05.08.2013, 15:21 Uhr | von Gerd Häcker
Kali ist als wesentlicher Treiber des Pflanzenwachstums unverzichtbar, um die Ernährung der weiter wachsenden Weltbevölkerung zu gewährleisten (Quelle: Reuters)
Gerd Häcker, Leiter des Portfoliomanagements bei der Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung (Quelle: privat)Der Ertragsdruck bei den Kaliherstellern nimmt zu, nachdem jüngst ein russischer Anbieter aus dem Kali-Kartell ausgeschert ist. An der Börse hat das zu einem veritablen Kursrutsch für K+S, Potash und Co. geführt. Andererseits sind die wichtigen Düngemittelproduzenten angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung nur schwer ersetzbar. Wie sollten Anleger die Situation einschätzen?
In jüngster Zeit haben Investoren herbe Preisabschläge bei Unternehmen aus dem Agrarrohstoffsektor hinnehmen müssen. Insbesondere Kaliproduzenten wurden stark gebeutelt. Durch den Ausstieg des russischen Anbieters aus dem Kali-Kartell wird das wertvolle Gut nun zu deutlich niedrigeren Preisen verkauft. China und Indien als die weltweit wichtigsten Abnehmer von Kali hatten in den vergangenen Jahren nur wenige größere Bestellungen aufgegeben – wohl kalkulierend, dass dies kurzfristig den Preis drücken und die Vereinigung knacken könnte. Diese Rechnung scheint nun aufgegangen zu sein.
Gefallene Getreidepreise tun derzeit ein Übriges, um die Nachfrage nach Kali niedrig zu halten. Für viele Landwirte ist der Einsatz des kostbaren Düngemittels angesichts der Getreidepreise derzeit nicht attraktiv genug, um größere Käufe zu tätigen. Sobald es jedoch Missernten gibt und in diesem Zuge die Getreidepreise steigen, dürften staatliche Abnehmer wie auch die Landwirtschaft sofort Kali kaufen, um die Effizienz ihrer Ernten zu forcieren.
Abseits dieser kurzfristigen Betrachtung ist Kali als wesentlicher Treiber des Pflanzenwachstums unverzichtbar, um die Ernährung der weiter wachsenden Weltbevölkerung zu gewährleisten. China und Indien wissen darum ebenso wie um die Tatsache, dass sie langfristig nicht auf den Kauf und die Anwendung von Kali verzichten können, wenn sie nicht die Versorgung der Bevölkerung und die politische Ordnung gefährden wollen. Aus diesem Grund sollte die Nachfrage nach Kali auf mittlere bis lange Sicht wieder anziehen, was auch zu einer gewissen Erholung der Preise führen dürfte.
Die vitale Bedeutung macht Kali, aber auch andere Agrarrohstoffe zu strategischen Ressourcen. So könnten Kriege dem Kali so etwas wie einen "Goldstatus" verleihen, wenn Transporte in betroffene Länder eingestellt würden. Kein Wunder, dass diese Ressource von den Regierungen als äußerst wichtig betrachtet wird. Das zeigte das Veto des kanadischen Staates, als das australische Unternehmen BHP Billiton 2010 die Potash Corp. übernehmen wollte. Auch die Chinesen dachten über ein Gegenangebot für das kanadische Unternehmen nach. Die Potash Corp. scheiterte später ihrerseits mit dem Versuch, Israel Chemicals zu übernehmen, nachdem die israelische Regierung die Auswirkungen geprüft hatte.
Fazit: Bedeutende Kalihersteller mit einer akzeptablen Kostenstruktur dürften auch in Zukunft nur schwer ersetzbar sein. Welche Anbieter der aktuellen Situation am besten widerstehen können, bleibt abzuwarten. Anlegern sollte jedoch klar sein, dass sie es mit einem der bedeutendsten Investmentthemen zu tun haben, das uns langfristig begleiten wird. Entsprechend sollte man agieren.
Gerd Häcker ist Leiter des Portfoliomanagements bei der Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung GmbH in München. Zuvor war der studierte Betriebswirt Leiter des Portfoliomanagements im vermögenden Privatkundensegment einer deutschen Bank. Später stellvertretender Leiter des Eigenhandels im Treasury einer deutschen Großsparkasse für die Bereiche Proprietary Trading, Eigenhandel, Spezialfonds und Asset-Allocation. Neben hauseigenen Fonds betreut er weitere institutionelle Mandate und Spezialfonds.
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