13.02.2013, 19:33 Uhr | dpa
Auf die Marke achten viele. Auf die Herkunft dürften beim Einkauf aber nur wenige Kunden schauen. Doch für Behörden ist ein "Made in"-Siegel wichtig, um den Hersteller mangelhafter Produkte zu finden. Deshalb will die EU-Kommission es zur Pflicht machen. Um Lebensmittel geht es dabei nicht.
Die kunterbunten Plastik-Tiere würden Kinder gern mit in die Badewanne nehmen. Doch im Plastik lauern schädliche Weichmacher. Und dann der Lärm: Die Tiere quäken so laut, dass sie den Ohren dauerhaft schaden. Solche gefährlichen Produkte aus aller Welt zieht die EU regelmäßig aus dem Verkehr.
Bislang haben die Prüfer einige Mühe, die Herkunft der Produkte zweifelsfrei herauszufinden. "Das Ursprungsland von zehn Prozent der gefundenen unsichereren Produkte ist nicht bekannt", kritisiert EU-Verbraucherkommissar Tonio Borg. Derzeit muss die Herkunft nur in den Importpapieren stehen. Auf dem Produkt selbst sind die Herkunftsangaben freiwillig. Die Nennung des Landes und des Herstellers - mit Namen und Adresse - soll nun zur Pflicht werden, und zwar vom Pulli bis zur Waschmaschine.
Dabei hat ein Unternehmen, das in der EU produziert, die Wahl zwischen zwei Labels: Wer in Malta produziert, darf auf sein Produkt "Made in Malta" oder "Made in Europe" drucken. Für Waren, die an mehreren Orten entstehen, soll nur ein Land aufs Etikett.
EU-Industriekommissar Antonio Tajani nennt die Regeln: "Wenn ein Hemd in den USA hergestellt wird und die Knöpfe werden in Paris angenäht, dann muss es heißen: Made in the United States of America." Der Produzent müsste laut EU-Kommission jenen Ort angeben, wo das Produkt seine eigentliche Form erhält, also etwa wo ein Hemd genäht oder ein Toaster zusammengebaut werde.
Die EU untersucht regelmäßig die Sicherheit von Produkten auf dem europäischen Markt. Im Schnellwarnsystem der EU namens Rapex warnen die EU-Länder einander. In ihren Berichten bemängeln die Experten vor allem Kleidung und Textilien. Meist verursachen diese Allergien oder Hautreizungen, weil die benutzten Farben nicht den EU-Standards entsprechen.
Beanstandet wurde auch Erstickungsgefahr durch Schnüre. Am zweithäufigsten monieren die Prüfer Spielzeug, dessen Kleinteile Kinder verschlucken könnten. Auch Elektrogeräte und Kosmetika beanstanden die Fachleute regelmäßig. Mehr als die Hälfte der riskanten Waren stammt aus China.
Ob die EU-Kommission mit ihren Vorschlägen durchsetzen kann, ist noch offen. Sie braucht die Zustimmung des Europaparlaments und der EU-Staaten. Dabei dürfte die Industrie noch versuchen, Einfluss zu nehmen. Gerade in der Modebranche zieren sich manche Unternehmen, die Herkunft zu nennen - etwa wenn sie ihre hochwertig wirkende Kleidung in Billigländern wie China oder Taiwan nähen lassen.
Neben neuen Regeln für die Herkunft will die EU-Kommission die Vorgaben für die Produktsicherheit ganz allgemein überarbeiten. So sollen Waren, die immer wieder mit Mängeln auffallen, dauerhaft vom Markt verbannt werden. Das würde etwa für Feuerzeuge in Form eines Spielzeugs gelten. EU-Kommissar Borg sagte: "Wenn ein Zigarettenanzünder für Kinder gefährlich ist, mussten wir ihn bisher jedes Jahr neu verbieten. Jetzt, nach dem neuen Text, können wir gefährliche Produkte ein für alle mal verbieten."
13.02.2013, 19:33 Uhr | dpa
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