21.01.2013, 11:10 Uhr | t-online.de - sia, dpa-AFX
Im Zuge der Debatte um die geldpolitischen Lockerungen der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) schlägt jetzt ein Notenbanker selbst Alarm: Jeffrey Lacker, der im geldpolitischen Ausschuss der Fed (FOMC) sitzt, hat sich erneut deutlich gegen die Anleihekäufe seines Instituts zur Ankurbelung der Konjunktur ausgesprochen. Lacker forderte im Interview mit dem "Handelsblatt", die Fed solle damit so schnell wie möglich aufhören und warnte eindringlich vor den zunehmenden Risiken dieser Strategie.
Die mit dem weiteren Kauf von Anleihen einhergehenden Risiken seien "seit Anfang 2012 höher als die damit erzielten Vorteile“, erklärte Lacker. "Wir sollten sie eher früher als später stoppen", verlangte der Chef der regionalen Notenbank von Richmond im Gespräch mit der Zeitung. Der Experte hat in der Vergangenheit regelmäßig eine Minderheitsposition im FOMC eingenommen.
Kritisch bewertet Lacker auch die Kopplung der Geldpolitik an wirtschaftliche Zielgrößen wie die Arbeitslosenquote. Dies könnte es erschweren, einer möglichen Inflation vorzubeugen. "Das wiederum könnte Inflation bedeuten. Ich erwarte das nicht für 2013, aber es könnte ab 2014 passieren", warnte Lacker. Die Fed hatte im Dezember versprochen, von Zinserhöhungen abzusehen, so lange die Arbeitslosenquote nicht unter 6,5 Prozent fällt.
Lacker verwies außerdem auf die Gefahren des Schuldenstreits in den USA. "Die Unsicherheit ist riesig", beschrieb der Währungshüter die aktuelle Lage. Die USA leben seiner Ansicht nach schon viel zu lange mit einem großen Haushaltsdefizit. Solange keine Lösung in der Steuer- und Ausgabenpolitik in Sicht sei, werde die Verunsicherung in der Wirtschaft das Wachstum bremsen.
Fed-Chef Ben Bernanke selbst hatte bereits die Gefahren einer weiteren geldpolitischen Lockerung zur Sprache gebracht: Sie könne die Stabilität der Finanzmärkte und die Glaubwürdigkeit der Notenbank beeinträchtigen. Vor allem könne die Fed keine nachhaltige Wirtschaftspolitik ersetzen, hatte er erklärt.
Bei der Bankenregulierung sieht Lacker dem Bericht zufolge die nationalen Bankenaufsichten mehr in der Pflicht. "Entweder man versucht schnell, die relevanten Bankaufseher weltweit zusammenzubekommen. Oder man versucht sicherzustellen, dass man das Problem vor Ort löst und eine Ansteckung anderer Länder verhindert. Ich finde, Letzteres ist ein überzeugender Ansatz“, sagte er.
Die Fed hatte zuletzt entschieden, die Regeln für ausländische Banken zu verschärfen. Für gut zwei Dutzend Institute mit einer Bilanzsumme von mehr als 50 Milliarden US-Dollar (38,2 Milliarden Euro) werden nach dem Plan ab Mitte 2015 strengere Kapitalvorschriften gelten. Die neue Regelung betrifft auch die Deutsche Bank. Ihre US-Tochter darf in Zukunft weniger Kapital an den Mutterkonzern in Deutschland abgeben und muss mehr leicht verkäufliche Vermögenswerte in den USA halten.
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