Verbraucher
Fünf Jahre Lehman-Pleite: Zertifikate weiter unübersichtlich09.09.2013, 11:31 Uhr | dpa
Die Lehman-Pleite jährt sich zum fünften Mal. (Quelle: dpa)
Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Es war ein Paukenschlag: Vor gut fünf Jahren ging die Investmentbank Lehman Brothers pleite. Anleger verloren mit Lehman-Zertifikaten massenhaft Geld. Auch heute noch sind Zertifikate riskant.
Knapp fünf Jahre nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers haben die Zertifikateanbieter das Vertrauen der Anleger noch nicht zurückgewonnen. Im September 2008 waren die Anlagezertifikate der US-Investmentbank über Nacht fast völlig wertlos geworden. "Die Produkte sind weiterhin zu komplex und zu unübersichtlich", sagte Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift "Finanztest". Wer dennoch diese Produkte kaufen wolle, sollte sich bei den Anbietern genau informieren.
Haben di e Banken nach der Insolvenz von Lehman Brothers aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt?
Tenhagen: Zumindest haben die Banken gelernt, wie sie den in Verruf geratenen Begriff 'Zertifikat' vermeiden können. Die Banken bieten viele Produkte nun als 'Anleihe' an. Denn knapp fünf Jahre nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers wissen die Anleger jetzt, dass ihr Einsatz komplett verloren gehen kann, wenn ein Zertifikate-Emittenten pleitegeht. Zudem können die Banken mit der Bezeichnung 'Anleihe' den Wettaspekt verschleiern, der oft mit Zertifikaten in Verbindung gebracht wird.
Welche L ehren muss die Branche also wirklich ziehen?
Tenhagen: Die Emittenten haben zum Beispiel noch nicht gelernt, das große Produktangebot zu reduzieren. Aktuell gibt es etwa eine Millionen Zertifikate, doch nicht alle Angebote erreichen die Kunden. Selbst bei den informierten Anlegern, die aktiv nach Chancen suchen, frage ich mich: 'Überblicken die das noch?' Viele Zertifikate sind immer noch zu komplex.
Was soll ten Anleger beachten, die sich für Zertifikate interessieren?

Schätzen Sie doch mal Ihre zukünftige monatliche Rente!
Tenhagen: Zertifikate sind spezielle Produkte, mit denen man kurzfristig von spezifischen Situationen profitieren kann. Wer etwa glaubt, dass der Aktienmarkt im Zuge der Syrien-Krise nur etwas unter Druck kommt, der kann Zertifikate mit Pufferfunktion und der Chance auf eine Bonuszahlung kaufen. Die Anleger sollten sich aber die Komplexität der Produkte erklären lassen. Zudem sollten sie nachfragen, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine höhere Rendite als bei einer Anlage in Festgeld oder bei einer Investition in Aktien erzielt werden kann. Für den normalen Kleinanleger hingegen, der mittel- bis langfristig sparen will, sind Zertifikate in der Regel keine Alternative.
09.09.2013, 11:31 Uhr | dpa
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