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Nach Daimler-Doku über Leiharbeiter: Strafanzeige gegen Zetsche

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Nach Doku über Leiharbeiter  

Strafanzeige gegen Daimler-Chef Zetsche

16.05.2013, 17:09 Uhr | t-online.de

Nach Daimler-Doku über Leiharbeiter: Strafanzeige gegen Zetsche. Gleiche Arbeit, ungleicher Lohn: Autoproduktion bei Daimler (Quelle: dpa)

Gleiche Arbeit, ungleicher Lohn: Autoproduktion bei Daimler (Quelle: dpa)

Dass das Etikett "Premiumhersteller" nicht vor Lohndumping schützt, hatte der Südwestrundfunk (SWR) in einer ARD-Dokumentation dargestellt: Reporter Jürgen Rose ließ sich als Leiharbeiter anstellen und wurde an eine Logistikfirma verliehen. Die brachte Rose zum Fließband des Autobauers Daimler. Dort arbeitete er Hand in Hand mit der Stammbelegschaft - nur sein Lohn war zwei Drittel niedriger. Daimler wies die Darstellungen umfassend zurück. Wie "Handelsblatt Online" berichtet liegt der Staatsanwaltschaft Stuttgart nun eine Anzeige wegen des Vorwurfs der illegalen Arbeitnehmerüberlassung vor.

Die Staatsanwaltschaft bestätigte "Handelsblatt Online", dass eine Strafanzeige gegen Daimler-Chef Dieter Zetsche vorliegt. Der Vorwurf sei gemeinschaftliche Arbeitnehmerüberlassung. Die Strafanzeige, die "Handelsblatt Online" ebenfalls vorliegt, richtet sich auch gegen den Chef einer von Daimler beauftragten Logistikfirma, Michael Preymesser, sowie gegen Daimler-Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm.

Anzeige vom Bündnis "Leak-Leiharbeit"

Unterschrieben sei die Strafanzeige von Benjamin Frick, dem Initiator der Nürnberger Initiative "Leak-Leiharbeit", meldeten die "Stuttgarter Nachrichten" online. "Ich bin selbst seit Jahren von Leiharbeit betroffen", zitierte die Zeitung Frick. Demnach hat Frick sich zu der Anzeige entschlossen, weil zu viele Missstände in der Branche unter Verschluss bleiben würden.

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Nur ein Drittel des Stammarbeiter-Lohns

Aus der Reportage ging hervor, dass Rose als Zeitarbeiter an eine Logistikfirma verliehen wurde. Dies hatte offenbar aber nichts zu bedeuten - er arbeitete trotzdem am Fließband des Mercedes-Stammwerks in Untertürkheim. Dort verpackte er schwere Motorenbauteile in Tüten, die dann nach China verschifft wurden.

Roses Stundenlohn betrug 8,19 Euro brutto. Daraus entstand ein Bruttolohn von ungefähr 1220 Euro im Monat, netto knapp unter tausend Euro. Daimler-Festbeschäftigte dagegen verdienen laut Betriebsräten selbst in der niedrigsten Lohnstufe 3400 Euro, also fast dreimal so viel wie Rose.

Das entleihende Logistik-Unternehmen hatte einen Werkvertrag mit Daimler geschlossen. Damit dürfte Rose weder die gleiche Arbeit wie Stammarbeiter verrichten noch von ihnen Anweisungen entgegennehmen - genau das sei aber geschehen.

Aufstocken muss sein - mit Steuergeldern

Der Fall warf Licht auf einen weiteren Aufreger-Aspekt. Denn mit dem Minigehalt einerseits und einer Familie mit vier Kindern auf der anderen Seite würde Rose zum "Aufstocker", der mit Steuergeldern auf Hartz-IV-Niveau gebracht wurde. "Ich war erschrocken, wie viel ich da kriegen würde", sagte Rose dem SWR: "1550 Euro war mein Aufstockerbetrag, plus Kindergeld natürlich."

In diesen Branchen werden Hungerlöhne gezahlt

Beispiele wie dieses kritisierte der Arbeitsmarktforscher Stefan Sell gegenüber dem SWR heftig: "Wir haben allein im Jahr 2011 8,7 Milliarden Euro Steuergelder nur für die Aufstocker im Hartz-IV-System ausgegeben. Das bedeutet, wir finanzieren mit unseren Steuergeldern die Lohndumping-Strategien auch von solchen Premium-Herstellern."

Daimler weist Vorwürfe zurück

Daimler hatte auf die Doku mit einer umfassenden Zurückweisung der Vorwürfe reagiert: "Entgegen der Darstellungen im Fernsehbericht wurde der Reporter nicht durch Führungskräfte oder Mitarbeiter der Daimler AG in seine Arbeitsaufgabe eingewiesen. Auch hat der Reporter nicht die gleichen Tätigkeiten wie unsere Mitarbeiter ausgeführt." Weisungen von Daimler-Beschäftigten habe es auch nicht gegeben.

Stattdessen kritisierte das Unternehmen die "fragwürdige Vorgehensweise" des SWR. So habe es Telefonate von Rose mit der Daimler-Pressestelle, die im Film dargestellt wurden, nie gegeben. Zudem wurde dem Unternehmen "zu keinem Zeitpunkt die Chance gegeben, auf die konkreten Vorwürfe, die in dem Film gemacht werden, zu reagieren".

 
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