22.05.2012, 10:07 Uhr | dpa-AFX, dapd
Mit Spannung blickt Europa am Sonntag auf die Parlamentswahl in Griechenland. Unklar ist, ob das Land danach seinen rigiden Sparkurs fortsetzt und die Reformen des maroden Staatsapparats weiterführen kann. Nach der Wahl sollte Griechenland deswegen laut Angaben des Chef des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Thomas Straubhaar, "zu einem europäischen Protektorat" werden.
Das Land sei nicht in der Lage, sich aus eigener Kraft gegen die Profiteure der Krise zu wehren und brauche deshalb "rat- und tatkräftige Unterstützung bei der Schaffung funktionsfähiger staatlicher Strukturen", sagte der Ökonom dem "Tagesspiegel".
"Aus diesem Grund wäre es klug, darauf hinzuarbeiten, Griechenland zu einem europäischen Protektorat zu machen", sagte Straubhaar. In diesem Punkt sei die EU gefordert. Sie müsse Athen bei der Modernisierung der Institutionen auf jeder Ebene unterstützen, vor allem aber in der Verwaltung sowie mit Steuerfachkräften und Finanzbeamten.
Allerdings sei diplomatisches Feingefühl nötig, "um nationalen Stolz, Eitelkeiten und den Widerstand von Interessengruppen bei der Neugründung Griechenlands zu überwinden“, sagte Straubhaar. Schon seit Ausbruch der Schuldenkrise kämpft das Land mit der Reform seines maroden Staatsapparats.
Der schlechte Zustand staatlicher Institutionen ist nach Ansicht von Experten einer der wesentlichen Gründe für die aktuelle Misere in Griechenland: Dem Staat entgeht viel Geld wegen der verbreiteten Korruption, Vetternwirtschaft und Steuerhinterziehung. Experten haben ausgerechnet, dass Griechenland binnen zehn Jahren schuldenfrei würde, wenn es die Steuerhinterziehung erfassen und beenden könnte.
Schon seit längerem bieten deswegen Deutschland, andere Staaten sowie die Europäische Union den Griechen ihre Hilfe beim Aufbau einer effizienteren Verwaltung an. Für dringend notwendige Reformen braucht eine Regierung aber das Vertrauen der Bürger. Umfragen zeigen jedoch, dass mehr als 80 Prozent der Befragten den Politikern misstraut. "Die selben Leute, die das Land an den Rand des Bankrotts geführt haben, sagen heute, sie werden es retten", sagt der "kleine Mann" auf der Straße.
Die harten Sparmaßnahmen und die von den Geldgebern diktierten Einschnitte haben mittlerweile zu einem Teufelskreis geführt. Die Menschen haben fast 25 Prozent ihres Einkommens verloren. Sie konsumieren entsprechend weniger. Das hat zum Einbruch der Wirtschaft geführt. Ergebnis: Die Arbeitslosigkeit greift um sich. 22 Prozent sind arbeitslos. Jeder zweite junge Mensch hat keine Arbeit. Das untergräbt das Vertrauen in die Regierenden weiter.
Quelle: dpa-AFX, dapd
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