20.07.2013, 08:29 Uhr | dpa, AFP
Schon seit langem steckt die einstige Autometropole Detroit in der Krise. Nun hat die Stadt im Bundesstaat Michigan offiziell Bankrott angemeldet. Dies sei "ein schwieriger Schritt, aber die einzig praktikable Option", erklärte der Gouverneur von Michigan, Rick Snyder, in einer Mitteilung.
Detroit ist die bislang größte Stadt in der US-Geschichte, die Bankrott anmeldet. Die nötigen Papiere wurden bei Gericht eingereicht. Gouverneur Snyder hatte im März den Sanierungsexperten Kevyn Orr eingesetzt, der mit umfassenden Befugnissen der desolaten Finanzlage in Detroit Herr werden sollte.
Er habe gehofft, die Stadt würde keinen Bankrott anmelden müssen, erklärte Snyder in einem Begleitschreiben zu den Gerichtsunterlagen. Nun sei es aber an der Zeit, der Wahrheit ins Auge zu sehen: "Die Stadt kann ihre Schulden nicht mehr bezahlen, wenn sie fällig werden, und ist insolvent". Die Bankrotterklärung sei "der einzig mögliche Weg zu einem stabilen und soliden Detroit".
Mit einem Gläubigerschutz unter Kapitel 9 des US-Insolvenzrechts soll Detroit nun saniert werden. Wirtschaftsexperte Kevyn Orr, der Detroits marode Finanzen sanieren und die Stadt vor der Pleite retten sollte, sah in einem Gutachten "keine zumutbare Alternative".
Gouverneur Synder sagte, die massiven Finanzprobleme seien zu lange ignoriert worden. Mit den Möglichkeiten des Gläubigerschutzes solle Detroit nun wieder auf eine solide finanzielle Grundlage gestellt werden.
Die Stadt, einst Zentrum der US-Autoindustrie, ächzt unter einem Schuldenberg von 18,5 Milliarden Dollar (14 Milliarden Euro). Im Juni wurden die Zahlungen an einige Gläubiger eingestellt. Snyders Angaben zufolge kann die Stadt die Steuern aus rechtlichen Gründen nicht weiter erhöhen. Ohnehin könnten die Bürger nicht noch höhere Abgaben schultern, erklärte der Gouverneur.
Auch kann Detroit im Kampf gegen den gewaltigen Schuldenberg nicht auf Unterstützung von der US-Regierung hoffen. Die Schwierigkeiten müssten vor Ort gelöst werden, sagte eine Sprecherin von US-Präsident Barack Obama. Das Weiße Haus beobachte aber die Lage sehr genau und halte an der "engen Partnerschaft mit Detroit" fest.
Die Autoindustrie von Detroit hatte Obama zunächst großzügig unterstützt. Hilfen für die angeschlagenen Autobauer in Detroit gehörten zu wichtigen Punkten seiner Präsidentschaftswahlkämpfe in den Jahren 2008 und 2012. Obama zeigte sich in seinen Kampagnen mehrfach als Beschützer von Amerikas Autowerken. Er hatte die Industrie in der Rezession als "Rückgrat der US-Wirtschaft" bezeichnet und rund 80 Milliarden Dollar an Steuergeldern hineingepumpt. Mit Geldspritzen an General Motors, Chrysler und deren Zulieferer brachte Obama die gebeutelte Branche wieder auf Trab.
Der Niedergang der Metropole vollzog sich über Jahrzehnte. 1950 hatte die Stadt noch 1,8 Millionen Einwohner, heute leben dort knapp 700.000 Menschen. Die Autoindustrie verlagerte ihre Standorte, viele Fabriken schlossen, die Arbeitslosigkeit schoss ebenso in die Höhe wie die Kriminalität. Zugleich wurden die öffentlichen Ausgaben immer weiter gekürzt, was wiederum weitere Bürger dazu brachte, die Stadt zu verlassen.
keine gültigen Elemente gefunden!Heute stehen in Detroit 78.000 Gebäude leer, 40 Prozent der Straßenlaternen sind außer Betrieb. Weil das Geld für Reparaturen fehlt, fährt nur ein Drittel der Rettungswagen. Wie Snyder in seinem Schreiben erklärte, müssen die Bürger in Detroit nach einem Notruf durchschnittlich 58 Minuten auf die Polizei warten - landesweit liegt der Durchschnitt bei elf Minuten. Zugleich ist die Mordrate auf dem höchsten Stand seit knapp 40 Jahren.
Es wird erwartet, dass andere Städte in den USA die Folgen der Konkursanmeldung zu spüren bekommen. Für sie könnte es schwieriger werden, Kredite zu erhalten, denn die einst als besonders vertrauenswürdig eingestuften Anleihen von Gemeinden verlieren voraussichtlich weiter an Ansehen.
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