09.12.2012, 12:15 Uhr | dapd
Über Jahrzehnte galten offene Immobilienfonds als sichere Renditequelle. Doch in der Finanzkrise hat es hunderttausende Anleger kalt erwischt: Zahlreiche Fonds wurden eingefroren oder aufgelöst, und noch immer warten viele Anleger auf ihr Geld. Damit sich das nicht wiederholt, gelten ab 2013 schärfere Vorschriften mit neuen Regeln zu Mindesthaltedauer, Rückgabefrist und Freibeträgen. Und schon beginnen Immo-Fonds wieder zu boomen.
Verbraucherschützer sehen die neuen Regeln positiv: "Die verschärften Vorschriften passen zu dem langfristigen Investment, und für Anleger bedeutet das ein Stück mehr Sicherheit", sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.
Offene Immobilienfonds galten lange als sicheres Investment mit stabilen Erträgen. Einige Gesellschaften hatten jedoch auch institutionellen Anlegern gestattet, ihr Geld in den Fonds zu parken - mit fatalen Folgen. Als diese in der Finanzkrise ihre Gelder plötzlich abzogen, gerieten die Gesellschaften in Liquiditätsnot. Anleger kamen nicht mehr an ihr Geld, rund ein Drittel der Fonds wurde geschlossen. Um eine solche Krise zu verhindern, gelten künftig neue Regeln.
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Anleger, die ab 1. Januar 2013 in offene Immobilienfonds investieren, müssen ihre Fondsanteile mindestens zwei Jahre halten. Für vor 2013 erworbene Fonds gilt eine Frist von einem Jahr. Gleichzeitig müssen künftig alle Anleger eine Kündigungsfrist von einem Jahr einhalten, wenn sie ihre Anteile zurückgeben wollen. Innerhalb der Mindesthaltedauer und der Kündigungsfrist gibt es jedoch Freibeträge. So können Anleger künftig pro Kalenderjahr Fonds im Wert von 60.000 Euro verkaufen (30.000 Euro pro Halbjahr).
Möglicherweise stehen nach Angaben des deutschen Fondsverbands BVI aber noch weitere Einschränkungen bevor. So sieht ein Gesetzentwurf vor, dass Anleger künftig nur noch zu einem Stichtag im Jahr ihre Anteile zurückgeben können. Auch der Neukauf von Fondsanteilen bei den Gesellschaften soll nur noch viermal jährlich möglich sein. Ob und wann diese Regelungen wirksam werden, ist aber noch nicht entschieden.
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Unterdessen warten viele Anleger eingefrorener oder in Auflösung befindlicher Fonds weiter auf ihr Geld. Laut BVI werden derzeit zwölf Fonds mit einem Volumen von 20 Milliarden Euro aufgelöst. Betroffen davon sind nach Branchenschätzungen rund 700.00 Anleger. Weitere vier Fonds mit einem Volumen von 1,7 Milliarden Euro sind derzeit eingefroren. Ob sie wiedereröffnet oder aufgelöst werden, entscheidet sich im Verlauf des nächsten Jahres. Betroffenen Anlegern bleibt nur die Wahl, auf eine Rückzahlung zu warten oder ihre Anteile am Börsen-Zweitmarkt zu verkaufen.
Nach Einschätzungen aus Branchenkreisen sind die Immobilienfonds am Zweitmarkt jedoch unterbewertet, Anleger würden bei der Auszahlung durch die Fondsgesellschaften vermutlich mehr Geld zurückerhalten. Das sieht auch Nauhauser so: "Tendenziell fahren Anleger besser, wenn sie noch warten. Ein vorzeitiger Verkauf macht nur für diejenigen Sinn, die keine Zeit haben und das Geld dringend benötigen."
Unterdessen erleben offene Immobilienfonds derzeit einen Boom. Laut BVI investierten Anleger in diesem Jahr bis Ende September 2,7 Milliarden Euro, im Vergleichszeitraum 2011 waren es 880 Millionen Euro. Grund sei offenbar das steigende Interesse der Anleger an Sachwerten, sagt ein BVI-Sprecher. Außerdem könnten Anleger schon mit relativ geringem finanziellen Aufwand von den Chancen des Immobilienmarkts profitieren. Aktuell sind 19 Immobilienfonds für Anleger geöffnet, für 2013 sind bereits erste Neuemissionen geplant.
Grundsätzlich seien offene Immobilienfonds eine empfehlenswerte Anlage, die man allerdings nur als Beimischung im Depot halten sollte, sagt Karin Baur vom Magazin "Finanztest" der Stiftung Warentest. Allerdings sollten Anleger nicht blind zugreifen, sondern sich umfassend informieren.
Wichtig sei beispielsweise, dass sich die Immobilien in verschiedenen Regionen befinden, die Mieterträge nicht auf einmal, sondern über Jahre verteilt auslaufen und die Leerstandsquote gering ist. "Ratsam ist auf jeden Fall ein Blick in die Jahresberichte der Fondsgesellschaften, denn so lassen sich Chancen und Risiken besser abschätzen", rät Baur.
Quelle: dapd
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