Schuldenkrise
USA: Zahlungsausfall könnte teuer werden15.07.2011, 11:23 Uhr | AFP, dpa-AFX, dpa-AFX, AFP
Eine US-Zahlungsausfall hätte dramatische Folgen (Foto: Thinkstock by Getty–Images )
Die größte Volkswirtschaft der Welt droht derzeit in Misskredit zu geraten. Weil die Fronten im Streit über eine Anhebung der Schuldenobergrenze zwischen den Demokraten von US-Präsident Barack Obama und den oppositionellen Republikanern verhärtet sind, schließen Experten wie US-Notenbankchef Ben Bernanke und die Ratingagentur Moody's einen Zahlungsausfall bei US-Staatsanleihen nicht mehr aus. Dass solch eine Situation selbst bei nur kurzer Dauer die Vereinigten Staaten teuer zu stehen käme, lehrt ein ähnlicher Haushaltsstreit zwischen Präsident und Kongress vor gut drei Jahrzehnten.
1979 stritt der damalige demokratische US-Präsident Jimmy Carter mit dem Kongress über eine Anhebung des Schuldenlimits. Am 2. April wurde die Obergrenze schließlich heraufgesetzt. Wegen technischer Probleme infolge der Einigung in letzter Minute konnte die US-Regierung die Zahlungen bei drei Anleihen jedoch nicht rechtzeitig leisten. Für die für den 26. April, 3. und 10. Mai fälligen Auszahlungen stellte das Finanzministerium in Washington die Schecks - damals das gängige Zahlungsmittel - jeweils ein paar Tage zu spät aus. So wurden insgesamt 120 Millionen Dollar (85 Millionen Euro) nicht rechtzeitig ausgezahlt. Nach anfänglicher Gegenwehr erklärte sich die Regierung schließlich dazu bereit, die betroffenen Anleger zu entschädigen.
Abgesehen von den Entschädigungen hatte der kurzzeitige Zahlungsausfall eine weitere schädliche Auswirkung auf den US-Haushalt. In den folgenden Monaten mussten die USA höhere Zinsen für ihre Anleihen zahlen, wie die Wirtschaftswissenschaftler Terry Zivney und Richard Marcus 1989 in ihrer Untersuchung zu den Reaktionen der Märkte auf den Zahlungsausfall hervorhoben. Der Zinssatz stieg ihren Berechnungen zufolge um 0,6 Prozentpunkte.
"Das sind die einzigen Daten, die wir über einen US-Zahlungsausfall haben", sagt der ehemalige Ökonom im Weißen Haus, Donald Marron. "Nicht überraschend zeigen sie, dass sogar ein zeitweiser Zahlungsausfall eine schlechte Idee ist." Dies dürfte auch in der jetzigen Situation gelten. Deutlich geändert hat sich seit dem Streit 1979 hingegen die US-Schuldenobergrenze - betrug sie damals noch 830 Milliarden Dollar, ist sie mittlerweile mit 14,3 Billionen Dollar 17 Mal so hoch.
Nach Moody's hat mit Standard & Poor's nun auch die zweite große Ratingagentur den Vereinigten Staaten mit dem Entzug ihrer erstklassigen Kreditwürdigkeit gedroht. Hauptgrund für die Warnung, die in der Nacht zum Freitag ausgesprochen wurde, sind die stockenden Verhandlungen über die Anhebung der gesetzlichen Schuldengrenze. Allerdings geht S&P einen Schritt weiter als Moody's: Während sich Moody's vor allem auf den politischen Streit konzentriert, fordert S&P eine nachhaltige Lösung für die steigende Staatsverschuldung. Ansonsten droht eine Herabstufung innerhalb der nächsten drei Monate.
Standard & Poor's hatte den Ausblick für das US-Rating im April auf "negativ" gesetzt und damit die Finanzmärkte aufgeschreckt. Jetzt geht die Agentur den nächsten Schritt und setzt die Bewertung auf "CreditWatch". Das bedeutet, dass eine Herabstufung der US-Bonität innerhalb der nächsten drei Monate nicht unwahrscheinlich ist. Konkret: S&P sieht eine Chance von 50 Prozent, dass die USA herabgestuft werden. Die Agentur verweist auf ein hohes Risiko, dass sich Regierung und Opposition nicht rechtzeitig auf eine Anhebung der Schuldengrenze von derzeit 14,3 Billionen Dollar einigen können.
15.07.2011, 11:23 Uhr | AFP, dpa-AFX, dpa-AFX, AFP
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