06.08.2013, 09:14 Uhr | rtr
Die Überalterung des Personals und der Nachwuchsmangel bei der Deutschen Bahn trifft in der Urlaubszeit nun Reisende direkt. Nachdem die Bahn ihr Stellwerk in Mainz nicht mehr voll besetzen kann, lässt das Unternehmen zahlreiche Regional- und Fernzüge in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt in den Abend- und Nachtstunden nicht mehr halten. Ein Bahn-Sprecher begründete dies mit einem "unvorhersehbaren hohen Krankenstand während der Urlaubszeit". Kurzfristig sei dies nicht auszugleichen. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG sprach von einer Ausrede.
Tatsächlich sei die Personaldecke so knapp, dass Reisende sich wohl auf weitere Einschränkungen einstellen müssten. Mainz sei kein Einzelfall. Auch die Bundesnetzagentur erklärte, es habe deswegen schon 2012 Beschwerden von DB-Konkurrenten wegen Einschränkungen auf den Strecken gegeben. Ein Verfahren gegen die Bahn sei eingeleitet.
In Rheinland-Pfalz hatte es bereits im Mai Engpässe in den Stellwerken und in der Folge Zugausfälle gegeben. Im Mainzer Hauptbahnhof soll der Verkehr bis Sonntag eingeschränkt bleiben.
Die Bahn hat ihr Problem mit Überalterung der Belegschaft mit einem Durchschnittsalter von 46 Jahren eingeräumt. Bei der Tochter DB Netz, bei der in den vergangenen Jahren der Personal besonders stark ausgedünnt und auf Neueinstellungen verzichtet wurde, macht sich die Überalterung noch deutlicher bemerkbar.
In den nächsten zehn bis 15 Jahren scheiden hier laut Bahn-Unterlagen rund 18.000 Mitarbeiter altersbedingt aus. Das Unternehmen versucht daher, neue Fahrdienstleiter auch in Schnellkursen auszubilden, und greift dabei etwa auf Ex-Mitarbeiterinnen der früheren Drogeriekette Schlecker oder auf ehemalige Bundeswehr-Angehörige zurück.
keine gültigen Elemente gefunden!Der Bahn-Sprecher wies die Warnung der Gewerkschaft EVG vor weiteren Zugausfällen zurück. Allein im vergangenen Jahr habe DB Netz insgesamt 1000 neue Mitarbeiter sowie 800 Nachwuchskräfte eingestellt. In diesem Jahr würden diese Zahlen noch übertroffen.
EVG-Chef Alexander Kirchner warf der Bahn vor, sie habe aus Kostengründen vor der absehbaren Entwicklung die Augen verschlossen. Es fehlten derzeit rund 1000 Fahrdienstleiter. In der Folge seien rund eine Million Überstunden bei den Beschäftigten aufgelaufen. So seien Ausfälle wegen Krankheit absehbar gewesen.
Ein Sprecher der Bundesnetzagentur bestätigte, die Klagen über Personalmangel in den Stellwerken und Zugausfälle seien seit längerem bekannt. Eine Untersuchung sei eingeleitet worden, weil sich schon im vergangenen Jahr Bahn-Konkurrenten deswegen über Einschränkungen auf den Strecken beschwert hätten. Über Details werde aus einem laufenden Verfahren nicht berichtet, sagte der Sprecher weiter.
06.08.2013, 09:14 Uhr | rtr
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