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Konjunktur der Eurozone nimmt wieder Fahrt auf - Rezession überwunden

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Experten: Eurozone überwindet Rezession

29.07.2013, 16:28 Uhr | rtr, dpa-AFX, t-online.de

Tschüss, Wirtschaftsflaute: Die Eurozone schafft offenbar den wirtschaftlichen Aufschwung (Quelle: imago/Hans-Günther Oed)

Tschüss, Wirtschaftsflaute: Die Eurozone schafft offenbar den wirtschaftlichen Aufschwung (Quelle: imago/Hans-Günther Oed)

Die Konjunktur der Eurozone nimmt langsam wieder Fahrt auf. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte schon bald wieder zulegen, nachdem die Schuldenkrise die Wirtschaft der 17 Euroländer lange Zeit gebremst hatte. Der Grund: Eine ganze Reihe von Wirtschaftsdaten hat jüngst die Märkte positiv überrascht. Wichtige Stimmungsindikatoren aus den Chefetagen europäischer Firmen signalisieren ein Ende der Dauer-Misere.

Selbst Frankreichs Wirtschaft belebt

Ein viel beachtetes Signal sendeten kürzlich etwa die viel beachteten Einkaufsmanagerindizes für die Eurozone: Erstmals seit Januar 2012 stieg der wichtige Frühindikator im Juli wieder über die Marke von 50 Punkten und signalisiert damit eine wirtschaftliche Belebung. Bemerkenswert dabei war, dass der Anstieg neben Deutschland auch das zuletzt schwächelnde Frankreich erfasste.

Selbst die durch Sparprogramme stark gebeutelten Euro-Krisenländer wie Spanien und Italien machen wieder etwas Hoffnung. Der wichtigste Grund für die nun erwartete Trendwende liegt ein Jahr zurück. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hatte damals versprochen, alles zu tun, um den Euro zu verteidigen.

EZB hat Anleihemärkte beruhigt

Daraufhin legte die EZB ein Anleihekaufprogramm auf, das zwar gerade in Deutschland sehr umstritten ist, aber die bis dahin hoch nervösen Anleihemärkte deutlich beruhigt hatte. Zuletzt überraschte Draghi erneut mit dem Versprechen, den Leitzins für einen langen Zeitraum niedrig zu lassen.

"Mit der Entspannung an den Finanzmärkten kann die Geldpolitik der EZB endlich die Realwirtschaft erreichen", schreibt der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding. Zudem bremsten Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen die Wirtschaft nicht mehr so stark wie zuvor. Selbst am Arbeitsmarkt zeigten sich zuletzt Anzeichen für eine Verlangsamung des Abwärtstrends.

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Reformen wirken

So ist in Spanien im zweiten Quartal die Zahl der Arbeitslosen überraschend stark zurückgegangen und wieder unter die Sechs-Millionen-Marke gefallen. Die rasch wachsende Arbeitslosigkeit belastet in den Südländern den privaten Konsum stark. In den kommenden Monaten dürften sich laut Schmieding die harten strukturellen Reformen zunehmend auswirken. "Wir erwarten die ersten Anzeichen für einen neuen Trend bereits im Jahr 2014."

Die EZB sieht derzeit auch keine Gefahr für eine rückläufige Preisentwicklung in Europa mit all ihren negativen Folgen für die Wirtschaft. "Wir sehen kein Deflationsrisiko", sagte das Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) Jörg Asmussen der "Süddeutschen Zeitung".

Keine Deflation erwartet

"Die Inflationserwartungen sind auf längere Sicht fest bei einem Wert von nahe an, aber unter zwei Prozent verankert", sagte der EZB-Mann. Sein Direktoriumskollege Benoit Coeuré ergänzte: "Und das ist der große Unterschied zu Japan." Entscheidend sei, dass in Japan geringeres Wirtschaftswachstum - anders als in Europa - letztlich zu Deflation geführt hat.

Coeuré warnt vor dem Risiko einer "verlorenen Dekade" in Europa, wenn nicht die notwendigen Reformen angepackt werden. Asmussen plädierte für eine Vertiefung der europäischen Integration, wobei Deutschland und Frankreich eine führende Rolle dabei spielen müssten.

Grafiken erläutern die Schuldenkrise

Die Erholung in der Eurozone sehen Experten aber im Hinblick auf den deutschen Ifo-Geschäftsklimaindex noch auf wackligen Beinen. Der Index gibt ihrer Einschätzung nach einen Hinweis für die weiter bestehende Skepsis der deutschen Unternehmen. Die Beurteilung der Lage hellte sich zuletzt zwar merklich auf, die Erwartungen trübten sich allerdings leicht ein.

Risiken liegen in der Politik

"Diese Risiken lauern insbesondere auf politischer Ebene in den Krisenstaaten", kommentiert Postbank-Volkswirt Thilo Heidrich. "Während sich in Portugal immerhin abzeichnet, dass die umformierte Regierung hält, droht in Spanien mit der Parteispendenaffäre und in Italien mit dem Prozess um Ex-Premier Silvio Berlusconi weiterhin Ungemach."

Vor allem die mögliche Abkehr eines Landes vom Reformkurs könnte die Diskussion über ein Auseinanderbrechen der Eurozone aufleben lassen und auch die Konjunktur in Mitleidenschaft ziehen. "Die Finanzmärkte bleiben fragmentiert, die Kreditkosten im Privatsektor der Peripherie sind weiterhin hoch, vor allem für kleine Firmen", warnen Ökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF) in ihrem jüngsten Länderbericht zur Eurozone.

IWF rechnet erst 2014 mit Wachstum

Ihre Wachstumsprognose bleibt daher verhalten. Für 2013 erwarten die IWF-Experten angesichts des schwachen Starts in das Jahr insgesamt noch einen Rückgang der Euro-Wirtschaft um 0,6 Prozent. Für das nächste Jahr rechnet der Währungsfonds dann mit einem verhaltenen Wachstum von 0,9 Prozent. Im ersten Quartal war die Wirtschaft der Eurozone noch um 0,2 Prozent geschrumpft, im vergangenen Jahr um 0,5 Prozent.

29.07.2013, 16:28 Uhr | rtr, dpa-AFX, t-online.de

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