Ex-Arcandor-Chef
Middelhoff zu Millionen-Zahlung verdonnert09.09.2013, 15:28 Uhr | rtr, dpa, t-online.de
Thomas Middelhoff, ehemaliger Arcandor-Vorstandsvorsitzender, vor dem Landgericht Essen (Quelle: dpa)
Auf den ehemaligen Arcandor-Chef Thomas Middelhoff kommt nach einem Gerichtsurteil unter anderem wegen ungerechtfertigter Boni eine Millionen-Zahlung zu. Middelhoff müsse rund 3,4 Millionen Euro an den Arcandor-Insolvenzverwalter überweisen, entschied das Landgericht Essen. Einer der Hauptvorwürfe: Arcandor habe hohe Boni an Middelhoff ausgeschüttet, obwohl damals bereits feststand, dass der Manager den Warenhaus- und Tourismuskonzern verlässt, sagte der Vorsitzende Richter Michael Dickmeis. Auch andere ehemalige Arcandor-Manager wurden teils empfindlich zur Kasse gebeten.
Auch sei bei mehreren teuren Flügen in gecharterten Jets, die Middelhoff Arcandor in Rechnung gestellt habe, "kein dienstlicher Anlass" zu erkennen, merkte Dickmeis an. Zudem habe Middelhoff einen Sponsoring-Vertrag mit der Universität Oxford mit einem Volumen von rund 840.000 Euro "eigenmächtig" geschlossen, der Arcandor-Vorstand habe dem Schriftwerk nicht zugestimmt.
Die Kammer hatte noch am Vormittag mehrere Zeugen zu den umstrittenen Flügen Middelhoffs gehört. Am Mittag verkündete sie dann ihre Entscheidung. Middelhoff und die anderen Beklagten waren nicht persönlich anwesend - sie wurden durch ihre Anwälte vertreten. Geklagt gegen Middelhoff und andere Manager hatte in dem Zivilverfahren der Arcandor-Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch.
Er forderte Schadenersatz in einer Höhe von insgesamt knapp 24 Millionen Euro - davon allein 16 Millionen Euro von Middelhoff. In Gänze konnte sich Jauch damit nicht durchsetzen, nach einer ersten Rechnung eines Sprechers können die Arcandor-Gläubiger auf rund acht Millionen Euro als Konsequenz aus dem Richterspruch rechnen.
Die Klage richtete sich aus Sicht des Insolvenzverwalters gegen zu Unrecht ausbezahlte Sonderboni und überhöhte Abfindungen. Zudem habe Middelhoff Flugkosten bei Arcandor abgerechnet - die Flüge seien aber auch privat genutzt worden. Im Fall von drei Flügen teilte das Gericht nun diese Ansicht.
Eine vom Insolvenzverwalter eingesetzte Revisorin, die nach der Insolvenz die Unterlagen des Konzerns durchforstet hatte, hatte am Morgen vor dem Gericht gesagt, Middelhoffs Reiseunterlagen seien "unvollständig" gewesen. Der Arcandor-Chef war etwa mit einem eigens für ihn gecharterten Flieger mehrmals nach New York geflogen, mehrere Zehntausend Euro wurden den Aussagen zufolge jeweils fällig. Eine ehemalige Sekretärin Middelhoffs berichtete, "manchmal" sei der dienstliche Charakter der Reisen sehr deutlich gewesen - "manchmal aber auch nicht".
Die Beklagten hatten die Vorwürfe zurückgewiesen. Middelhoffs Anwalt Winfried Holtermüller kündigte bereits an, gegen die Entscheidung des Landgerichts Essen vorgehen zu wollen: "Wir werden in Berufung gehen." Er gehe davon aus, dass der Rechtsstreit bis zum Bundesgerichtshof fortgesetzt werde.
Der frühere Bertelsmann-Manager Middelhoff hatte 2004 beim Arcandor-Vorläufer KarstadtQuelle den Aufsichtsratsvorsitz übernommen, 2005 wechselte er auf den Chefsessel. Er verkaufte neben den Immobilien alle Verlustbringer wie Hertie, SinnLeffers und Wehmeyer - und träumte öffentlich von einem Aktienkurs in einer Höhe von "40 Euro plus X".
Im Frühjahr 2009 musste Middelhoff dann bei Arcandor seinen Hut nehmen, der Konzern schlitterte wenige später in die Pleite. Im Juni 2009 beantragte Arcandor die Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Der Warenhausriese Karstadt ging später an den Milliardär Nicolas Berggruen. In Folge der Pleite gibt es zahlreiche juristische Auseinandersetzungen. Middelhoff selbst versucht derzeit einen beruflichen Neuanfang. Er hat mit lokalen Unternehmern eine Medienholding in Hongkong gegründet.
09.09.2013, 15:28 Uhr | rtr, dpa, t-online.de
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