07.05.2012, 18:53 Uhr | dapd, dapd, t-online.de
Die Bundesregierung sieht bei der umstrittenen Erdgasförderung in tiefen Gesteinsschichten - das sogenannte Fracking - noch viele offene Fragen. "Diese sollen auf Basis eines unabhängigen wissenschaftlichen Gutachtens geprüft werden", sagte ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin. Es soll vorerst keine weiteren Genehmigungen geben.
"Erst auf Basis der Ergebnisse des Gutachtens ist eine genaue Bewertung möglich", erklärte der Sprecher. Dieses wird von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe erstellt, das Umweltministerium lässt parallel ein zweites Gutachten vom Umweltbundesamt erstellen, es soll Mitte 2012 vorliegen.
Das Bundesumweltministerium bekräftigte, dass bis zur restlosen Klärung aller Risiken keine weiteren Genehmigungen erteilt werden sollen. In Trinkwasserschutzgebieten sollte generell auf Bohrungen verzichtet werden. "Die Sicherheit von Mensch, Natur und Wasser hat oberste Priorität. Hier dürfen keine Abstriche gemacht werden", betonte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU).

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Bei der sogenannten Fracking-Methode wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in tiefe Gesteinsschichten gepresst, um das Gestein durch hohen Druck so aufzubrechen, dass das wertvolle Gas entweichen kann. Das Potenzial der umstrittenen Methode ist immens. So sind die USA innerhalb weniger Jahre zu einem der führenden Gasproduzenten der Welt avanciert. Auch hierzulande werden enorme Reserven vermutet. ExxonMobil erkundet derzeit an zahlreichen Standorten in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen Möglichkeiten zur Gasförderung.
Das Umweltbundesamt sieht allerdings erhebliche Gefahren für das Grundwasser, weil einige der eingesetzten Stoffe krebserregend sein könnten. Die Konzessionsflächen zur Erkundung des Untergrundes in Deutschland nach nicht-konventionellen Erdgaslagerstätten lagen 2010 bereits bei 97.000 Quadratkilometern - eine Fläche größer als Österreich.
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Die Grünen stuften die mögliche Abkehr vom Fracking als Wahlkampfmasche ein. "Wenige Tage vor der NRW-Wahl realisiert Bundesumweltminister Röttgen, dass ihm die Bürgerinnen und Bürger in NRW seine jahrelange Untätigkeit bei Thema Fracking übelnehmen", kritisierte der Grünen-Energieexperte Oliver Krischer. Röttgen ist Spitzenkandidat der CDU bei der Landtagswahl. "Den Worten müssen jetzt Taten folgen", forderte Krischer. Nötig sei ein Moratorium von mindestens zwei Jahren. Der SPD-Politiker Frank Schwabe sagte: "Nach bald zweijährigem Nichtstun verkünden die Minister eine vermeintliche gemeinsame Haltung, die aber keine Substanz hat."
Quelle: dapd, dapd, t-online.de
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