
27.04.2011, 10:22 Uhr | Financial Times Deutschland, Financial Times Deutschland
Das Steinkohlekraftwerk Gelsenkirchen-Scholven ist eines der größten Kohlekraftwerke in Europa (Foto: imago) (Quelle: imago)
Der Präsident des Umweltbundesamts (UBA), Jochen Flasbarth, sieht in einem schnellen Atomausstieg keinen Schaden für den Klimaschutz. "Es wird in Deutschland mit dem Atom-Moratorium derzeit zwar etwas mehr Kohle verbrannt", sagte Flasbarth im Gespräch mit der "Financial Times Deutschland". "Aber das ändert nichts an der europaweit festgelegten CO2-Obergrenze." Die zusätzlichen Emissionen aus deutschen Kohlekraftwerken würden durch den Emissionshandel automatisch anderswo ausgeglichen, sagte Flasbarth.
Damit widerspricht der UBA-Präsident Ausstiegskritikern, die in der aktuellen Energiedebatte mit dem Klimaargument für längere Atomlaufzeiten werben. Dieses Argument sei "schlicht falsch", sagte Flasbarth, der einer der wichtigsten Berater von Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) ist. Ab 2017 könne Deutschland auf Atomkraft verzichten, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden. "Bis dahin sind die nötigen Kohle- und Gaskraftwerke gebaut", sagte Flasbarth.
Er sprach sich zudem dagegen aus, über die bereits im Bau befindlichen Anlagen hinaus weitere Kohlekraftwerke zu bauen. Nach dem derzeit diskutierten Atomausstieg zeichnet sich der Streit um neue Kohlekraftwerke als der nächste energiepolitische Großkonflikt ab. Derzeit sind bundesweit zehn Anlagen im Bau, unter anderem in Hamburg, Hamm und Wilhelmshaven.
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Dass diese nach dem Atomausstieg für die Versorgungssicherheit gebraucht werden, ist unter Experten unumstritten. Weite Teile der Energiewirtschaft sowie die Spitzen von SPD und FDP fordern jedoch darüber hinaus weitere Kohlekraftwerke. Das Umweltbundesamt stellt sich nun klar dagegen.
Über den beschleunigten Atomausstieg zeichne sich ein politischer Konsens ab. Nun müsse man damit beginnen, "auch den längerfristigen Kohleausstieg zu organisieren", sagte Flasbarth. Neue Kohlekraftwerke seien zwar effizienter als alte. "Aber auch neue Kraftwerke stoßen noch viel zu viel CO2 aus. Und wenn sie erst mal gebaut sind, werden sie zur politischen Last für die Jahre 2030 bis 2050." Dann müsse man womöglich aus Klimaschutzgründen Anlagen vom Markt drängen, die noch nicht amortisiert sind.
Flasbarth sprach sich stattdessen dafür aus, "alte Kohlekraftwerke jetzt einige Jahre länger und stärker laufen zu lassen". Diese müssten jedoch modernisiert werden, um die Feinstaubbelastung für Anwohner zu senken. Für die meisten Anlagen werde sich eine Modernisierung rechnen. Denkbar sei jedoch auch eine staatliche Förderung.
Quelle: Financial Times Deutschland, Financial Times Deutschland
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