19.07.2013, 09:12 Uhr | dpa, t-online.de
Rekord bei Steuer-Selbstanzeigen: Neben Uli Hoeneß wollen noch weitere 9000 Steuersünder reinen Tisch machen (Quelle: dpa)
Uli Hoeneß ist nicht allein. Zusammen mit dem Präsidenten des FC Bayern München haben sich im ersten Halbjahr noch weitere 9185 Steuersünder bei den deutschen Finanzämtern gemeldet - Rekord! Und außer Hoeneß sind bisher auch alle anonym geblieben. Das dürfte den Bayern-Boss wurmen, auch wenn er nun weiß, dass er, wenn schon nicht in guter, so doch in großer Gesellschaft ist. Die Zahl von Selbstanzeigen ist auch deshalb so beeindruckend, weil alleine in den ersten sechs Monaten schon fast so viele zusammenkamen wie im gesamten vergangenen Jahr, als die Zahl bei 11.824 lag.
Wer mit einer Selbstanzeige reinen Tisch macht und die gesamte Steuerschuld plus Zinsen nachzahlt, geht unter Umständen straffrei aus. Das Finanzamt darf ihm dabei aber noch nicht auf die Spur gekommen sein.
Bei den Selbstanzeigen gibt es nach Bundesländern deutliche Unterschiede, die zeigen, wo die Reichen und die vermeintlichen Cleverles in Sachen Steuerhinterziehung wohnen. An der Spitze liegt Baden-Württemberg, wo rund 2360 Selbstanzeigen gezählt wurden. Auf den weiteren Plätzen folgen Nordrhein-Westfalen (1528) und Bayern (1179). Im Osten sieht es anders aus. In Sachsen-Anhalt gab es ganze drei Anzeigen, in Mecklenburg-Vorpommern sieben.
Einig sind sich die Experten, dass der Fall Hoeneß beim bundesweiten Rekord eine Rolle spielt. Seit die Selbstanzeige des Bayern-Präsidenten bekannt wurde - am 20. April -, ging die Zahl nochmals in die Höhe. "Mag sein, dass das der Auslöser war", sagt auch der Präsident der Bundessteuerberaterkammer, Horst Vinken. "Aber der eigentliche Grund ist, dass Ende vergangenen Jahres das Steuerabkommen mit der Schweiz nicht zustande gekommen ist."
Bis dahin hatten viele Deutsche mit Schwarzgeld in der Eidgenossenschaft gehofft, ihre Steuerschulden diskret bereinigen zu können - anonym und zu einem Pauschalsatz zwischen 21 und 41 Prozent. Nach dem Scheitern des Abkommens wuchs hierzulande jedoch die Nervosität. Als weiterer Grund wird der umstrittene Ankauf sogenannter Steuer-CDs genannt.
Die plötzliche Ehrlichkeit sorgt jetzt dafür, dass von den mehr als 90.000 Steuerberatern in Deutschland einige besonders gut zu tun haben. Weil man bei Selbstanzeigen ziemlich viel vermasseln kann, ist das eine Angelegenheit für Spezialisten. Eine Anzeige ist heute viel komplizierter als noch vor einigen Jahren. Durch das Schwarzgeldbekämpfungsgesetz von 2011 sind keine scheibchenweisen Anzeigen mehr möglich. Alles muss sofort und komplett auf den Tisch.
"Was man auf keinen Fall tun sollte, ist einen Eigenversuch zu starten", warnt Steueranwalt Roland Hoven aus München. "Sich Unterlagen in der Schweiz abzuholen und selber eine Steuererklärung abgeben, das wird mit Sicherheit schiefgehen. Man hat nur einen Schuss. Und der muss sitzen."
Hoven allein hat derzeit 35 Fälle auf dem Schreibtisch. Nicht immer geht es um Riesenvermögen. "Der klassische Fall ist einer ab 100.000 Euro aufwärts", erzählt der 43-Jährige. "Darunter auch Vermögen, die vor 30 oder 40 Jahren ganz klein begonnen haben. Aber es gibt natürlich auch Fälle, die in den zweistelligen Millionenbereich gehen."
Wie viel Geld noch durch die Selbstanzeigen in die Staatskassen fließen wird, weiß niemand genau. Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) - einer der fleißigsten Aufkäufer von CDs mit Steuerdaten - rechnet aber vor, dass der Staat aus deren Auswertung und durch Selbstanzeigen jetzt schon rund drei Milliarden Euro eingenommen hat.
Experten erwarten, dass es in den nächsten Monaten viele weitere Selbstanzeigen geben wird. In den Finanzämtern hat man die Erfahrung gemacht, dass sich mit jedem neuen Dreh des Falls Hoeneß wieder neue Sünder offenbaren.
Zudem sind viele verunsichert, weil die Selbstanzeige von der Politik infrage gestellt wird. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will sie behalten, Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) auf Bagatellfälle begrenzen, SPD-Chef Sigmar Gabriel abschaffen - alles Weitere nach der Bundestagswahl im September. Und zum Jahresende gibt es dann höchstwahrscheinlich einen neuen Rekord.
Das gesamte Schwarzgeld von Deutschen im Ausland ist damit aber noch lange nicht deklariert. Einige harte Hunde hoffen einfach darauf, dass ihre Steueroase weiterhin funktioniert und sie unentdeckt bleiben. Aus der Schweiz sind darüberhinaus Fälle bekannt, in denen Schwarzgeldkonten aufgelöst und das Geld bar in einem Schließfach deponiert wurde. Dort kann es zwar nicht mehr arbeiten und auch keine Zinsen mehr bringen, vor dem Hintergrund von über Jahren gesparten Steuern dürfte die Rendite jedoch immer noch hoch genug sein.
Riskant wird es hier, wenn Bargeld in größeren Mengen über die Grenze gebracht werden soll. Auf den Straßen ist der Zoll aktiv und auf Flughäfen gibt es spezielle Hunde, die größere Bargeldmengen erschnüffeln können.
19.07.2013, 09:12 Uhr | dpa, t-online.de
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