohen Schuldenberg, der durch die Maßnahmen angeblich noch weiter ansteigen würde. Hinzu käme die Gefahr eines schnellen Renditeanstiegs mit zunehmenden Zinsausgaben und einem direkt daraus folgenden Staatsbankrott. Dabei werden allerdings zwei wesentliche Punkte ausgeklammert:

Zwar kann die Bank of Japan den Anleihemarkt nicht gänzlich kontrollieren, aber sie kann ihn durch neue Maßnahmen und verbale Interventionen sehr stark "dirigieren". Als Beispiel lässt sich hier die US-Notenbank heranziehen, der dies auch gelang, als 2010 und 2011 schon verschiedene Marktteilnehmer vom US-Staatsbankrott "fantasierten".

Und zum zweiten wird die Einnahmenseite von den Kritikern vollkommen ignoriert. So führen verbesserte wirtschaftliche Aktivitäten und steigende Preise schon grundsätzlich zu höheren Steuereinnahmen. Gleichzeitig wird Japan zum Abbau der Staatsverschuldung im April 2014 die Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte erhöhen.

Im Oktober 2015 ist eine weitere Anhebung um zwei Prozentpunkte auf dann 10 Prozent geplant. Weitere Schritte werden wohl folgen. Experten gehen davon aus, dass eine Mehrwertsteuer von 23 Prozent – also ein Stück über dem deutschen Niveau – für einen ausgeglichenen Haushalt sorgen und die Staatsschulden relativ schnell abbauen könnte. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine gemeinsame Studie der University of California und der Universität Tokio.

Strukturreformen und Auferstehungsrhetorik

Insgesamt ist man also auf dem richtigen Weg – entgegen den Unkenrufen der Presse. Der Fokus liegt nun auf Strukturreformen mit den Schwerpunkten Arbeitsmarkt, gezielte Einwanderung und Deregulierung von Wirtschaftszweigen. Hier muss in der Tat noch geliefert werden. Die Mehrheit in beiden Parlamentshäusern dürfte jedoch weitreichende Reformen ermöglichen.

Etwas bedenklich stimmt aus geopolitischer Sicht allerdings die nationale Auferstehungsrhetorik, mit der die Wiederbelebung Japans einhergeht. Verbunden mit den angestrebten Änderungen der Verfassung, die nach Abes Ansicht zu pazifistisch und reaktiv ausgerichtet ist, verbirgt sich hierin auf lange Sicht gerade gegenüber China hohes Konfliktpotential.

Jörg Rohmann, Chefanalyst bei Alpari DE (Quelle: Alpari DE)Jörg Rohmann, Chefanalyst bei Alpari DEInfos zur Person: Jörg Rohmann ist Chefanalyst bei Alpari DE. Er verfügt über eine langjährige Berufserfahrung in Makro- und technischer Analyse der Finanzmärkte. Als passionierter Trader hält er Webinare und erstellt technische Analysen sowie Marktkommentare im Alpari Newsroom. 

26.07.2013, 17:55 Uhr | Jörg Rohmann, Alpari Deutschland

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