07.08.2013, 15:37 Uhr | Spiegel Online
Stephanie Hallowich und ihre Tochter Alison vor dem Wasser, das im Zuge der Gasförderung neben ihrem Grundstück gelagert wurde (Quelle: Reuters/Jon Hurdle)
Kein Wort über Fracking, nie wieder: Familie Hallowich aus dem US-Staat Pennsylvania hat 750.000 Dollar von einem Energiekonzern bekommen - und schweigt im Gegenzug zu der umstrittenen Fördermethode. Der Maulkorb soll auch für die minderjährigen Kinder gelten. Geht das?
Kann man minderjährigen Kindern vorschreiben, ihr Leben lang zu einem Thema zu schweigen? Darüber wird im Fall der Familie Hallowich aus dem US-Bundesstaat Pennsylvania gestritten. Der Fall beginnt im Jahr 2011: Die Familie - Mutter Stephanie, Vater Chris, ihre damals siebenjährige Tochter und ihr zehnjähriger Sohn - lag mit den Firmen Range Resources, Williams Gas/Laurel Mountain Midstream und MarkWest Energy im Streit.
Es ging um das Vier-Hektar-Grundstück der Hallowichs in Mount Pleasant, einer Gemeinde im Südwesten Pennsylvanias nahe Pittsburgh. Mount Pleasant liegt im Marcellus-Becken, einer Gegend im Nordosten der USA mit großen Gasvorkommen. Dieser Bodenschatz weckt bei vielen Firmen Begehrlichkeiten, die Gasvorkommen sollen die USA unabhängiger von Importen machen.
Um die Vorräte ausbeuten zu können, setzen die Unternehmen Fracking ein. Bei der Methode werden Wasser, Sand und Chemikalien in Gesteinsschichten gepresst, um Gas oder Öl freizusetzen. Was das bedeutet, bekamen die Hallowichs unmittelbar zu spüren: Neben ihrem Grundstück standen mehrere Kompressorstationen, an vier Stellen wurde gebohrt. Zudem gab es ein mehrere Hektar großes Auffangbecken für Wasser.
Die Hallowichs waren immer Fracking-Gegner gewesen. Das Paar fürchtete einen Wertverlust seines Anwesens und sorgte sich um die Gesundheit seiner Kinder. Diese litten unter brennenden Augen sowie Kopf- und Ohrenschmerzen. Und das Trinkwasser der Familie war nach Überzeugung der Eltern kontaminiert. Die Firmen nebenan bestritten, dass ihre Arbeit Ursache der Beschwerden sein könnte.
Irgendwann hatten die Hallowichs genug. Sie wollten nur noch eines: weg aus dieser Umgebung. Also einigten sie sich mit den Firmen. Die zahlten 750.000 Dollar an die Familie - und ließ sich im Gegenzug von den Hallowichs zusichern, ihre Gesundheit sei durch die Gasförderung nicht beeinträchtigt worden. Ohne diese Klausel, so die Familie, hätte es keine Einigung gegeben, die Firmen hätten darauf bestanden.
Das Abkommen enthielt noch einen weiteren Passus: Die Familie sicherte zu, ihr Leben lang nie wieder über Fracking oder das Marcellus-Becken zu sprechen. Und das sollte auch für die Kinder gelten. Nun fragen sich nicht nur die Eltern, wie das gehen soll.
Mutter Stephanie sagte den Unterlagen zufolge, sie sei unsicher, wie sich die Klausel mit den Rechten ihrer Kinder vertrage - zumal ohnehin fraglich sei, ob die Kleinen die Abmachung verstehen würden. Vater Chris fragte, wie man jedes Wort der Kinder kontrollieren solle, etwa, wenn sie beim Spielen mit Gleichaltrigen seien.
Der Maulkorberlass wurde erst jetzt bekannt, weil die Zeitung "The Pittsburgh Post-Gazette" bei Gericht im Bezirk Washington, in dem Mount Pleasant liegt, Akteneinsicht beantragte. Selbst Richter Paul Pozonsky soll bei der Vereinbarung gestutzt haben. Auf die Frage der "Post-Gazette", ob die Abmachung auch für die Kinder bindend sei, antwortete er, inzwischen in Rente: "Das ist eine Frage für die juristische Fakultät."
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In den mehr als 900 Seiten wird ein Anwalt von Range Resources zitiert: Die Position der Firma sei, dass der Maulkorberlass für die ganze Familie gelte. "Wir würden ihn sicherlich durchsetzen." Auf Nachfrage der "Post-Gazette" teilte ein Unternehmenssprecher allerdings mit, man teile die damalige Auffassung des Anwalts nicht; man sei nicht der Ansicht, die Schweigevereinbarung umfasse auch die Kinder.
Peter Villari, Anwalt der Hallowichs, hält das aber nicht für glaubwürdig. Der Unternehmensanwalt habe damals den Gerichtsunterlagen zufolge eindeutig gesagt, er spreche im Namen der Firma und die Regelung beziehe sich auch auf die Kinder. In jedem Fall, so Villari, würde er begrüßen, wenn Range Resources ihre neue Position schriftlich festhalte.
07.08.2013, 15:37 Uhr | Spiegel Online
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