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Siemens-Aufseher halten Scherbengericht über Löscher

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Showdown für Siemens-Chef Peter Löscher

26.07.2013, 22:33 Uhr | dpa, rtr, t-online.de

Siemens-Aufseher halten Scherbengericht über Löscher. Steht Siemens-Chef Peter Löscher vor seiner Ablösung?

Steht Siemens-Chef Peter Löscher vor seiner Ablösung?

Wegen der jüngsten Gewinnwarnung und einer Reihe vorangegangener Misserfolge steht Siemens-Chef Peter Löscher unter wachsendem Druck. Sein Schicksal könnte sich bereits an diesem Wochenende entscheiden. Denn dann verhandeln die Aufsichtsratsfraktionen des Konzerns Kreisen zufolge über die Zukunft des wankenden Spitzenmanagers. Und während schon jetzt über einen Nachfolger aus der Konzernspitze spekuliert wird, schaltet Löscher auf Angriff um: "Mir bläst jetzt der Wind ins Gesicht, aber es war noch nie meine Art, aufzugeben oder schnell die Segel zu streichen."

Erst am Donnerstag hatte Löscher sein selbstgestecktes Ziel aufgeben müssen, den Technologiekonzern bis 2014 auf eine operative Rendite von zwölf Prozent zu hieven. Am Kapitalmarkt kam das neuerlich gebrochene Versprechen nicht gut an. Die Siemens-Aktie war in der Folge um sieben Prozent abgesackt, es hagelte Kritik von Analysten.

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Anleger honorieren anstehende Verhandlungen

"Neben diversen internen Problemen fehlt nun der konjunkturelle Rückenwind, so dass der 'Schwarze Peter' auf externe Faktoren geschoben wird", zürnte Wolfgang Donie von der NordLB. Entsprechend kam die Nachricht über die Verhandlungen am Wochenende bei den Anlegern gut an: Die Aktie drehte danach ins Plus und schoss gegenüber dem Vortag 1,4 Prozent in die Höhe.

Druck von allen Seiten

Aber auch unter den Arbeitnehmern gärt es. Mit seinem aktuellen Sparkurs und dem Abbau von 10.000 Stellen weltweit brachte Löscher die Belegschaft gegen sich auf.

Machtkampf in der Unternehmensspitze

Wie zwei mit dem internen Vorgängen vertraute Personen sagten, würden sich die Kapital- und Arbeitnehmervertreter am Wochenende jeweils getrennt in München treffen. Beiden Treffen dürften spannend werden. Denn aus dem Umfeld des Aufsichtsrats hieß es, unter den Aufsehern gebe es verschiedene Positionen. Während einige die Schuld an der Misere bei Löscher sehen, geben andere Finanzchef Joe Kaeser die Schuld. Schließlich sei auch er für die Prognosen verantwortlich.

Erste Spekulationen über Nachfolger

Laut einem Vorabbericht des "Manager Magazins" soll Industrievorstand Siegfried Russwurm die Nachfolge Löschers antreten. Die Initiative komme von Kapitalvertretern des Aufsichtsrats, berichtete das Magazin unter Berufung auf Kreise. Unterdessen kämpft Löscher um seinen Chefposten. "Ich habe einen Vertrag bis 2017, und gerade jetzt ist der Kapitän bei Siemens mehr gefragt denn je", sagte er der "Süddeutschen Zeitung".

IG-Metall als Zünglein an der Waage?

Entscheidend dürfte auch sein, wie sich die Arbeitnehmervertreter um IG-Metall-Chef Berthold Huber zu den Problemen positionieren. Die Gewerkschafter haben ein ambivalentes Verhältnis zur Schicksalsgemeinschaft Löscher. Einerseits fuhr Löscher lange einen Schmusekurs, in dem er der Belegschaft versprach, nicht betriebsbedingt zu kündigen. Andererseits brachte Löscher mit seinem Spar- und Renditekurs die Betriebsräte zuletzt in Rage und die Belegschaft mit Trillerpfeifen vor die Werkstore.

Lange Reihe von Misserfolgen

Die Gewinnwarnung vom Donnerstag markierte dann einen weiteren Tiefpunkt in einer langen Reihe von Misserfolgen in Löschers Amtszeit. Sie begann mit dem überteuerten Einkauf des Labordiagnostikgeschäfts, führte über die überhastete Trennung vom französischen Atom-Partner Areva und mündete jüngst in einer Reihe von technischen Pannen. Anschlüsse von Windparks in der Nordsee bekamen die Münchner nicht hin. Auch den von Löscher versprochenen Liefertermin für neue ICE-Züge an die Deutsche Bahn verfehlt der Konzern. In den USA brachen Windturbinen auseinander. Und mit Übernahmen hatte Löscher ebenfalls wenig Glück. Das zusammengekaufte Solargeschäft erwies sich nach nur wenigen Jahren als Totalausfall.

"Einfach nur enttäuschend"

Anfangs als Aufräumer in der Schmiergeldaffäre gefeiert, wuchs in letzter Zeit unter Aktionären und Analysten das Missfallen. "In den letzten 18 Monaten ist die Entwicklung einfach nur noch enttäuschend", hatte Fondsmanager Henning Gebhardt von der DWS auf der Hauptversammlung geklagt. Privataktionär Hans-Martin Buhlmann rechnete für Löschers Amtszeit vor: "Zehn Milliarden Euro Aktionärsgeld wurden vergeigt."

Machtkampf könnte außer Kontrolle geraten

Viele Mitarbeiter und Manager berichten, Löscher sei in dem weit verzweigten Konzern nie wirklich angekommen, kenne sich bis heute zu wenig aus. Als eigentlicher Siemens-Chef gilt vielen der ausgekochte Finanzvorstand Kaeser, der auf Analystenveranstaltungen mit Detailwissen glänzt, während Löscher sich meist auf wenige strategische Aussagen beschränkt. Ob die Aufsichtsräte tatsächlich Löschers Sturz wagen, ist offen. Doch der Machtkampf könnte wegen der verschiedenen Interessenslagen außer Kontrolle geraten.

 
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