14.06.2013, 20:34 Uhr | rtr, dpa-AFX, t-online.de
Detroit könnte die größte US-Metropole werden, die in der Geschichte der USA Konkurs anmelden muss (Quelle: Reuters)
Im Kampf gegen die Pleite zieht Detroit die Notbremse: Die hoch verschuldete Autometropole stellt die Zahlungen an ihre Gläubiger ein. Der vom Bundesstaat Michigan eingesetzte Sonderfinanzverwalter Kevyn Orr sagte, die Stadt sei praktisch zahlungsunfähig. Sollten die Investoren, darunter auch Pensionsfonds, nicht auf einen Teil ihrer Forderungen von 17 Milliarden Dollar (12,7 Milliarden Euro) verzichten, drohe die größte Stadtpleite in der US-Geschichte.
Das "gemeinsame Opfer" sei notwendig, um ausreichend Geld für die Grundversorgung der Bürger übrig zu haben, begründete Orr den radikalen Schritt. Die Bediensteten und beauftragte Firmen sollen ihr Geld aber weiterhin erhalten.
"Finanzielles Missmanagement, eine schrumpfende Bevölkerung, sinkende Steuereinnahmen und andere Faktoren haben Detroit in den vergangenen 45 Jahren an den Rand des Ruins gebracht", sagte Orr. Nun seien "scharfe Maßnahmen notwendig, um Detroit wieder auf die Füße zu bekommen und die Lebensqualität der Bewohner zu verbessern".
Detroit ist das Symbol für die wirtschaftliche Krise in den USA. Autohersteller wie General Motors, Ford und Chrysler hatten der Stadt zur Blüte verholfen. Doch die scharfe Konkurrenz aus Japan, Fehlentscheidungen in den Unternehmen und Misswirtschaft in der Stadtverwaltung ließen Detroit abstürzen. In der einst fünftgrößten US-Stadt mit 1,8 Millionen Einwohnern leben heute nur noch 700.000 Menschen, davon ein Drittel in Armut.
Viele öffentliche Dienste wie etwa Straßenbeleuchtungen funktionieren nicht mehr, zahlreiche Wohnungen und Geschäfte stehen leer. Die Ausgaben zum Betrieb der städtischen Dienste haben nach früheren Angaben von Orr seit 2008 die Einnahmen jährlich um rund 100 Millionen Dollar überstiegen.
Zudem zehren Zahlungen für Langfrist-Verbindlichkeiten von rund 8,5 Milliarden Dollar fast 20 Prozent des Haushalts auf. Darüber hinaus belasten milliardenschwere Pensionsverpflichtungen die Stadtkasse. Der Gouverneur des Bundesstaates Michigan hatte den Insolvenzanwalt Orr im März an die Spitze der Stadtverwaltung gesetzt, um die desolaten Finanzen in Ordnung zu bringen.
Jetzt stellte Orr die Eckpunkte seines Rettungsplans vor. Er verhandelt derzeit mit Gewerkschaften und Gläubigern über weitere Einsparmöglichkeiten und hofft dabei auf Klarheit bis Ende Juni. Dabei könnte es auch um Umschuldung und Zahlungsaufschub gehen. Ohne eine Reduzierung der Schuldenlast droht Detroit die Insolvenz, was bei amerikanischen Städten anders als bei deutschen Kommunen möglich ist. New York, Philadelphia und Cleveland konnten auf ähnlichem Weg bereits eine Pleite abwenden.
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