23.05.2012, 10:45 Uhr | t-online.de
Der Strompreis steigt immer etwas stärker als nötig - aus gutem Grund (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)
Die aktuellen Erhöhungen der Strompreise sind offenbar noch keine Folge der Energiewende. Stattdessen ist der Grund in der Erhöhung der Netzentgelte und in strategischen Überlegungen der Stromversorger zu suchen, meldet das Vergleichsportal Verivox. Die Kosten, die durch die Energiewende nach der Atomkatastrophe in Japan entstehen, seien in den Strompreisen noch nicht enthalten. Ohnehin seien die Strompreise für private Verbraucher bereits seit zwölf Jahren stetig angestiegen.
Dieser Trend setzt sich laut Verivox auch im Frühjahr 2012 fort: Für April und Mai haben 120 Versorger Preiserhöhungen angekündigt, die im Durchschnitt bei vier Prozent liegen werden. Verivox hat ausgerechnet, dass sich der Anstieg der Netzgebühren im Jahresvergleich mit elf Euro bemerkbar macht. Bei einem Familienverbrauch von 4000 Kilowattstunden (kWh) betrugen die Netzgebühren 2011 rund 225 Euro (netto). 2012 sind sie um fünf Prozent auf 236 Euro gestiegen.
Auch die "Sonderkundenumlage" macht sich bemerkbar. Das ist die Gebühr dafür, dass energieintensive Betriebe keine Netzentgelte zahlen müssen. Die Kosten dafür werden auf die anderen Verbraucher umgelegt. Das macht pro Familienhaushalt wiederum 6 Euro (netto) pro Jahr aus.
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Diese Gebührenerhöhungen - auf die die Versorger keinen Einfluss haben - führen nach Angaben von Verivox dazu, dass der Strompreis um zwei Prozent steigen müsste. Tatsächlich liegt die angekündigte Preiserhöhung jedoch bei vier Prozent. Diese Differenz wird von den Unternehmen häufig mit gestiegenen Beschaffungskosten verargumentiert. Doch das kann laut Verivox eigentlich nicht sein. Denn nach den Daten des Statistischen Bundesamtes sind die Beschaffungskosten für die Versorger zwischen Februar 2011 und Februar 2012 um durchschnittlich 8,6 Prozent gesunken.
Demnach werden die Preise stärker erhöht als nötig. Und dafür gibt zumindest aus Sicht der Unternehmen auch einen guten Grund, wie Peter Reese von Verivox erläutert: "Die Stromversorger gestalten ihre Strompreise strategisch. Vor überhöhten Preisen schützt im liberalisierten Energiemarkt nur die Angst der Versorger, dass zu viele Verbraucher mit einem Anbieterwechsel auf Preiserhöhungen reagieren."
Demnach springt bei jeder Preiserhöhung, die die Versorger ihren Kunden mitteilen müssen, ein bestimmter Prozentsatz ab und wechselt zu einem anderen Anbieter. Hat der Versorger dann den Preis nur soweit als nötig erhöht, hat er hinterher weniger Kunden und weniger Gewinn. Erhöht er den Preis stärker als nötig, wird dieser Effekt ausgeglichen, auch wenn eventuell noch ein paar mehr Kunden abspringen.
Und das liegt an der insgesamt mangelnden Wechselwilligkeit der deutschen Stromkunden: "Da bisher nur rund ein Fünftel der Verbraucher überhaupt schon einmal den Stromanbieter gewechselt hat, ist das Risiko, Kunden zu verlieren, für viele Stromversorger noch überschaubar. Je mehr Verbraucher wechseln, desto höher der Preisdruck in der Branche", erläuterte Reese.
Der Wechsel des Stromanbieters ist dabei denkbar einfach. Meist erledigt der neue Versorger alle Formalitäten und kündigt beispielsweise den alten Vertrag. Installationen, wie neue Stromleitungen oder ein neuer Zähler, sind ohnehin nicht notwendig. Auch gibt es keine Unterbrechung der Stromversorgung. Endet der alte Vertrag bevor der neue beginnt, wird der Kunde in der Übergangszeit vom lokalen Stromversorger beliefert.
Quelle: t-online.de
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