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Karmann-Insolvenz: Gewerkschaft kritisiert Eigentümer

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Insolventer Autobauer

Gewerkschaft kritisiert Karmann-Eigentümer

09.04.2009, 17:30 Uhr | bv, dapd, AFP, dpa-AFX, t-online.de

 

VW Karmann Ghia - Zukunft des Autobauers ungewiss (Quelle: imago)VW Karmann Ghia - Zukunft des Autobauers ungewiss (Quelle: imago) Beim insolventen Autobauer Karmann sind die Mitarbeiter am Donnerstagmittag auf einer Betriebsversammlung über den Stand der Dinge informiert worden. Dabei trat auch erstmals der vorläufige Insolvenzverwalter auf, der Frankfurter Wirtschaftsprüfer Ottmar Hermann. Die Gewerkschaft IG Metall hat derweil ihre Kritik an den Eigentümerfamilien des Unternehmens verstärkt. Es habe eine Zusage über eine Landesbürgschaft gegeben - die Eigentümer hatten aber offenbar nicht die notwendige Eigenleistung zur Verfügung gestellt. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) plädierte an die Verantwortung der Karmann-Eigentümer. Sie sollten ihren Beitrag für notwendige Instrumente, wie etwa eine Transfergesellschaft, leisten.

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Insolvenzverwalter zeigt sich zuversichtlich

Der Insolvenzverwalter des angeschlagenen Cabrio-Spezialisten Karmann hat sich optimistisch zur Zukunft des Traditionsunternehmens geäußert. Die Marke sei mehr als 100 Jahre alt und habe weltweit einen hervorragenden Ruf, sagte der Frankfurter Anwalt Ottmar Hermann in Osnabrück. "Wir haben eine positive Betriebsstruktur vorgefunden, auf der wir aufbauen können", betonte er. Wie hoch der akute Finanzbedarf des Unternehmens sei, könne er noch nicht sagen. Wegen des Insolvenzrechts seien die Löhne für drei Monate gesichert. Das gelte auch für die Mitarbeiter, die dem Übergang in eine Transfergesellschaft zugestimmt hätten. Von der Insolvenz sind 3470 Mitarbeiter betroffen.

Karmann will sich umgestalten

Karmann hatte unter anderem Cabrios für verschiedene Hersteller produziert, darunter Audi und Mercedes, dafür zuletzt aber keine Anschlussaufträge mehr erhalten. Deshalb hatte Karmann bereits im vergangenen Jahr angekündigt, die Fahrzeugproduktion mit dem Mercedes CLK Cabrio im Mai komplett zu beenden und sich auf die Fahrzeugentwicklung und die Produktion von Dachsystemen zu beschränken.

IG Metall: Eigentümer glaubten selbst nicht an Zukunft

Die IG Metall erklärte nun, Karmann habe Verhandlungen über einen 30-Millionen-Euro-Kredit geführt und dabei auch die Zusage einer Landesbürgschaft erhalten. Der Osnabrücker IG-Metall-Chef Hartmut Riemann sagte: "Da eine Bürgschaft jedoch in der Regel nur maximal 80 Prozent eines Kredits abdecken kann, gehen wir davon aus, dass die Gesellschafter nicht bereit waren, die restlichen 20 Prozent zu verbürgen." Anscheinend hätten die Gesellschafter selbst nicht an die Zukunft des Unternehmens ohne Autofertigung geglaubt.

Transfergesellschaft nicht finanzierbar

Karmann hatte als Gründe für die Insolvenz die schwere Wirtschaftskrise und die Verpflichtungen aus einem Sozialplan genannt. 1340 der rund 3500 Beschäftigten wurden bereits betriebsbedingt gekündigt. Die Kosten für die schon vereinbarte Transfergesellschaft hätten aber nicht mehr finanziert werden können, erklärte Karmann.

Wulff stellt weitere Hilfen in Aussicht

Niedersachsens Ministerpräsident Wulff, in dessen Bundesland der Hauptsitz von Karmann liegt, kündigte weitere Hilfen an. "Sofern eine Transfergesellschaft zustande kommt, werden wir mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln helfen", sagte er. Wulff verwahrte sich gegen den Vorwurf eines mangelnden Engagements für Karmann. "Wir haben als Landesregierung kein anderes Unternehmen mehr finanziell gefördert als Karmann." Der Ministerpräsident verwies zudem auf intensive Gespräche, die er zur Rettung der Traditionsfirma mit VW, Audi, Daimler, BMW, Opel und Saab geführt habe. Sie seien jedoch vor dem Hintergrund der weltweiten Krise gescheitert.

IG Metall: Zugesagte Abfindungen bisher nicht gezahlt

Nach Angaben der IG Metall beschäftigt eine Transfergesellschaft in Rheine derzeit 650 vormalige Karmann-Mitarbeiter. Der insolvente Autobauer schulde der Gesellschaft noch Zahlungen in Millionenhöhe, sie sei aber in ihre Existenz nicht gefährdet, sagte der örtliche IG-Metall-Bevollmächtigte Hans Pfeffer. Bis Anfang April verloren im Karmann-Fahrzeugbau in Rheine insgesamt 900 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Die meisten wechselten in die Transfergesellschaft. Etwa 300 hätten bis zur Insolvenz eine zugesagte Abfindung nicht erhalten, kritisierte Pfeffer. Abgesehen von der Transfergesellschaft beschäftigt Karmann in Rheine derzeit nur noch 130 Mitarbeiter.

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