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Zypern: Was der EU bei einem Pleite-Szenario droht

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Wenn Zypern wirklich pleiteginge

23.03.2013, 14:47 Uhr | bv, t-online.de

Zypern: Was der EU bei einem Pleite-Szenario droht. Schlange vor einem Geldautomaten in Nikosia (Quelle: dpa)

Schlange vor einem Geldautomaten in Nikosia (Quelle: dpa)

 

Zwar hat das Parlament in Zyperns Hauptstadt Nikosia am späten Freitagabend erste Teile eines Rettungspakets beschlossen, doch damit ist die Kuh noch nicht vom sprichwörtlichen Eis. Weitere Entscheidungen müssen an diesem verlängerten Wochenende folgen, das am Dienstag nach dem Nationalfeiertag endet. Ab diesem Tag - so hat es die Europäische Zentralbank (EZB) in einem Ultimatum angedroht - gibt es dann auch keine Notkredite mehr. Die Banken könnten also erneut nicht öffnen, denn sie würden von den Kunden gestürmt, die noch schnell ihr Geld abheben wollen.

Doch der Gang zur Bank wäre wohl vergeblich, wie die "Bild"-Zeitung in einem Pleiteszenario für den griechischen Teil der Mittelmeerinsel schreibt. Denn Banken und Staat wären dann bankrott, der Staat könnte auch die Einlagensicherung bis 100.000 Euro nicht mehr leisten.

Schock für die Wirtschaft droht

Der Staat müsste außerdem seine Zahlungen einstellen. Davon wären nicht nur die Gehälter der Banken betroffen, sondern auch Renten und Sozialleistungen. Unternehmen, die für den Staat gearbeitet haben, würden ebenfalls nicht mehr bezahlt - und könnten damit im Gegenzug auch ihre Angestellten nicht entlohnen. Das gilt auch für die Bankbeschäftigten. Ein erheblicher Schock für die Wirtschaft wäre die Folge.

Euro-Krise 
Beratung über Zwangsabgabe in Zypern

Parlament wartet Treffen der Euro-Finanzminister ab. zum Video

Lebensmittel- und Treibstoff-Importe kämen ebenso zum Erliegen, weil auch diese Rechnungen nicht mehr bezahlt werden können, wenn die Banken nicht funktionieren. Auch Auswirkungen auf das Gesundheitssystem enthält das "Bild"-Pleiteszenario. Die EU müsse Hilfe wie nach einem Erdbeben schicken, heißt es darin.

Zypern müsste wohl außerdem eine neue Währung einführen, wobei der Euro, der noch im Umlauf ist, wahrscheinlich zur Schwarzmarktwährung würde. Da Zypern außerdem seine Schulden nicht mehr bedient, verfällt der Wert der Staatsanleihen und damit auch das Vermögen vieler Zyprer.

Zypern ist relativ unwichtig

Die EU kann deshalb so hart mit dem Inselstaat umspringen, weil er - entgegen anderslautender Beteuerungen auch aus der deutschen Politik - mit einem Anteil von nur 0,2 Prozent an der gesamten europäischen Wirtschaftsleistung eben nicht systemrelevant ist. Eine echte Gefahr ist dagegen ein Domino-Effekt. Wenn auch Sparer aus anderen Euro-Krisenstaaten wie Portugal, Spanien, Italien oder Griechenland anfangen, ihr Erspartes abzuheben oder ins sicherere Ausland zu überweisen, würden die Finanzströme in dem jeweiligen Land austrocknen und die Wirtschaft abwürgen.

Zwar sind in den europäischen Verträgen Maßnahmen vorgesehen, die dies verhindern sollen, doch die Unruhe wäre erheblich und könnte auch auf Deutschland übergreifen, obwohl die Bundesrepublik in einem solchen Fall durchaus wieder einmal der Krisengewinner sein könnte. Denn hierzulande gibt es keine wackelnden Banken mehr und auch die Staatsfinanzen sind dank rekordhoher Steuereinnahmen relativ gut abgesichert.

Einfach erklärt
Grafiken erläutern die Schuldenkrise

Ist Zypern das nächste Island?

Zypern wird derweil häufig mit Island verglichen. Auch dieser relativ kleinen Insel flogen einst ihr aufgeblähter Bankensektor und zu hohe Zinsen um die Ohren. Das war 2008, genau in dem Jahr, in dem Zypern den Euro bekam. Zwar ist Island kein Euro-Land, doch kamen damals auch viele deutsche Sparer monatelang nicht an ihr Geld. Inzwischen hat sich die Insel wieder berappelt - auch weil sie ihre Banken nicht gerettet, sondern den Finanzsektor auf ein gesundes Maß geschrumpft hat. Für die Gläubiger wird dies am Ende wohl eine Einbuße von 70 Prozent bedeuten, denn die Abwicklung der drei gefallenen Institute Kaupthing, Glitnir und Landsbanki dauert an.

Vor diesem Hintergrund kämen die reichen Zypern-Sparer, die nach letzten Meldungen nun zwischen 15 und 25 Prozent ihres Geldvermögens als Zwangsabgabe zahlen sollen, noch gut weg. Die Entscheidung darüber wurde inzwischen von Samstag auf Sonntag verschoben. Wenn Zypern die geforderte Eigenleistung von 5,8 Milliarden Euro aufbringt, fließt der Hilfskredit der EU von zehn Milliarden Euro - und das Pleiteszenario wäre fürs erste verschoben.

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