19.02.2013, 10:26 Uhr | dapd, dpa-AFX, t-online.de
Amazon zieht nach der heftigen Kritik am Umgang mit Leiharbeitern weitere Konsequenzen: Der Online-Versandhändler hat einem weiteren Dienstleister gekündigt. Die Zusammenarbeit mit einem Unternehmen, das für Unterbringung und Transport von Beschäftigten sowie für den Einsatz der Sicherheitskräfte verantwortlich war, sei beendet worden, teilte Amazon mit.
"Amazon ist verantwortlich dafür, dass alle Beschäftigten unserer Logistikzentren jederzeit sicher sind und mit Respekt und Würde behandelt werden", hieß es in der Stellungnahme. Es sei nicht gelungen, dies zu gewährleisten. Bereits gestern gab das Unternehmen bekannt, dass es die Zusammenarbeit mit einer umstrittenen Sicherheitsfirma beendet habe.
In einer ARD-Dokumentation war in der vergangenen Woche angeprangert worden, dass Arbeitssuchende in Osteuropa und Spanien für das Unternehmen mit falschen Angaben zur Entlohnung angeworben, in völlig überfüllten Feriendörfern untergebracht und dort von einem dubiosen Sicherheitsdienst mit Verbindungen zur Neonazi-Szene penibel überwacht wurden.
Die Staatsanwaltschaft Fulda ermittelt derweil gegen zwei Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes Hensel European Security Service (H.E.S.S.) aus Kassel. Es bestehe ein Anfangsverdacht der Nötigung und der Freiheitsberaubung, sagte ein Sprecher auf dapd-Anfrage. Die beiden Männer sollen einen Redakteur des Hessischen Rundfunks (HR) an der Abreise aus einem Hotel im Kirchheim (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) gehindert haben. Der HR deckte in der Dokumentation "Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon" unwürdige Arbeitsbedingungen des Versandhandels auf.
Das Bundesarbeitsministerium rechnet unterdessen noch in dieser Woche mit ersten Ergebnissen einer Sonderprüfung der Bundesagentur für Arbeit, die sich derzeit mit der betroffenen Leiharbeitsfirma beschäftigt. Das sagte eine Sprecherin von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in Berlin. Von der Leyen hatte am Wochenende Konsequenzen wegen der Affäre angedroht. Sollte an den Vorwürfen gegen die Leiharbeitsfirma etwas dran sein, stehe die Lizenz auf dem Spiel, sagte die Ministerin.
Die Gewerkschaft Ver.di kämpft unterdessen für bessere Beschäftigungsverhältnisse und höhere Löhne der festangestellten Amazon-Mitarbeiter. An den Standorten Bad Hersfeld und Leipzig will Ver.di die Anerkennung des Flächentarifvertrags für den Einzelhandel durchsetzen. Erste Gespräche seien allerdings nicht erfolgreich verlaufen, sagte ein Ver.di-Sprecher. "Bislang will Amazon den Tarifvertrag nicht akzeptieren, weil sich das Unternehmen nicht zum Einzelhandel zählt", betonte er. Trotzdem wolle die Gewerkschaft an dem erklärten Ziel festhalten.
19.02.2013, 10:26 Uhr | dapd, dpa-AFX, t-online.de
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