10.11.2012, 10:50 Uhr | dapd
Verkehrsverbünde wie der RMV im Rhein-Main-Gebiet erhöhen die Fahrpreise überdurchschnittlich (Quelle: dapd)
Steigende Energiepreise haben auch Auswirkungen auf den Öffentlichen Nahverkehr. Allerdings schlägt sich dies nicht in höheren Kundenzahlen, sondern eher in teureren Ticketpreisen nieder. Die Verkehrsunternehmen und Verbünde erhöhen die Preise für Fahrscheine und Zeitkarten in der aktuellen Preisrunde um durchschnittlich drei Prozent, in Einzelfällen sind es auch mehr als vier Prozent. Als Grund werden unter anderem höhere Dieselkosten angegeben.
So steht in Mittelthüringen eine Erhöhung um knapp fünf Prozent an. Auch die Verbünde im Rhein-Main-Gebiet (RMV) mit 3,9 Prozent und München (MVV) mit 3,7 Prozent liegen über dem Durchschnitt. Eher moderat fallen die Erhöhungen dagegen mit 2,8 Prozent im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) und im Hamburger Verkehrsverbund (HVV) aus.
Der Präsident des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Jürgen Fenske, sagte, die Kosten für Diesel seien bei den Unternehmen des öffentlichen Nahverkehrs innerhalb eines Jahres um mehr als zehn Prozent gestiegen, was jährlich 50 Millionen Euro Mehraufwand ausmache. Die Fahrpreise dagegen um durchschnittlich etwa drei Prozent. Die Deutsche Bahn wird zum Fahrplanwechsel in vier Wochen die Preise um durchschnittlich 2,8 Prozent anheben.
Hohe Benzin- und Dieselkosten veranlassen aber offenbar nur wenige Autofahrer, auf den ÖPNV umzusteigen. "Bei der Zunahme der Fahrgäste im öffentlichen Personennahverkehr spielen steigende Spritpreise zwar eine Rolle. Diese ist aber nicht statistisch belegbar", sagte Lars Wagner vom VDV. Die seit Jahren kontinuierlich steigenden Fahrgastzahlen zumindest in den Städten führt der Verband auf das verbesserte Angebot und den allgemeinen Bewusstseinswandel zurück.
Dem steht aber auch ein Rückgang in den ländlichen Gebieten gegenüber, der umgekehrt auf das quantitativ und qualitativ abnehmende Angebot zurückgeführt wird. "Wahrscheinlich fahren dort sogar tendenziell mehr Menschen mit dem Auto als früher, weil sie einfach keine andere Wahl haben", sagte ein Insider. Finanziell klamme Kommunen können sich einen Busverkehr nur leisten, wenn jedes Dorf angebunden ist. Das macht die Fahrzeiten unattraktiv für Menschen, deren Privatauto vor der Tür steht oder die als Pendler auf den zügigen Transport in der Berufsverkehrszeit angewiesen sind.
Im Brandenburger Verkehrsministerium wurde beispielsweise nicht ausgeschlossen, dass das Angebot angesichts des Kostendrucks verringert wird. Höhere Gehälter nach Tarifabschlüssen führten den Angaben zufolge dazu, dass im kommenden Jahr eine Million Zugkilometer in Berlin und Brandenburg wegfallen. Dafür hatte es laut VBB aber in diesem Jahr einen Zuwachs von 1,7 Millionen Zugkilometer gegeben.
Die steigenden Energiekosten bremsen bislang aber nicht die Investitionstätigkeit. Im Gegenteil, hin und wieder wird die Anschaffung neuer, sparsamer Busse vorangetrieben. Unterdessen warnte der Tarifverbund DING aus der Ulmer Gegend, die demografische Entwicklung bringe die Verkehrsunternehmen immer stärker unter Druck. So seien schon 2011 bereits 1,2 Prozent weniger Schüler befördert worden als im Vorjahr. Dies lasse sich auch nicht durch das Plus bei Berufspendlern und Studenten kompensieren.

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Warum Menschen sich für den ÖPNV oder das Auto entscheiden, versuchte das Marktforschungsinstitut Quotas zu ergründen. Es befragte im Rahmen des EU-Projekts USEmobility "Wechselnutzer", also Menschen in der EU, die in den vergangenen fünf Jahren ihre Verkehrsmittelwahl geändert haben. Dabei kam unter anderem heraus, dass die Kosten der zweithäufigste Wechselgrund sind - aber in beide Richtungen. So führten 41 Prozent der Befragten auch an, sie hätten sich aus Kostengründen gegen den ÖPNV entschieden. 49 Prozent entschieden sich, ebenfalls aus Kostengründen, dafür. Dritthäufigster Grund war die Fahrtdauer, die 48 Prozent zur Abkehr vom ÖPNV und nur 40 Prozent zum Umsteigen in Busse und Bahnen bewogen.
Die häufigsten Wechselgründe waren übrigens Arbeitsplatzwechsel oder Umzug. Die Umweltfreundlichkeit als Umsteigegrund rangiert dagegen auf Platz sieben eher unter "Ferner liefen". Der Hamburger Verkehrsverbund führte eine Studie an, nach der Autofahrer bei steigenden Spritpreisen eher auf kleinere Wagen oder das Fahrrad umstiegen als auf Bus und Bahn. Manche Verkehrsverbünde führen es sogar schon als Erfolg an, dass die Fahrgastzahlen nach Preiserhöhungen nicht sinken. Dies sei auf die Spritpreise zurückzuführen.

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10.11.2012, 10:50 Uhr | dapd
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