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Wachsende Spannungen gefährden innerkoreanisches Industrieprojekt

01.04.2013, 18:46 Uhr | dpa-AFX

SEOUL (dpa-AFX) - Der Gewerbepark Kaesong gilt als die letzte Bastion wirtschaftlicher Zusammenarbeit und Symbol früherer Bemühungen um Aussöhnung. Doch jetzt ist auch der Weiterbetrieb des innerkoreanischen Industriekomplexes in der grenznahen Stadt Kaesong gefährdet. Nordkorea drohte am Wochenende angesichts der zunehmenden Spannungen mit Südkorea auch mit der Schließung des Gewerbeparks auf seinem Territorium. Dieser Schritt wäre eine weitere Eskalation über die kriegerische Rhetorik im Streit um das nordkoreanische Atomprogramm hinaus.

Seit dem Produktionsbeginn Ende 2004 hat diese kapitalistische Wirtschaftsenklave im stalinistischen Norden den Krisen standgehalten. Pjöngjang hatte schon früher gedroht, die Pforten zu schließen, und auch schon mal den Zugang für die südkoreanischen Pendler gesperrt. Doch bisher wollte auch der Norden an dem Betrieb festhalten. Für das verarmte, hochgerüstete Land stellt der Komplex, in dem über 50 000 Arbeiter aus Nordkorea für 123 südkoreanische Unternehmen arbeiten, nach Ansicht von Beobachtern eine wichtige Devisenquelle dar.

Doch dies zu behaupten, machte Nordkorea jetzt der Regierung in Seoul zum Vorwurf. Er verletze die Würde des Landes, wurde ein Sprecher des Komplexes von den Staatsmedien zitiert. Sollte das weiter geschehen, werde er geschlossen. Die Drohung löste in Südkorea große Besorgnis aus.

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Denn trotz der Konfrontationen in den vergangenen Jahren schienen beide Länder bisher noch nicht gewillt, alle Brücken sofort abzubauen. Nordkorea hatte jetzt jedoch binnen kürzester Zeit den Waffenstillstand von 1953 zur Beendigung des Korea-Kriegs und den Nichtangriffspakt mit dem Süden aufgekündigt, die letzte militärische Telefonverbindung gekappt, über die der Grenzverkehr zu Kaesong früher geregelt wurde, sowie den "Kriegszustand" ausgerufen.

Viele Südkoreaner sprechen angesichts der gegenwärtigen Lage von der schwersten Krise seit dem Korea-Krieg. Auch Seoul schlägt inzwischen schärfere Töne an. Die südkoreanische Präsidentin Park Geun Hye warnte den kommunistischen Norden in deutlicher Form vor möglichen Angriffen.

Bisher aber ließ Nordkorea die südkoreanischen Pendler, die Tag für Tag die Grenze nach Kaesong zu hunderten überqueren, weiter einreisen. Viele Südkoreaner bleiben dort unter der Woche. Kommentatoren warnen davor, Nordkorea könnte die Südkoreaner in Kaesong quasi zu Geiseln machen, wenn es die Grenzen dichtmache. "Der Kaesong-Komplex ist das letzte Bollwerk der innerkoreanischen Beziehungen", kommentiert die südkoreanische Zeitung "Hankyoreh". Der Komplex sei selbst so etwas wie ein Puffer gegen mögliche militärische Konflikte im westlichen Frontabschnitt.

Der Unternehmensverband des Kaesong-Industriekomplexes rief dazu auf, "sinnlose politische Diskussionen" zu vermieden. "Wir warten ab, wie sich die Lage entwickelt", sagt ein Sprecher des Textilunternehmens Shinwon, für das in Kaesong rund 2000 Nordkoreaner arbeiten. Er sei jedoch optimistisch, dass es trotz der Spannungen keine Probleme geben werde. "Und selbst wenn Nordkorea den Komplex schließt - wir denken, dass sie niemals unsere Arbeitskräfte als Geiseln nehmen."

Was sind die Vorteile von Kaesong? "Arbeit von hoher Qualität, die selbe Sprache, geringe Distributionskosten, kurze Transportwege und Zollfreiheit." Die kleinen und mittelgroßen Unternehmen aus Südkorea profitieren auch von den Niedriglöhnen für nordkoreanische Arbeitskräfte. Da der Staat einen großen Teil der Löhne einbehalte, würde Nordkorea bei einer Schließung auf rund 87 Millionen Dollar im Jahr verzichten, schreibt die südkoreanische Zeitung "Chosun Ilbo".

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