01.07.2011, 09:57 Uhr | bv, t-online.de
Unter dem Strich ist Deutschland ein Auswanderungsland (Foto: imago) (Quelle: imago)
Der Arbeitsmarkt in Deutschland ist aktuell im Aufwind, die Wirtschaft klagt bereits seit einiger Zeit über einen Mangel an Fachkräften. Abhilfe soll hier die Zuwanderung schaffen. Das Thema ist jedoch heikel, solange Millionen von Menschen in Deutschland immer noch ohne Arbeit sind. Eine aktuelle Veröffentlichung des Ifo-Instituts zeigt nun, dass Deutschland praktisch sogar zum Auswanderungsland geworden ist, aber dennoch in geringem Maß davon profitiert, dass junge Menschen zuwandern.
Während 2001 der Studie "Deutschland und die Migration: Wer kommt, wer geht?" zufolge noch netto 273.000 Personen in Deutschland einwanderten, ging diese Zahl seitdem kontinuierlich zurück. 2008 wanderten erstmals seit 1984 wieder mehr Menschen ab als zu, der Saldo betrug -56.000 Personen. Und auch 2009 verließen mehr Menschen Deutschland als zuwanderten (-13.000).
Hinter diesen zuletzt relativ geringen Zahlen verbergen sich jedoch enorme Migrationsbewegungen. So wanderten allein 2009 in Deutschland 721.000 Personen zu, während 734.000 ins Ausland wegzogen. Zum Vergleich: Frankfurt am Main hat 700.000 Einwohner. Sowohl unter den Aus- als auch unter den Einwanderern waren dabei Deutsche und Ausländer verschiedener Altersgruppen und mit unterschiedlicher Ausbildung zu finden.
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Die Ifo-Forscher fanden heraus, dass unter den Zuwanderern besonders viele junge Menschen im Ausbildungsalter zwischen 18 und 25 Jahren waren. Dagegen wanderten über 25-Jährige eher aus. Auch über 50-Jährige ohne Schulabschluss gehörten häufig zu den Auswanderern.
Bei den Zuwanderern fanden die Studien-Autoren besonders viele ohne Ausbildung oder mit Hochschulabschluss. Damit erfuhr Deutschland durch die Einwanderung einerseits einen Vorteil für den Arbeitsmarkt. Andererseits kamen trotz restriktiver Einwanderungspolitik auch Personen, die sich schlecht in den Arbeitsmarkt integrieren ließen.
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Die Studie zeigte aber auch, dass diejenigen Gruppen, die bei der Einwanderung besonders aktiv waren, auch den Großteil der Auswanderer stellten. Demnach verließen Deutschland auch vor allem Geringqualifizierte und Hochschulabsolventen. Der Mittelbau, also Menschen mit einem Schul-, aber keinem Hochschulabschluss, zeigte dagegen relativ wenig Migrationsaktivität.
Den größten Bevölkerungsaustausch hatte Deutschland der Studie zufolge in den vergangenen Jahren mit Polen. Zwischen 2006 und 2008 kamen demnach rund 448.500 Menschen aus Polen nach Deutschland, gleichzeitig wanderten aber auch mehr als 365.700 in die andere Richtung, sodass es netto zu einer Zuwanderung von etwa 83.000 Personen kam.
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Nettozuwanderung gab es darüberhinaus aus Rumänien (+32.000) und Russland (+19.000). Dagegen zogen mehr Menschen von Deutschland in die Schweiz als umgekehrt (-50.000) und auch bei der Türkei (-15.000), den USA (-14.000), Italien (-17.000) und Österreich (-15.000) war der Wanderungssaldo aus deutscher Sicht negativ, die Auswanderung also größer als die Zuwanderung.
Die Autoren der Studie bemängelten vor allem, dass bei der Auswanderung der Bildungsgrad der Personen nicht erfasst wird. Sie hatten sich für ihre Studie mit einer Projektion beholfen, also angenommen, dass die Bildungsstruktur der Auswanderer mit der der jeweils vergleichbaren Bevölkerungsgruppe übereinstimmt. Hier liegen Daten aus dem Mikrozensus vor. Aufgrund dieses Mangels bei der Auswanderungsstatistik fehlten der Politik Informationen für die künftige Migrations- und Arbeitsmarktpolitik, schrieben die Autoren.
Quelle: bv, t-online.de
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