14.09.2012, 17:30 Uhr | dapd, t-online.de
Susanne Schmidt mit Vater Helmut: Die Finanzexpertin sieht mittelfristige Inflationsgefahren (Quelle: dpa)
Die Finanzexpertin Susanne Schmidt hat vor den Folgen der gegenwärtigen lockeren Geldpolitik der Notenbanken gewarnt. "Irgendwann wird uns das um die Ohren fliegen", sagte die Tochter des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt. Zwar sei das Finanzsystem vier Jahre nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers besser gegen Bankpleiten gewappnet. "Liquidität ist ja reichlich da. Die Wahrscheinlichkeit eines Crashs ist deshalb kleiner geworden", sagte Schmidt. Die Banken seien aber von der lockeren Politik der Notenbanken abhängig.
Indem die Europäische Zentralbank (EZB) den Banken eine Billion Euro an billigen Krediten zur Verfügung gestellt habe, habe sie auch eine stärkere Geldentwertung wahrscheinlicher gemacht. "Ich denke, mittel- bis langfristig wird es schwierig, das ohne eine höhere Inflation zurückzudrehen", sagte Schmidt. Kurzfristig werde die Teuerung deshalb aber nicht anziehen. "Solange wir konjunkturell rumkrüppeln, wird es eher deflationäre Tendenzen geben", erklärte sie. Bei der Deflation nimmt der Wert des Geldes zu.
Die Kritik an den angekündigten Anleihekäufen der EZB hält die ehemalige Bankerin für teilweise ungerecht. "Ich verstehe die Einwände der Kritiker, aber was sind die Risiken und Kosten, wenn ich nichts tue? Ohne das Aufzeigen dieser alternativen Risiken und Kosten ist die Kritik unredlich", sagte Schmidt. Aber wer sich nicht täglich damit beschäftige, dem falle dies nicht auf.
Es sei dringend notwendig, einer erneuten Finanzkrise vorzubeugen und den Banken mehr Regeln vorzuschreiben, auch wenn dies Geld koste und mehr Bürokratie verursache. "Und wenn das bedeutet, dass die Banken über ein paar Jahre noch eine Eigenkapitalrendite haben wie ein normaler Versorger, dann ist das eben so", sagte Schmidt. "Was die Regulierung, Solidität und Stabilität der Banken angeht, ist noch viel zu tun." Da müssten die Verantwortlichen einen Zahn zulegen.
Schmidt veröffentlichte kürzlich das Sachbuch "Das Gesetz der Krise", in dem sie unter anderem den Einfluss der Banken kritisiert. Direkt nach dem Beginn der Finanzkrise hätte sich die Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20) noch auf eine gemeinsame Gangart zur Reform der Finanzmärkte verständigt. "Jetzt ist der Wille leider nicht größer, an einem Strang zu ziehen als vor Ausbruch der Finanzkrise", rügte Schmidt. "Jedes Land hat Angst, im Wettbewerb den Kürzeren zu ziehen."
Weitaus optimistischer schätzt sie die Zukunft des Euro ein. "Ich bin voller Hoffnung, dass wir die Krise in der Währungsunion überwinden", erklärte Schmidt. Dabei sei Europa aber auch von der Entwicklung der Weltpolitik abhängig. "Eine Krise im Nahen Osten kann all diese Einschätzungen über den Haufen werfen."
Quelle: dapd, t-online.de
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