Gastkolumne
Rentenfonds - Chancen, Risiken und Kosten28.08.2013, 15:54 Uhr | von Thomas Böckelmann, Veitsberg Vermögensberatung
Nach seit fast 30 Jahren sinkender Zinsen und steigender Kurse bei Rentenpapieren hat das laufende Jahr bisher zahlreichen Rentenanlegern aktienähnliche Verluste beschert. Ob inflationsgeschützte Staatsanleihen oder hochverzinsliche Schwellenländeranleihen, macht hier keinen Unterschied - die Verluste liegen bei bis zu zehn Prozent.Selbst der REX-Performanceindex, der die durchschnittliche Wertentwicklung aller deutschen Staatsanleihen misst, ist seit Jahresbeginn im Minus. Experte Thomas Böckelmann erklärt, wie es sich trotzdem sinnvoll in Rentenfonds investieren lässt.
Die zukünftige Wertentwicklung wird wesentlich von der Entwicklung der langfristigen Zinsen bestimmt. Dazu addieren sich spezifische Chancen und Risiken aus der Bonität der Anleiheemittenten sowie der Währungsentwicklungen.
Angesichts des vorherrschenden niedrigen Zinsniveaus bei tendenziell eher als sicher eingestuften Emittenten wiegen die Verwaltungskosten aktiv gemanagter Fonds besonders schwer.
Wer in Papiere ohne große Ausfallrisiken investieren möchte, kann dies weitaus kostengünstiger über Indexfonds ETFs tun. Diese bieten ein breites Auswahlspektrum aus regionalen Märkten, Laufzeiten und Währungen.
Um hier Diversifikationseffekte zu erzielen, aber auch um Marktsituationen taktisch ausnutzen zu können, ist ein aktives Handeln erforderlich. Je nach Szenario werden sich unterschiedliche Bonitäten, Laufzeiten und Währungen sehr abweichend voneinander entwickeln.
ETFs sind daher bestens geeignet, wenn eine Anlagestrategie in Rentenpapieren von einer entsprechenden Taktik professionell begleitet wird.
Aktiv gemanagte Rentenfonds haben sicher den Vorteil, dass sich der Anleger um obige Aspekte nicht sorgen muss, sondern diese Aufgaben an das Fondsmanagement delegiert. Um trotzdem nach Kosten, Steuern und Inflation einen Werterhalt mit Rentenfonds sicherstellen zu können, sind als Renditeziel mindestens vier Prozent anzustreben. Diese Größenordnung lässt sich mit "sicheren" Papieren nicht erreichen.
Das Renditeziel verlangt daher einen Rentenfonds, der sich aus Renditesicht attraktiveren Märkten wie Schwellenländern oder hochverzinslichen Unternehmensanleihen zuwendet. Aber gerade dieses Jahr wurde verdeutlicht, dass aktienähnliche Wertschwankungen zunehmend auch in Anleihemärkten zur Normalität werden können.
Dennoch bieten nach den teilweise heftigen Marktverwerfungen Schwellenländer-, Hochzins- und nachrangig besicherte Anleihen durchschnittliche Renditen von 6,5 Prozent. Um hier eine maximale Streuung der Risiken zu erzielen, bieten sich unverändert global agierende Rentenfonds an. Neben den Verwaltungskosten ist es besonders wichtig, auf die Volatilität, also das Maß für die Schwankungsbreite und somit für das Risiko, sowie die Maximalverluste dieser Produkte in der Historie zu achten.
Hervorzuheben sind Rentenfonds mit einer Ausrichtung auf "Absolute Return", das heißt in jeder Marktphase einen positiven Ertrag nach Kosten generieren zu wollen. Das Fondsmanagement derartiger Papiere ist dabei auch in Währungen und Absicherungsinstrumenten aktiv tätig.
Trotz der teilweise erheblichen Verluste an den Rentenmärkten in diesem Jahr gibt es doch einige Anbieter, die in diesem Umfeld überzeugen konnten. Zu den global agierenden Fonds gehören zum Beispiel in diesem Jahr sehr erfolgreiche Strategieprodukte aus den Häusern GAM, Goldman Sachs und Blackrock. Im Hochzinsbereich ist ein Pioneer-Produkt hervorzuheben und auch bei den schwächelnden Schwellenländeranleihen (Index bei minus 15 Prozent seit Jahresbeginn) hat das Haus Edmond de Rothschild ein Produkt mit einer bisher positiven Performance im Angebot.
Fazit: Die Unsicherheit um die weitere Entwicklung der globalen Staatsschuldenkrise lässt reale Werte wie zum Beispiel Aktien weiterhin attraktiver erscheinen. Dennoch sind Rentenpapiere im Rahmen einer ausgewogenen Vermögensstruktur sinnvoll. So können "sichere" Staatspapiere aus den USA und Deutschland im Falle einer Deflation wieder deutliches Kurspotential bieten, im anderen Fall können sich inflationsgeschützte Varianten entsprechend entwickeln. Und wer die wachsenden Wertschwankungen ertragen kann, der kann mit aktiven Fonds im Schwellenländer- und Hochzinssegment eine Bereicherung für das Portfolio finden.
Eine Mischung aus aktiven Rentenfonds, Indexfonds ETFs und Direktanlagen ist jedoch immer noch die effektivste und sicherste Anlagevariante.
Thomas Böckelmann (Quelle: privat)
Der Autor, Thomas Böckelmann, ist geschäftsführender Gesellschafter der VEITSBERG Gesellschaft für Vermögensbetreuung mbH in Ravensburg. Der Bankbetriebswirt und Investmentanalyst war vor der Gründung seines eigenen Unternehmens unter anderem für die Großbank HSBC als Spezialist für Investmentstrategien und Asset Allocation (Vermögensstruktur) zuständig und verfügt über eine mehr als 20-jährige Erfahrung an den internationalen Kapitalmärkten.
-- Die Meinung von Gastautoren ist unabhängig von der Meinung der Redaktion von t-online.de. --
28.08.2013, 15:54 Uhr | von Thomas Böckelmann, Veitsberg Vermögensberatung
Kommentare
/ 0Top Partner
Diesen Artikel...
Diese Männer zeigen Zivilcourage und greifen ein. zum Video
Salonfähig, oder nicht? Moderatorin verausgabt sich bei TV-Aufzeichnung. mehr
Für mehr Sicherheit, Schnelligkeit und Komfort. Zum Download
Das Börsenradar-Team twittert zum aktuellen Börsengeschehen. Folgen Sie uns!
Tablet-PCs in verschiedenen Größen von allen Topmarken - jetzt zu Knallerpreisen bei eBay.de.
7 Flaschen Aurora + 2 Weingläser nur 49,- € statt 91,20 €. Jetzt zugreifen auf Hawesko.de.
Mit Tiefpreisgarantie: Patronen für Canon-, Epson- und HP-Drucker. bei druckerzubehoer.de