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US-Milliardär Rockefeller fordert mehr Finanzregulierung

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Finanzkrise  

"Weltbankier" Rockefeller fordert globale Finanzregulierung

17.08.2010, 19:26 Uhr | von Frank Lansky, t-online.de

US-Milliardär Rockefeller fordert mehr Finanzregulierung. US-Milliardär Rockefeller fordert eine stärkere Finanzmarktregulierung (Foto: Reuters)

David Rockefeller Senior (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)

Der als "Weltbankier" bekannte US-Milliardär David Rockefeller Senior hat eine stärkere internationale Finanzmarktregulierung zur Abwehr neuer Krisen gefordert. "Ich glaube nicht, dass die Zentralbanken und die Regierungen das aktuelle System effektiv regulieren können", erläuterte er im Interview mit t-online.de. Wechselnde Regierungen und nationale Gesetze behinderten ein effektives Handeln, daher müssten der Internationale Währungsfonds (IWF), die Weltbank und die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) sowie die großen Zentralbanken der Welt ein neues, funktionierendes System schaffen.

Der gelernte Bankier forderte außerdem die G-20-Staaten zum Handeln auf. Nur so lasse sich das Vertrauen der Menschen in die Märkte wieder herstellen. Die großen Industriestaaten müssten klare Regeln aufstellen und deren Einhaltung überwachen, sowie notfalls intervenieren. "Der Aufbau einer solchen Struktur wird nicht einfach", betonte er auf Anfrage von t-online.de.

Die neu zu schaffende Institution müsse sich außerdem gegen den steigenden Protektionismus stellen und Gefahren für den freien Handel abwehren, fuhr Rockefeller fort. Außerdem müsse sie gegen die anhaltende Unterbewertung der chinesischen Währung vorgehen, die sowohl die EU als auch die USA bedrohe.

Dramatisch gestiegene Risiken

Die Globalisierung und die zunehmende Komplexität von Finanzinstrumenten haben laut Rockefeller den globalen Finanzsektor seit seinem Ausscheiden aus der Chase Manhattan Bank im Jahr 1981 – heute JP Morgan Chase –  dramatisch verändert. Eine sekundenschnelle Kommunikation über 24 Stunden am Tag hatte es damals eben nicht gegeben. Außerdem hat der Eintritt mächtiger neuer Spieler wie China oder Indien das System neu gestaltet. Alles in allem sind für ihn die Risiken exponentiell gewachsen. Dies unterstrich die jüngste Krise, die sich umgehend auf der gesamten Welt verbreitet hatte.

Dennoch sieht Rockefeller, der als Zeitzeuge den großen Crash von 1929 miterlebt hatte, mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten zwischen der Finanzkrise von 2008 und der großen Depression aus den Dreißigern des vorigen Jahrhunderts. Beide Notsituationen seien zwar durch das Platzen hochspekulativer Finanzblasen ausgelöst worden, die zuvor durch billiges Geld angefeuert wurden. Außerdem habe es zumindest in den USA eine schwache oder überhaupt nicht existierende Regulierung gegeben.

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Erinnerungen eines Weltbankiers

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Washington hat die Lektion aus den Dreißigern gelernt

Doch im Jahr 2008 hätten US-Notenbankchef Ben Bernanke und Finanzminister Henry Paulson schnell und entschieden gehandelt. Die Zusammenarbeit zwischen den USA, Großbritannien und der Eurozone sei außerordentlich gut gelaufen – genau dies ist für Rockefeller der große Unterschied zu den Zwanziger und Dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts, als das kurzsichtige und nationalistische Handeln der Industriestaaten die Krise noch verschlimmert hatte.

Dank des Eingriffes des Staates – in den USA hat die Regierung mehrere Banken übernommen – sei nun die Angst vor einem Kollaps gesunken und in den vergangenen zwei Jahren habe sich die Lage stabilisiert. Außerdem habe die Politik des Deficit Spending ein weiteres Abtauchen in die Krise gestoppt. Bei einer Defizitfinanzierung verschuldet sich ein Land, um durch staatlich vergebene Aufträge die Wirtschaft anzukurbeln.

Rockefeller ergänzte, dass es zwar in den USA weiter Zwangsversteigerungen von Immobilien und Privatinsolvenzen geben werde. Auch die Arbeitslosigkeit dürfte einige Jahre hoch bleiben. Doch die schlimmste Krise sei in Amerika vorüber. Das größte Risiko derzeit sei die Zurückhaltung der Banken bei der Vergabe von neuen Krediten – dies bremse den Privatsektor. Doch eine umfassende Finanzmarktreform werde dieses Problem beseitigen.

Europa muss die Verschuldung stoppen

Zur jüngsten europäischen Schuldenkrise urteilte Rockefeller, Europa und vor allem Deutschland hätten verantwortungsbewusst, wenn auch langsam gehandelt. Die Mechanismen zur Verhinderung eines Kollapses stünden nun zur Verfügung, der Rettungsfonds über 750 Milliarden Euro dürfte auf kurze Sicht Notfälle auffangen. Der Erfolg des Pakets zeige sich darin, dass der Euro seit der Krise von Anfang Mai gegenüber dem Dollar wieder aufgewertet habe.

Die EU müsse sich aber um die Wurzel des Übels kümmern und ihre Staatseinnahmen mit den Staatsausgaben in Einklang bringen. Da die Öffentlichkeit in den jeweiligen Euroländern verschieden auf den Sanierungskurs der Staatshaushalte reagieren werde, sei die Krise noch nicht ausgestanden.

David Rockefeller verlässt wegen seines hohen Alters nur noch selten die USA. Die Antworten auf die Fragen von t-online.de vermittelte der Münchener FinanzBuch Verlag, der die deutsche Ausgabe der Rockefeller-Memoiren vertreibt..

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