25.04.2012, 15:55 Uhr | dapd, dpa
Die Preise für Wohnfläche in Deutschland im Überblick (Quelle: Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Niedersachsen)
Gute Nachrichten vom Immobilienmarkt. Bei der Vorstellung des Immobilienmarkt-Berichts des Arbeitskreises der amtlichen Gutachterausschüsse wurde bekannt, dass der Markt zwar weiterhin wächst, allerdings nicht mehr so stark wie in den Jahren zuvor. In unserem Überblick erfahren Sie das Preisniveau für Grundstücke und Häuser in Deutschland.
Viele Käufer, die sich nach der Finanzkrise 2008 zurückhielten, hätten sich inzwischen eingedeckt, so die Verfasser. Als Treiber des Booms erwies sich der Wohnungsmarkt, der aber aufgrund des demographischen Wandels mit abnehmender Nachfrage in den nächsten Jahren kämpfen könnte, prognostizierte der Bericht.
"Der Immobilienmarkt ist sehr, sehr robust", sagte Mitverfasser Reinhard Krumbholz. So hatte es in den vergangenen zwei Jahren Zuwachsraten von jeweils rund 14 Prozent gegeben. Nach Schätzung der Experten wechselten im vergangenen Jahr Immobilien im Wert von etwa 170 Milliarden Euro den Eigentümer - annähernd wieder so viel wie im langjährigen Spitzenjahr 2007. Auch die Zahl der Kaufverträge stieg stark: von 912.000 im Jahr 2009 auf geschätzte 1,1 Millionen 2011.
Auch die Mieten würden weiter leicht zulegen, hieß es. Regional gebe es aber große Unterschiede. "Das Bild in Deutschland ist sehr bunt", sagte Krumbholz. So treibe Wohnungsknappheit die Preise in Städten wie Hamburg, München und Potsdam. Nach dem Bericht bleibt der Trend, in die Stadt zu ziehen. Wegen hoher Mieten in den Zentren zögen aber wieder mehr Menschen in die "Speckgürtel" um die großen und mittleren Städte.
Der Ansturm auf Agrarflächen wird aus Sicht der Gutachter anhalten. "Es wird auf Dauer Flächenknappheit herrschen", sagte Krumbholz. Die Preise stiegen deutlich, weil Äcker auch für Energie- und Biosprit-Erzeugung benötigt würden. Investoren aus Ländern wie Dänemark und den Niederlanden drängten auf den deutschen Markt. "Für einen normalen Landwirt macht es das sehr schwer."
Das böse Wort "Immobilienblase" macht die Runde in Deutschland. Schon erinnern sich die Menschen, welch große Gefahren eine Überhitzung am Häusermarkt birgt. Die schwere Finanzkrise 2008 etwa, die das weltweite Bankensystem an den Rand des Abgrundes drängte, ging vom amerikanischen Immobilienmarkt aus. Zurzeit leidet insbesondere das krisengeplagte Spanien unter den Folgen einer geplatzten Immobilienblase. Steht Deutschland vor einer ähnlichen Entwicklung?
In der Tat sind die Preise für Wohnimmobilien zuletzt deutlich gestiegen. Nach Zahlen der Bundesbank, die mit einem Index die Hauspreise in 125 Städten misst, ist das Preisniveau im vergangenen Jahr ungewöhnlich stark um 5,5 Prozent gestiegen, nach einem Plus um 2,5 Prozent ein Jahr zuvor. In einer aktuellen Umfrage für das "Handelsblatt" gaben schon rund ein Drittel der Befragten an, Angst vor einer Immobilienblase zu haben.
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"Bei Preissteigerungen von 4,5 oder sechs Prozent, auch in den Metropolen, ist das nicht der Fall", sagte Reinhard Krumbholz. "Die Mieten steigen mit." Solange die Erwartungen der Investoren sich auf diese Weise erfüllten, gebe es wahrscheinlich keine Blase.
Deutschland hat einiges nachzuholen. Dem jüngsten Preisanstieg am Häusermarkt ging eine lange Periode sinkender Preise voran. Nach einem Bauboom infolge der Wiedervereinigung sanken die Hauspreise seit etwa 1995 zehn Jahre lang. Erst 2005 stabilisierten sie sich.
Bevor in den USA die Blase platzte, waren die Wohnungspreise viel stärker als derzeit in Deutschland gestiegen. Der vielbeachtete Case-Shiller-Hauspreisindex etwa stieg in den Jahren vor der Finanzkrise um zeitweise über 15 Prozent. Der Preisanstieg am Immobilienmarkt war fast dreimal so hoch wie zuletzt in Deutschland.
Die Geldschwemme der Europäischen Zentralbank (EZB) bringt bislang keine Überhitzung am Immobilienmarkt. Nach Daten der Notenbank kommen die riesigen Geldspritzen bislang kaum in der Realwirtschaft an, was den Preisauftrieb begrenzen dürfte.
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Experten sehen deshalb auch keinen Grund zur Panik - etwa die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P). "Das ist nur der Anfang einer moderaten Erholung der Hauspreise", erklärt der S&P-Chefvolkswirt für Europa, Jean-Michel Six. Die jüngsten Preisanstiege am Häusermarkt Deutschlands seien vor allem auf eine überschüssige Nachfrage zurückzuführen. Neben den niedrigen Zinsen trügen auch der robuste Arbeitsmarkt und die geringe Verschuldung der privaten Haushalte dazu bei.
Die US-Bank JPMorgan erwartet wegen der lockeren Geldpolitik der EZB eine weitere Belebung am deutschen Häusermarkt. Wie S&P verweist sie jedoch auf das immer noch geringe Preisniveau am Immobilienmarkt. Nicht zuletzt das wichtige Verhältnis von Hauspreisen zu privaten Einkommen ist in Deutschland nach wie vor sehr niedrig.
Zwar könne der Aufschwung am Häusermarkt auch auf die Verbraucherpreise durchschlagen und damit zu einer erhöhten Inflation führen, heißt es bei S&P. "Dennoch glauben wir, dass die moderate Erholung der Hauspreise auf einem gesunden Fundament fußt."
Ungeachtet der sich eintrübenden Stimmung schauen die Bauunternehmer in Deutschland zuversichtlich in das neue Jahr. "Für den Umsatz im Bauhauptgewerbe rechnen wir mit 95,7 Milliarden Euro und somit mit einer Steigerung von 3,8 Prozent", erklärte der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes (ZDB), Hans-Hartwig Loewenstein. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei 92,2 Milliarden Euro. Vor allem der Wohnungs- und Wirtschaftsbau werde zu dem Umsatzplus beitragen. Wichtigster Unsicherheitsfaktor bleibe dagegen die Finanz- und Eurokrise, sagte Loewenstein.
Die positiven Aussichten würden sich auch auf den Arbeitsmarkt auswirken. "Wir erwarten, dass sich die steigenden Umsätze auch in steigenden Beschäftigungszahlen niederschlagen", sagte Loewenstein. Sein Verband rechne mit 2,2 Prozent mehr Arbeitsplätzen. Damit würden im Jahresdurchschnitt 750.000 Menschen in den Bauunternehmen beschäftigt.
Quelle: dapd, dpa
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