22.09.2011, 14:27 Uhr | dpa-AFX, dpa-AFX, t-online.de
Ben Bernanke: Wirtschaft ankurbeln- aber wie? (Quelle: Reuters)
Um die Wirtschaft in den USA wieder anzukurbeln, erwarten Experten mit Spannung die nächsten Schritte der Fed. Diskutiert werden dabei zwei mögliche Szenarien: Geld drucken oder nicht.
Amerikas Rechtsaußen haben einen neuen Lieblingsfeind: US-Notenbankchef Ben Bernanke und seine Federal Reserve (Fed). "Dieser Typ druckt so viel Geld bis zu den Wahlen", wetterte vorigen Monat Rick Perry, derzeit Favorit im Rennen um die Nominierung zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten - das sei ja "beinahe Hochverrat". "Wir da unten in Texas würden ihn ganz schön mies behandeln", polterte der Gouverneur. Gleichgesinnte würden die Fed an die kurze politische Leine nehmen oder am besten gleich abschaffen.
Doch jenseits der Wahlkampfsprüche und angesichts leerer Kassen in Washington ist klar: Die einzigen, auf die das Land aufgrund der hartnäckigen Jobmisere und der blutarmen Konjunktur noch zählen kann, sind Bernanke und seine Expertenrunde. Und es sieht wieder so aus, als müsse der mächtigste Zentralbanker der Welt mit dem gütigen Professorenblick erneut zu Hilfe eilen.
Wenn der Offenmarktausschuss der Federal Reserve am 20. und 21. September zusammenkommt, erwarten am Ende des Treffens nicht nur die Ökonomen des Investmenthauses Goldman Sachs eine neue geldpolitische Lockerung der Notenbank - oder zumindest einen deutlichen Hinweis darauf, dass sie kommen wird. "Die Federal Reserve muss zu dramatischen Maßnahmen greifen, will sie einen zweiten Wirtschaftsabschwung verhindern", meint auch das renommierte US-Finanzmagazin "Barron's". Angesichts eines Leitzinses, der bis Mitte 2013 bei nahe null bleiben soll, und einer zusehends schmaleren Auswahl an Instrumenten spricht Kolumnist Jonathan Laing gar von "Bernankes letztem Gefecht".
Viele tippen allerdings darauf, dass die Fed nicht erneut die Notenpresse anwirft wie zwischen Ende 2008 und März 2010 und noch einmal von November 2010 bis Juni dieses Jahres. Bei dem zweiten Manöver - im Fachjargon "Quantitative Lockerung" (Quantitative Easing/QE2) genannt - kaufte die Zentralbank für 600 Milliarden Dollar (438 Milliarden Euro) langlaufende Staatsanleihen, um damit verbundene Zinsen zu drücken und mithin die Nachfrage anzukurbeln.
Die Federal Reserve bezog gerade für ihre jüngste Maßnahme viel Prügel, auch international, weil sie laut Kritikern den Dollar schwächte und inflationäre Gefahren heraufbeschwor. Im Zuge der beiden Kunstgriffe kaufte die Fed laut "Barron's" insgesamt für fast zwei Billionen Dollar Staatsanleihen und hypothekenbesicherte Wertpapiere. Ihre eigene Bilanzsumme stieg um das mehr als dreifache auf 2,85 Billionen Dollar. Jeder weiß: Ein drittes Mal die Notenpresse rattern zu lassen, gilt als politisch nicht durchsetzbar - auch angesichts immer tieferer Spannungen innerhalb der Fed über ihren geldpolitischen Kurs.
Als wahrscheinlichster Schachzug gilt Experten deshalb, dass die Notenbank sich an ein Manöver aus den 60er Jahren anlehnt, in Anspielung an die damalige Tanzmode "Operation Twist" genannt. Dabei würde die Fed zwar erneut langlaufende Staatsanleihen erwerben, um die Zinsen zu drücken. Finanzieren wird sie dies dann aber durch den Verkauf kürzerlaufender Titel - "Gelddrucken" wäre nicht nötig, die Bilanzsumme würde nicht weiter aufgebläht. Goldman Sachs sieht die Chancen bei immerhin 75 Prozent, dass die Fed den "Twist" tanzt.
Ein weiteres denkbares Manöver ist die Absenkung oder gar Abschaffung jener 0,25 Prozent Zinsen, die die Federal Reserve Geschäftsbanken auf bei ihr geparkte, überschüssige Reserven zahlt. Weil sich diese Anlage dann nicht mehr lohnt, wären die Geldhäuser "wenigstens gezwungen, in Staats- oder Unternehmensanleihen zu investieren, selbst wenn sie nicht mehr Kredite vergeben wollen", sagt der frühere Fed-Vize Alan Blinder laut "Barron's". Jedoch: "Das ist keinesfalls eine schlagkräftige Waffe zur Konjunkturbelebung."
Offen ist, wie wirkungsvoll ein neuerlicher Zentralbank-"Twist" sein wird. Die Resultate von "QE2" jedenfalls sind umstritten: Zwar folgte eine respektable Börsenrallye, doch hat der jüngste Aktienabsturz die Gewinne wieder zunichte gemacht. Viel verändert hat sich auch am gesamten Konjunkturbild nicht: Vor einem Jahr stand die US-Arbeitslosigkeit bei 9,6 Prozent, jetzt sind es 9,1 Prozent. Und nach wie vor wächst die weltgrößte Volkswirtschaft im Schneckentempo - in der ersten Hälfte dieses Jahres um hauchdünne 0,7 Prozent. Zwar wird das trübe Ergebnis auch der anhaltenden Schuldenkrise in Europa zugeschrieben. Doch wird es am Ende wohl wieder der US-Zentralbank zufallen, den amerikanischen Konjunkturkarren aus dem Dreck zu ziehen.
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