30.07.2013, 10:01 Uhr | dpa, t-online.de
Eine Art Wasserfall produziert in dieser Anlage des Energieversorgers Vattenfall angenehme Kühle, die dann Berliner Gebäude klimatisiert (Quelle: dpa)
Um die Hochsommerhitze aus den Gebäuden zu treiben, laufen Klimaanlagen derzeit auf Hochtouren - und verbrauchen teuren Strom in rauen Mengen. Dabei gibt es eine Alternative, die nach Einschätzung von Fachleuten 25 Prozent des Energieaufwandes und damit viel Geld und CO2 einsparen kann: Die Wärme von Kraftwerken kühlt Wasser über einen Wärmetauscher, diese Kälte kann dann Büros und Fabriken klimatisieren.
Die Anlagen verarbeiten die Abwärme von Kraftwerken in riesigen Klimazentralen zur Kälteerzeugung. Das auf wenige Grad heruntergekühltes Wasser läuft dann über unterirdische Rohrsysteme und kühlt durch den Verdunstungseffekt die Gebäude. Klimakästen auf den Dächern von Hochhäusern und Hotels sind damit überflüssig. Die Technik setzt sich zunehmend durch.
Europaweit laufen schon Fernkältenetze in vielen Großstädten wie Barcelona, Amsterdam, Stockholm und Wien. Auch in Deutschland hat die Technik das Versuchs- und Ökofreakstadium lange hinter sich: Fernnetze mit 6 bis 7 Grad kaltem Wasser kühlen große Hörsäle und den Zentralrechner der RWTH Aachen genauso wie die Zentrale der Deutschen Bahn und den Bundesrat in Berlin, Gebäude am Frankfurter Flughafen und Einkaufszentren in Chemnitz.
Das Grundprinzip funktioniert wie bei den bekannten Fernwärmenetzen: Die Abwärme von Kraftwerken wird nicht durch den Schornstein geblasen, sondern aufgefangen. Im Winter wird mit der Wärme Wasser erhitzt, das Wohnungen heizt. Jetzt im Sommer treibt die Wärme riesige Absorptionskältemaschinen an. Diese kühlen Wasser wie in einem Kühlschrank - nur dass der Prozess nicht mit Strom und einem Kompressor, sondern mit der Wärmeenergie angetrieben wird.
Für das Kühlwasser muss ein eigenes unterirdisches Rohrsystem angelegt werden. Das erfordert erhebliche Investitionen, Fernkälte ist deshalb vor allem für Großverbraucher wie Großstädte und Industrieanlagen geeignet.
In Deutschlands größtem Fernkältenetz in Berlin rund um den Potsdamer Platz hat der Energiekonzern Vattenfall seit Mitte der 90er Jahre bereits rund 70 Millionen Euro für eine Kältezentrale und das Rohrleitungsnetz verbaut. Dort werden inzwischen rund 10.000 Büros und 1000 Wohnungen über ein insgesamt etwa zwölf Kilometer langes Netz mit kühlem Klima versorgt. "Das kalte Herz der Hauptstadt", schwärmte der "Berliner Kurier".
Die Kälteleistung des Systems von gut 40 Megawatt entspricht etwa 300.000 modernen Haushaltskühlschränken. In acht Kühltürmen der Kältezentrale rieselt das Wasser dort herunter wie in einem Wasserfall. Auf 1400 Tonnen beziffert Vattenfall die jährliche CO2-Einsparung im Vergleich zur Versorgung mit dezentralen Klimaanlagen.
Bundesweit ist das Fernkältenetz bereits auf 90 Kilometer gewachsen. Ende 2011 waren 160 Megawatt Kühlleistung angeschlossen. Fachleute sehen erhebliches Wachstumspotenzial. Mehr als ein Viertel des gesamten technischen Kältebedarfs in Deutschland falle schon jetzt für Klimatisierung an, teilte der Fachverband AGFW mit, Tendenz steigend.
30.07.2013, 10:01 Uhr | dpa, t-online.de
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