Querelen um Führungswechsel
Josef Ackermann gibt Aufsichtsratsposten bei Siemens ab12.09.2013, 14:54 Uhr | AFP, rtr, t-online.de
Erst kürzlich war der Ex-Deutsche-Bank-Chef von einem Spitzenamt bei der Zurich-Versicherung zurückgetreten (Quelle: dpa)
Der Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann will auch sein Mandat als Siemens-Aufsichtsrat niederlegen. Das sagte Ackermann am Donnerstag in Berlin bei der Vorstellung des Buches "Späte Reue", einer Biographie über ihn. Er ziehe damit die Konsequenzen aus den jüngsten Machtkämpfen bei dem Münchener Technologiekonzern. Vor Kurzem hatte Ackermann mit seinem Rückzug als Verwaltungsrats-Chef des Versicherungskonzerns Zurich für Schlagzeilen und Spekulationen gesorgt.
Bei Siemens hatte Ackermann die Turbulenzen rund um den Chefwechsel mehrfach kritisiert und war einem Machtkampf mit Aufsichtsratschef Gerhard Cromme unterlegen. Der frühere Finanzvorstand Joe Kaeser hatte den Vorstandsvorsitz von Peter Löscher übernommen. Dem waren tagelange Ränkespiele im Aufsichtsrat vorausgegangen. Der ehemalige Chef der Deutschen Bank hatte sich für den Verbleib von Peter Löscher an der Spitze eingesetzt.
Ackermann sagte, der Rückzug aus dem Aufsichtsrat von Siemens habe "ganz andere Gründe" als sein Rücktritt als Verwaltungsratschef von Zurich. Dieser stand dagegen im Zusammenhang mit dem Freitod des Zurich-Finanzchefs Pierre Wauthier.
Auslöser waren Vorwürfe der Witwe Wauthiers, wonach Ackermanns Führungsstil zu dem Suizid beigetragen haben soll. Der Verwaltungsratschef wurde zudem im Abschiedsbrief erwähnt. Der Schweizer hält diese Anschuldigungen für haltlos: "Dass ich in einem Brief verantwortlich oder mitverantwortlich gemacht werde, muss ich in aller Entschiedenheit zurückweisen." Zudem hat er wiederholt erklärt, dass ihn diese Vorwürfe persönlich getroffen hätten.
Der Zurich-Verwaltungsrat wählte den Niederländer Tom de Swaan am Mittwoch zum Nachfolger Ackermanns.
Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete, zu einem Rückzug Ackermanns aus dem Siemens-Aufsichtsgremium dürfte auch beitragen, dass die Münchner Staatsanwaltschaft gegen den ehemaligen Bankenchef ermittelt. Sie untersucht, ob er im Schadenersatzprozess der Kirch-Mediengruppe gegen die Deutsche Bank Prozessbetrug begangen hat. Eine Anklage womöglich in diesem Herbst schließen Beobachter laut dem Bericht nicht aus.
Ohne Aufgabe ist der Schweizer nach den Rücktritten aber nicht: Er sitzt weiterhin beim Mineralölkonzern Shell im Aufsichtsrat sowie in der Investment-Holding der schwedischen Industriellenfamilie Wallenberg.
12.09.2013, 14:54 Uhr | AFP, rtr, t-online.de
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