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Spanien: Reformbereit und auf gutem Weg

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Rohmann-Kolumne

Spanien: reformbereit und auf einem guten Weg

08.08.2013, 16:43 Uhr | von Jörg Rohmann, Alpari Deutschland

Die spanische Regierung zeigt sich unter dem konservativen Ministerpräsidenten Rajoy als eine der reformbereitesten Europas (Quelle: imago/ralph peters)

Die spanische Regierung zeigt sich unter dem konservativen Ministerpräsidenten Rajoy als eine der reformbereitesten Europas (Quelle: imago/ralph peters)

Europäische Anleger können zunächst einmal durchatmen. Das Schlimmste ist überstanden. Dies ist zumindest die zentrale Aussage der letzten EZB-Sitzung. Zwar bleibt die Lage in den Krisenländern fragil, aber sie stabilisiert sich. So stieg der als Frühindikator geltende Einkaufsmanagerindex für die Eurozone im Juli erstmals seit 18 Monaten wieder über den Wert von 50 Punkte an (ein Plus von 1,8 Punkten). Ab dieser Schwelle wird eine wirtschaftliche Belebung (Expansion) signalisiert. Auch andere Indikatoren, wie die Konsumentenstimmung, Industrieaufträge oder die Arbeitslosigkeit sind vom freien Fall in die Stabilisierung übergegangen.

Euro-Krise: Rückkehr unwahrscheinlich

Zwar rechnen viele Marktteilnehmer nach der Bundestagswahl sowie der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur EZB-Geldpolitik mit einer umso heftigeren Rückkehr der Euro-Krise, einiges spricht jedoch dafür, dass genau das Gegenteil der Fall sein könnte.

So hätte die EZB nach einem positiven Richterspruch wieder die Handlungsfreiheit, zusätzliche geldpolitische Maßnahmen zu ergreifen. Selbst mit einer Bestätigung der Regierung wäre auf europäischer Ebene zudem ein Umschwenken von der Spar- auf eine verstärkte Reformpolitik zu erwarten. Dies könnte die Bodenbildung in den Krisenländern weiter unterstützen.

Spanischer IBEZ Index in möglicher Bodenbildung Spanischer IBEZ Index in möglicher Bodenbildung

Möglicher Turn-Around-Kandidat

Besonders profitieren dürfte hiervon Spanien, das sich aufgrund verschiedener Faktoren als möglicher Turn-Around-Kandidat derzeit besonders hervortut. So zeigt sich die spanische Regierung unter dem konservativen Ministerpräsidenten Rajoy als eine der reformbereitesten Europas. Es wurden schmerzliche Einschnitte im Sozialbereich und am Arbeitsmarkt durchgeführt, die Steuern erhöht und eine Neuordnung des angeschlagenen Bankensektors vorgenommen.

Staatsapparat entschlackt

Allein im vergangenen Jahr wurden 100.000 Verwaltungsstellen abgebaut, um den verkrusteten Staatsapparat zu entschlacken. Im laufenden Jahr sollen sich die gesamten Haushaltsausgaben nochmals um 40 Milliarden Euro reduzieren. Erste Erfolge des eingeschlagenen Wegs sind bereits messbar: Der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts hat sich im ersten Quartal von 0,5 auf 0,1 Prozent im zweiten Quartal abgeschwächt. Die Arbeitslosenquote ging von 27,2 Prozent auf 26,3 Prozent zurück, und die Tourismusindustrie sowie der Exportsektor beginnen sich, aufgrund des langsam sinkenden Lohnniveaus zu erholen. So sind die Ausfuhren im Jahr 2012 auf 223 Milliarden Euro und damit einen Wert angestiegen, der weit über dem Durchschnitt der Boomjahre 2006/07 (178 Milliarden Euro) liegt.

Ausländische Anleger stabilisieren Immobilien-Sektor

Zwar wird der angeschlagene Immobiliensektor seine Talfahrt auch im kommenden Jahr fortsetzen und die Hauspreise sollten nochmals um 14 Prozent nachgeben, aber immerhin tragen ausländische Investoren zur Stabilisierung dieses Bereichs bei. Allein 2012 stieg ihr Kaufinteresse um 17 Prozent - der höchste Wert seit 2004 - an.

Ein gewisses Risiko geht allerdings vom Schmiergeldskandal innerhalb der Regierungspartei PP aus, durch den Rajoy zuletzt stark unter Druck geraten ist. Bei einem Rücktritt des Ministerpräsidenten wären Neuwahlen wahrscheinlich. Davon abgesehen würde eine erneute Abschwächung der Weltwirtschaft natürlich zu Einbußen beim neuen Standbein, dem Export, führen und die wirtschaftliche Bodenbildung damit wieder in Frage stellen.

Vielversprechender Börsenplatz

Insgesamt ist Spanien aber dabei, sich auf ein neues Fundament zu stellen, und es gibt bereits erste - wenn auch fragile - Anzeichen des Erfolgs. Marktteilnehmer, die auf eine positive Wende in der Eurozone setzen, haben mit Spanien deshalb wohl einen der aussichtsreichsten Börsenplätze direkt vor der Haustür. Ein signifikanter Ausbruch aus der Flaggenkorrektur und der inversen Schulter-Kopf-Schulter-Formation (siehe Chart) würde erhebliches Aufwärtspotential signalisieren. Einstiegssignal wäre dabei ein Schlusskurs über 8800 Punkten. Fünfstellige Kurse dürften dann erreichbar sein.

Jörg Rohmann, Chefanalyst bei Alpari DE (Quelle: Alpari DE)Jörg Rohmann, Chefanalyst bei Alpari DE

Infos zur Person: Jörg Rohmann ist Chefanalyst bei Alpari DE. Er verfügt über eine langjährige Berufserfahrung in Makro- und technischer Analyse der Finanzmärkte. Als passionierter Trader hält er Webinare und erstellt technische Analysen sowie Marktkommentare im Alpari Newsroom. 

08.08.2013, 16:43 Uhr | von Jörg Rohmann, Alpari Deutschland

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