29.07.2013, 10:42 Uhr | rtr, t-online.de
Die Preiskorrekturen der vergangenen Jahre bei Rohstoffen fordern ein prominentes Opfer - wenn auch nicht unter dieser Begründung: Die US-Investmentbank JP Morgan Chase zieht sich überraschend aus dem Geschäft mit physischen Rohstoffen zurück - unter dem wachsenden Druck der Aufsichtsbehörden, wie es heißt. Das Geldhaus kündigte an, nach "strategischen Alternativen" für den Bereich zu suchen, zu dem unter anderem das Metall-Lagergeschäft Henry Bath sowie Öl- und Energiehändler in Houston und New York gehören. Geprüft würden ein Verkauf, eine Abspaltung oder eine strategische Partnerschaft. Am Geschäft mit Rohstoff-Derivaten und Edelmetallen halte JP Morgan allerdings fest.
Die Bank habe ihre Entscheidung von mehreren Faktoren abhängig gemacht, sagte ein JP-Morgan-Sprecher am Freitagabend. Dazu gehörten auch die Folgen einer drohenden Verschärfung der Regulierungsauflagen.
In der vergangenen Woche war das Geschäft politisch unter Beschuss geraten. Kongressabgeordnete stellten infrage, ob es sinnvoll sei, dass eine Bank Lagerhäuser für Metalle und Pipelines besitzen sollte. Experten warnten bei einer Senatsanhörung davor, dass eine Beteiligung der Banken an dem Geschäft mit physischen Rohstoffen den Wettbewerb verzerren und ein Risiko für das Finanzsystem darstellen könnte. Die US-Notenbank Fed will ihren Beschluss aus dem Jahr 2003 überprüfen, der den Banken den Einstieg in dieses Geschäft ermöglicht.
Auch das Justizministerium und die Rohstoffhandelsaufsicht CFTC haben Untersuchungen zu den umstrittenen Metall-Lagerhäusern eingeleitet. Hintergrund sind Beschwerden über angeblich überhöhte Preise. "Die Banken sollten sich auf ihr Kerngeschäft beschränken", sagte Senator Sherrod Brown, Mitglied des Bankenausschusses der Kongresskammer. Das wäre besser für die Verbraucher und die Steuerzahler.
Der Handel mit physischen Rohstoffen hat in den USA wegen der verschärften Auflagen für viele Kreditinstitute schon seit einiger Zeit an Attraktivität verloren, auch für die Deutsche Bank. Auch die hohen Kosten für die Logistik stellen Experten zufolge die Lukrativität infrage. Einige Banken haben ihre Engagement in dem Bereich daher bereits zurückgefahren. JP Morgan ist aber das erste Geldhaus, dass ganz aussteigt. Das dürfte nun den Fokus auf die heimischen Rivalen Goldman Sachs und Morgan Stanley lenken.
keine gültigen Elemente gefunden!JP Morgan hatte den Rohstoff-Handel nach der Übernahme der schon länger in dem Geschäft aktiven Bank Bear Stearns seit 2008 massiv ausgebaut. Seit Februar prüft die Bank allerdings ihre Optionen für den Bereich. Einen Käufer zu finden, dürfte aber nicht einfach werden. Nicht nur die Regulierungsauflagen, sondern auch die zuletzt nur wenig schwankenden Preise locken wohl nur schwer Interessenten an.
Hinzu kommen die Preiskorrekturen der vergangenen Monate. Mit dem Nachlassen des weltweiten Wirtschaftswachstums und mit den schwindenden Hoffnungen, Chinas Konjunkturmotor werde bald wieder richtig rund laufen, ging es mit den Preisen an den Rohstoffmärkten seit 2008 tendenziell bergab. Auch immer mehr Spekulanten ziehen sich nun zurück. Manch Investor sieht das Ende des Rohstoff-Superzyklus gekommen.
29.07.2013, 10:42 Uhr | rtr, t-online.de
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