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Offshore-Leaks: Riesiges Netzwerk der Steuerhinterziehung enthüllt

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Insider enthüllen riesiges Netzwerk von Steuerbetrügern

10.04.2013, 12:53 Uhr | dapd, AFP, dpa-AFX, t-online.de

Offshore-Leaks: Riesiges Netzwerk der Steuerhinterziehung enthüllt. Auch die britischen Jungferninseln gehören zu den internationalen Steueroasen (Quelle: imago/Marc Schüler)

Auch die britischen Jungferninseln gehören zu den internationalen Steueroasen (Quelle: imago/Marc Schüler)

Briefkastenfirmen, dubiose Konten im Ausland: Eine anonyme Quelle hat internationalen Medien nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) und des Norddeutschen Rundfunks (NDR) einen riesigen Datensatz über geheime Geschäfte in Steueroasen zugänglich gemacht. Der enthält demnach die Namen von 130.000 Steuerflüchtlingen - darunter hunderte Deutsche. Prominentester Fall bei den Treffern aus Deutschland sei Gunter Sachs.

 (Quelle: dpa) (Quelle: dpa) Vermögen versteckt

Ein Insider habe von dem "bislang größten Schlag gegen das große schwarze Loch der Weltwirtschaft" gesprochen, schreibt die "SZ". Bislang vertrauliche Dateien belegten, auf welchen geheimen Wegen Reiche und Kriminelle Briefkastenfirmen und sogenannte Trusts nutzten, um große Vermögen zu verstecken und zweifelhafte Geschäfte zu verschleiern.

Allein bei deutschen Steuerhinterziehern dürfte es weltweit ein Hinterziehungsvolumen von rund 400 Milliarden Euro geben, sagte der Vorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft (DSTG), Thomas Eigenthaler. "Wir wissen natürlich schon lange, dass weltweit ein solcher Wildwuchs besteht."

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Briefkastenfirmen sind nicht generell illegal

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf, die an den Ermittlungen auf Basis angekaufter Steuerdaten-CDs beteiligt ist, sieht in den neuen Dokumenten zunächst allerdings keine Anhaltspunkte für das Vorliegen von Straftaten. Zur Einleitung eines eventuellen Ermittlungsverfahrens müssten die Hinweise erst konkreter werden, sagte ein Sprecher der Behörde.

"Wir haben aber momentan noch keine weitergehenden Erkenntnisse als die Presse." Grundsätzlich sei es nicht illegal, eine Briefkastenfirma zu betreiben. "Eine Briefkastenfirma zu haben ist zunächst einmal nicht strafbar, egal wo auf der Welt sich die Firma befindet."

Liste umfasst Personen aus 170 Ländern

Die Datenmenge aus insgesamt zehn Steueroasen umfasse 260 Gigabyte, es handele sich um 2,5 Millionen Dokumente. Personen aus mehr als 170 Ländern würden in den Unterlagen aufgelistet. Die Dokumente stammten von zwei Firmen, die auf die Errichtung sogenannter Offshore-Gesellschaften spezialisiert sind. Sie gehörten zu den größten Anbietern weltweit.

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Sachs-Nachlassverwalter weisen Vorwürfe zurück

In den Unterlagen finden sich demnach die Namen von Waffenhändlern und Finanzjongleuren. Der in Franken geborene Industriellenerbe Sachs etwa habe vor seinem Tod im Jahr 2011 mutmaßlich Vermögen in Steueroasen angelegt und es bei den Finanzämtern nicht vollständig deklariert, heißt es in dem "SZ"-Bericht.

Dabei soll es sich um Firmen und Trusts auf den Cookinseln, in Panama sowie auf den britischen Jungferninseln und in Luxemburg handeln. Seine Nachlassverwalter würden die Vorwürfe jedoch zurückweisen und versichern, die betroffenen Firmen seien den Steuerbehörden schon zu Sachs' Lebzeiten offengelegt worden.

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 (Quelle: dpa) (Quelle: dpa) Vertrauter des französischen Präsidenten betroffen

Offshore-Deals hat wohl auch der Wahlkampfschatzmeister des französischen Präsidenten François Hollande getätigt. Die Zeitung "Le Monde" berichtete in ihrer Online-Ausgabe, dass Jean-Jacques Augier Aktien an zwei Briefkastenfirmen auf den Cayman-Inseln in der Karibik besitzt. Die Zeitung beruft sich auf Dateien, die sie aus den USA zugespielt bekam.

Die erste Firma sei im Jahr 2005 von Augier über eine Finanzholding zusammen mit anderen Aktionären gegründet worden, schrieb das Blatt. Der 59-jährige ehemalige Finanzinspektor bestätigte den Bericht. Er habe aber kein Konto auf den Cayman-Inseln eröffnet, die als Steuerparadies gelten, und auch nicht persönlich direkt in die beiden Firmen investiert.

Augier handelte über die Finanzholding Eurane, über die er auch alle seine Geschäfte in China abwickelt. Die Investition auf den Cayman-Inseln tauche in der Bilanz von Eurane auf. "Nichts ist illegal", sagte Augier "Le Monde". Der Geschäftsmann hatte 2004 einen Teil seines Vermögens in China investiert, um dort Buchläden nach westlichem Vorbild aufzuziehen.

Tochter von Ex-Diktator im Visier

Die Dokumente sollen laut "SZ" außerdem zeigen, dass die älteste Tochter des ehemaligen philippinischen Diktators Ferdinand Marcos, Imee, ihre Trusts auf den britischen Jungferninseln bislang verschwiegen habe. Die philippinischen Behörden wollten ermitteln, ob dort Teile des Milliardenvermögens stecken, mit dem Marcos in den 1980er-Jahren das Land verlassen hatte.

Die Medien melden weiter, dass die spanische Baronin Carmen Cervera, Witwe von Hans Heinrich Thyssen-Bornemisza, zum Kauf wertvoller Kunstwerke eine Firma auf den Cookinseln einsetzt. Das habe Cerveras Anwalt dem International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) bestätigt: Die Sammlerin habe so die Möglichkeit zum flexiblen weltweiten Transport von Kunst.

Athen kündigt Ermittlungen an

Athen hat inzwischen Ermittlungen zu 103 Offshore-Unternehmen angekündigt. Das griechische Finanzministerium bestätigte einen entsprechenden Bericht der Zeitung "Ta Nea". Das Blatt ist Partner des ICIJ. "Ta Nea" machte insgesamt 107 griechische Offshore-Unternehmen ausfindig. Nur vier davon sind bei den Steuerbehörden in Griechenland erfasst. Der Generalsekretär für öffentliche Einnahmen im Finanzministerium, Charis Theocharis, sagte der Zeitung, die Informationen würden nun ausgewertet und auf mögliche illegale Aktivitäten oder Gesetzesverstöße überprüft.

Von diesem Donnerstag an präsentieren Medien aus insgesamt 46 Ländern den Angaben zufolge erste Ergebnisse der Daten-Analysen. In Deutschland seien sie exklusiv der "SZ" und dem "NDR" zur Verfügung gestellt worden. Die Daten seien im vergangenen Jahr dem ICIJ in Washington übergeben worden. Die "Süddeutsche Zeitung" hat nach eigenen Angaben die Informationen unabhängig verifiziert und monatelang ausgewertet.

Nach einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie verstecken Superreiche weltweit mindestens 21 Billionen US-Dollar (17 Billionen Euro) in Steueroasen, um dem Fiskus zu entgehen. Den Staaten entgingen dadurch pro Jahr Steuereinnahmen von wenigstens 190 Milliarden Dollar (148 Milliarden Euro), heißt es in den Berechnungen von "Tax Justice Network", einer internationalen Vereinigung, die sich Steuergerechtigkeit auf ihre Fahnen geschrieben hat.

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