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Krank im Urlaub: Muss der Chef das wissen?

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Krank im Urlaub: Muss der Chef das wissen?

04.08.2011, 12:25 Uhr | t-online.de, sia , t-online.de

Krank im Urlaub: Muss der Chef das wissen?. Wer im Urlaub krank wird, sollte unbedingt den Chef informieren. (Foto: imago)

Wer im Urlaub krank wird, sollte unbedingt den Chef informieren. (Foto: imago)

 

Wann und wie müssen kranke Mitarbeiter den Chef informieren, dass sie zuhause bleiben? Darüber streiten Angestellte und Arbeitgeber immer wieder - die genauen Regeln für eine Krankmeldung kennen oft beide Seiten nicht. Was gilt beispielsweise, wenn Sie im Urlaub eine Grippe bekommen oder sich beim Wassersport den Arm brechen? Gehen die freien Tage dem Erkrankten dann einfach verloren? Wir erklären Ihnen, was wirklich gilt.

Wer krank ist, kann nicht zu gleicher Zeit im Urlaub sein, erläuterte Rechtsexperte Wolfgang Büser im Gespräch mit dem "ARD-Morgenmagazin". Das heißt: Mit dem ersten Tag der Krankheit ist der Urlaub demnach unterbrochen, die Krankheitstage werden gutgeschrieben. Nach der aktuellen Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs und des Bundesarbeitsgerichts verfallen Urlaubstage auch bei dauerhafter Krankheit des Arbeitnehmers nicht.

Sofort krankmelden

Laut Gesetz hat der Chef einen Anspruch darauf, so schnell wie möglich von der Krankheit eines Mitarbeiters zu erfahren und auch, wie lange der Arbeitnehmer wohl fehlen wird. Im Normalfall sollte der Arbeitgeber spätestens zu dem Zeitpunkt Bescheid wissen, an dem der Arbeitnehmer üblicherweise zur Arbeit kommt, sagt Martina Perreng, Arbeitsrechtlerin beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) in Berlin.

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Das kann jedoch bei einer Erkrankung in den Ferien schon zu spät sein. Wer ausgerechnet im Urlaub krank wird, sollte schon im eigenen Interesse den Chef unverzüglich informieren und dem Arbeitgeber so schnell wie möglich eine Krankmeldung zukommen lassen. Tut der Erkrankte das nicht, verschenkt er nämlich freie Tage, die ihm zustehen.

Fax oder E-Mail reicht aus

Allerdings sei arbeitsrechtlich nicht vorgeschrieben, wie sich der Arbeitnehmer krankzumelden hat, sagt Michael Eckert, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Heidelberg. "Wichtig ist, dass der Arbeitgeber die Information tatsächlich erhält". Theoretisch reiche ein Fax oder eine E-Mail.

Regeln für ein ausländisches Attest

Mitarbeiter, deren Gesundheit im Ausland streikt, benötigen ein ausländisches Attest, das die Arbeitsunfähigkeit bestätigt. Dabei müsse die ausländische Arztbescheinigung deutlich erkennen lassen, dass der Arbeitnehmer durch die Krankheit nicht in der Lage sei zu arbeiten, betonte Büser.

Einfach anhängen dürfen Angestellte den aus gesundheitlichen Gründen ausgefallenen Urlaub nicht. In dem Fall könne eine Abmahnung drohen, warnte Büser. Mitarbeiter sollten sich unbedingt mit dem Chef darüber verständigen, wann die verlorenen freien Tage nachgeholt werden können - dann sei natürlich auch eine Verlängerung des ursprünglich geplanten Urlaubs möglich. Gewöhnlich wird über den Termin für den übriggebliebenen Urlaub entschieden, wenn der Arbeitnehmer wieder in den zurückgekehrt ist.

Bei Verspätung droht Abmahnung

Ganz gleich, ob Mitarbeiter am Ferienort oder zuhause erkranken: Im Einzelfall ist es arbeitsrechtlich noch kein Drama, wenn jemand mit seiner Krankmeldung zu spät dran ist. "Aber wenn das mehrfach vorkommt, kann das abmahnungsrelevant sein", erklärt Juristin Perreng. Wer krank zuhause bleibt und einfach nichts von sich hören lässt, riskiert zudem finanzielle Nachteile. Der Arbeitgeber kann dann Perreng zufolge durchaus die Lohnfortzahlung verweigern.

Bescheinigung nach drei Tagen Pflicht

Generell hat der Chef das Recht auf einen Nachweis der Erkrankung. "Und zwar nach drei Tagen", sagt Eckert. "Der Arbeitgeber kann auch verlangen, gleich am ersten Krankheitstag eine Bescheinigung vom Arzt zu erhalten. Eine solche Regelung ist aber mitbestimmungspflichtig", so der Rechtsanwalt. Die Frage stelle sich auch, ob das sinnvoll sei. Denn wenn Arbeitnehmer gleich am ersten Tag zum Arzt müssten, sei durchaus denkbar, dass dieser sie dann häufig gleich länger krankschreibe.

Krankheit geht den Chef nichts an

Die Ursache der Krankheit ist Privatsache. Wie genau sich ein Mitarbeiter darüber auslässt, entscheidet er selbst. Weil der Arbeitgeber Anspruch auf die vereinbarte Arbeitsleistung hat, möchte mancher Chef eventuell detailliert erfahren, was dem Angestellten fehlt. "Aber die Diagnose muss nicht mitgeteilt werden", so Martina Perreng. Habe der Arbeitnehmer eine ansteckende Krankheit, werde er sowieso krankgeschrieben und stelle kein Infektionsrisiko mehr da.

Diagnose unterliegt Datenschutz

Auch die Krankenkasse oder der Arzt geben dem Arbeitgeber keine Details zur Diagnose weiter. "Das unterliegt dem Datenschutz", sagt Christine Göpner-Reinecke vom AOK Bundesverband in Berlin. Der Arbeitgeber habe kein Recht, bei der Krankenkasse anzurufen und dort nachzufragen.

Im Zweifel die Krankenkasse einschalten

Hat der Chef Zweifel am Wahrheitsgehalt einer Krankmeldung, kann er jedoch die Krankenkasse einschalten. Diese veranlasst gegebenenfalls eine Untersuchung über den Medizinischen Dienst. Erkenntnisse über die Krankheit darf aber auch der nicht an den Arbeitgeber weiterleiten.

Krankentagegeld nach sechs Wochen

Erkrankte Arbeitnehmer erhalten sechs Wochen lang eine Entgeltfortzahlung. "Danach gibt es Krankentagegeld", erklärt Christine Göpner-Reinecke. Es wird innerhalb von drei Jahren für maximal 78 Wochen gezahlt, wenn der Beschäftigte wegen derselben Krankheit arbeitsunfähig ist. Dauert die Krankheit über diesen langen Zeitraum an, besteht kein Anspruch mehr auf Krankentagegeld. Dann sei zu prüfen, ob Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld I oder II gezahlt werden oder ein Rentenverfahren eine Alternative sein kann.

 
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