28.05.2011, 15:44 Uhr
| Financial Times Deutschland, Financial Times Deutschland
LinkedIn mutiert zum Milliarden-Konzern (Foto: imago) Das starke Interesse von Anlegern an Internetunternehmen hat auch die Bewertungen deutscher Branchenvertreter in die Höhe getrieben. Dies zeigt sich etwa am Berufsnetzwerk Xing. Der Aktienkurs des Hamburger Unternehmens hat sich innerhalb eines Jahres verdoppelt, Xing wird damit fast zum 30-Fachen des für dieses Jahr erwarteten Gewinns gehandelt.
Xing wurde 2003 gegründet und hat nach eigenen Angaben weltweit rund 10,8 Millionen Nutzer. Die Zahl der Premiummitglieder, die für den Dienst zahlen, liegt aber unter einer Million. Geld verdient Xing noch an anderer Stelle, etwa mit Werbung und elektronischer Jobvermittlung. Insgesamt erzielte die Firma im ersten Quartal einen Rekordgewinn von 2,7 Millionen Euro - mehr als doppelt so viel wie Anfang 2010.
Bei solchen Wachstumsraten ist ein höheres Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) durchaus gerechtfertigt. Anleger sollten aber bedenken, dass zum Ergebnis auch der 2010 übernommene Veranstaltungsvermarkter Amiando beigetragen hat. Wichtigstes Kapital von Xing bleiben die registrierten Nutzer, am Ausbau dieser Zahl hängt der Erfolg fast aller Geschäftsfelder.
Tomorrow Focus setzt auf Provisionen
Hohes Wachstum verzeichnet auch die Internetfirma Tomorrow Focus, zu deren wichtigsten Marken die Kontaktbörse Elitepartner und das Reiseportal Holidaycheck gehören. Geld verdient das Unternehmen unter anderem mit Internetwerbung und Provisionen für vermittelte Reisen. Jochen Reichert, Analyst von Warburg Research, hat seine Kaufempfehlung für die Aktie erst unlängst bestätigt, mit einem Kursziel von 6,00 Euro.
Hotel.de in den schwarzen Zahlen
Auch Hotel.de verdient sein Geld mit Provisionen und Werbung. Das Buchungsportal konnte 2010 den Umsatz um 11,7 Prozent auf 36,2 Millionen Euro steigern, der Jahresüberschuss kletterte um rund 70 Prozent auf knapp 1,8 Millionen Euro. Betrachtet man nur diesen Zuwachs, scheint die Aktie mit einem KGV von rund 22 nicht zu teuer. Allerdings erzielte Hotel.de 2006 bei einem niedrigeren Umsatz sogar einen höheren Gewinn.
My-Hammer noch in den Miesen
Davon noch weit entfernt ist das Handwerkerportal My-Hammer, über das Nutzer Aufträge an Firmen ausschreiben können. Das Unternehmen erwirtschaftete 2010 ein Minus von 2,4 Millionen Euro, bei einem Umsatz von 15,7 Millionen Euro. Die Gewinnschwelle dürfte frühestens 2012 erreicht sein.
Sicher ist dies freilich nicht, wie auch die Aussicht, die anderen Firmen könnten ihre hohen Wachstumszahlen beibehalten. Auch wenn die Aktienkurse das oft ausdrücken.
Quelle: Financial Times Deutschland, Financial Times Deutschland